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Versorgung bei kompensierter Leberzirrhose 2018 – Evidenzbasierte prophylaktische Maßnahmen

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ZusammenfassungIn Deutschland starben 2015 mehr als 13 000 Menschen an den Folgen einer Leberzirrhose. Die Diagnose einer fortgeschrittenen Leberschädigung kann häufig mit nicht-invasiven Methoden (z. B. mittels ultraschallbasierter Messung der Steifigkeit des Lebergewebes) bereits im noch kompensierten Stadium gestellt werden. Entscheidend ist bei Diagnosestellung eine umfassende Ursachenabklärung und konsequente Therapie der zugrundeliegenden chronischen Lebererkrankung, um einen weiteren Progress bis zur Dekompensation zu verhindern. Da insbesondere bei einer Dekompensation (angezeigt u. a. durch Ikterus, Aszites, hepatische Enzephalopathie, gastrointestinale Blutung) Morbidität und Mortalität deutlich ansteigen (z. B. steigt die 1-Jahres-Mortalität von 1 – 3,4 % auf 20 – 57 %), sind prophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung einer Dekompensation indiziert. Diese Maßnahmen umfassen nach Risikostratifizierung einer portalen Hypertension den Einsatz von Propranolol oder Carvedilol sowie eine endoskopische Ligatur mit Gummibändern zur Primärprophylaxe einer Varizenblutung. Aufgrund des hohen Risikos für eine maligne Transformation (je nach Ätiologie der Leberzirrhose 2 – 8 % pro Jahr), ist auch eine sonografische Überwachung alle sechs Monate zur frühen Diagnose eines Leberzellkarzinoms entscheidend, um eine kurative Therapie zu ermöglichen. Diskutiert wird auch der Einsatz von Antibiotika zur Vermeidung von Infektionen, die in vielen Fällen eine akute Dekompensation auslösen. Hier ist die Datenlage noch nicht überzeugend und das Risiko einer Resistenzbildung ist zu beachten. Unbedingt sollte aber der Impfstatus überprüft und Impflücken geschlossen werden. Zur Versorgung bei kompensierter Leberzirrhose gehören auch eine ernährungsphysiologische Beratung und ggf. medikamentöse Therapien, um das Voranschreiten von Osteoporose und Muskelatrophie aufzuhalten. In diesem Aufsatz werden die einzelnen Maßnahmen zur prophylaktischen Versorgung bei kompensierter Leberzirrhose vorgestellt und vor dem Hintergrund der pathophysiologischen Grundlagen und wegweisender klinischer Studien diskutiert. Sollte es trotz dieser prophylaktischen Maßnahmen zu einer Dekompensation kommen (ca. 15 % der Patienten mit Leberzirrhose jährlich), ist die Indikation zur Lebertransplantation als definitive Therapie der Leberzirrhose zu prüfen (spätestens ab einem MELD-Index > 15).
Title: Versorgung bei kompensierter Leberzirrhose 2018 – Evidenzbasierte prophylaktische Maßnahmen
Description:
ZusammenfassungIn Deutschland starben 2015 mehr als 13 000 Menschen an den Folgen einer Leberzirrhose.
Die Diagnose einer fortgeschrittenen Leberschädigung kann häufig mit nicht-invasiven Methoden (z.
 B.
mittels ultraschallbasierter Messung der Steifigkeit des Lebergewebes) bereits im noch kompensierten Stadium gestellt werden.
Entscheidend ist bei Diagnosestellung eine umfassende Ursachenabklärung und konsequente Therapie der zugrundeliegenden chronischen Lebererkrankung, um einen weiteren Progress bis zur Dekompensation zu verhindern.
Da insbesondere bei einer Dekompensation (angezeigt u.
 a.
durch Ikterus, Aszites, hepatische Enzephalopathie, gastrointestinale Blutung) Morbidität und Mortalität deutlich ansteigen (z.
 B.
steigt die 1-Jahres-Mortalität von 1 – 3,4 % auf 20 – 57 %), sind prophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung einer Dekompensation indiziert.
Diese Maßnahmen umfassen nach Risikostratifizierung einer portalen Hypertension den Einsatz von Propranolol oder Carvedilol sowie eine endoskopische Ligatur mit Gummibändern zur Primärprophylaxe einer Varizenblutung.
Aufgrund des hohen Risikos für eine maligne Transformation (je nach Ätiologie der Leberzirrhose 2 – 8 % pro Jahr), ist auch eine sonografische Überwachung alle sechs Monate zur frühen Diagnose eines Leberzellkarzinoms entscheidend, um eine kurative Therapie zu ermöglichen.
Diskutiert wird auch der Einsatz von Antibiotika zur Vermeidung von Infektionen, die in vielen Fällen eine akute Dekompensation auslösen.
Hier ist die Datenlage noch nicht überzeugend und das Risiko einer Resistenzbildung ist zu beachten.
Unbedingt sollte aber der Impfstatus überprüft und Impflücken geschlossen werden.
Zur Versorgung bei kompensierter Leberzirrhose gehören auch eine ernährungsphysiologische Beratung und ggf.
medikamentöse Therapien, um das Voranschreiten von Osteoporose und Muskelatrophie aufzuhalten.
In diesem Aufsatz werden die einzelnen Maßnahmen zur prophylaktischen Versorgung bei kompensierter Leberzirrhose vorgestellt und vor dem Hintergrund der pathophysiologischen Grundlagen und wegweisender klinischer Studien diskutiert.
Sollte es trotz dieser prophylaktischen Maßnahmen zu einer Dekompensation kommen (ca.
15 % der Patienten mit Leberzirrhose jährlich), ist die Indikation zur Lebertransplantation als definitive Therapie der Leberzirrhose zu prüfen (spätestens ab einem MELD-Index > 15).

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