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Zusammenhang zwischen maternalem Körpergewicht und fetomaternalem Outcome bei Zwillingsschwangerschaften
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In den letzten Jahrzehnten kam es weltweit zu einer deutlich zunehmenden Rate an Zwillingsgeburten. Die allgemeine Geburtenanzahl stieg innerhalb von rund 30 Jahren bis 2015 zwar nur um 8 %, die Anzahl an Zwillingsgeburten jedoch um ca. 42 %. Entscheidend für diese Entwicklungen sind zunehmendes Übergewicht bzw. Adipositas und ein steigendes durchschnittliches maternales Alter beim ersten Kind. Hierbei spielen vor allem hormonelle Veränderungen eine wichtige Rolle, da sie zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft führen. Darüber hinaus bewirken diese beiden Aspekte auch eine allgemein verringerte Fruchtbarkeit, sodass vermehrt auf die Reproduktionsmedizin zurückgegriffen wird, welche wiederum ebenfalls die Chancen einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht. Diese Entwicklungen stellen die Geburtshilfe vor neue Herausforderungen, da maternale Adipositas bereits bei Einlingsschwangerschaften das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Gestationsdiabetes mellitus, Präeklampsie oder Frühgeburten erhöht. Angesichts der Tatsache, dass Zwillingsschwangerschaften per se als Risikoschwangerschaft gelten, sind Untersuchungen zum weiteren Einfluss eines erhöhten präpartalen maternalen Gewichts entscheidend. Das Ziel der vorliegenden Studie ist daher, die Auswirkungen maternalen Übergewichts bzw. Adipositas auf das fetomaternale Outcome bei Zwillingsschwangerschaften zu untersuchen. Hierfür wurden 2.349 Frauen mit einer Zwillingsschwangerschaft, die zwischen 2005 und 2020 im Bürgerhospital Frankfurt entbunden haben, nach ihrem präpartalen Gewicht eingeteilt. Es ergab sich eine signifikant höhere Rate an Gestationsdiabetes mellitus und Präeklampsie bei übergewichtigen und adipösen Müttern (p < 0.001, respektive). Eine statistisch signifikante Assoziation zwischen maternaler Adipositas und postpartaler Hämorrhagie, intrauterinem Fruchttod und einem Apgar-Score < 7 nach fünf Minuten konnte in der vorliegenden Studienpopulation nicht nachgewiesen werden. Die Konsequenzen eines Gestationsdiabetes mellitus sind weitreichend: Es besteht unter anderem ein erhöhtes Risiko einer Präeklampsie, Frühgeburt, Sectio caesarea oder postpartalen Verlegung auf die neonatale Intensivstation. Auch über die Schwangerschaft hinaus zeigen sich Auswirkungen: Das Risiko für Myokardinfarkte und Schlaganfälle verdoppelt sich und die Nachkommen haben eine fünffach höhere Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter selbst an einer Adipositas zu leiden. Des Weiteren konnte durch ein erhöhtes präpartales Gewicht ein signifikant höheres Risiko für eine Präeklampsie festgestellt werden. Eine mögliche Implementierung einer allgemeinen ASS-Prophylaxe bei Vorliegen einer Zwillingsschwangerschaft, wie sie bei Einlingsschwangerschaften mit Risikofaktoren üblich ist, bedarf daher weiterer Forschung. Trotz fehlender signifikanter Ergebnisse bzgl. postpartaler Hämorrhagien in dieser Studienpopulation, gibt es zahlreiche Hinweise auf einen bestehenden Zusammenhang mit Zwillingsschwangerschaften. Es mangelt jedoch an Studien, die als zusätzlichen Risikofaktor das maternale Gewicht berücksichtigen, was den Bedarf an weiterführenden Untersuchungen in diesem Bereich verdeutlicht. In der Literatur wurde sowohl für Einlings- als auch Zwillingsschwangerschaften bei adipösen Müttern ein signifikant höheres Risiko für einen intrauterinen Fruchttod beschrieben, bei letzteren erhöht sich das Risiko für das Versterben beider Feten durch maternale Adipositas um bis zu 60 %. Hervorzuheben ist allerdings, dass die Studienanzahl bzgl. des Risikos bei Zwillingen adipöser Mütter bislang limitiert ist. Unabhängig vom maternalen Gewicht geht man als Ursache hierfür am ehesten vom fetofetalen Transfusionssyndrom aus, welches bei etwa 10 – 15 % der monochorialen Zwillingsschwangerschaften auftritt, die wiederum ca. 70 % aller Zwillingsschwangerschaften ausmachen. Die genauen Pathomechanismen hierfür sind bislang jedoch nicht abschließend geklärt. Bezüglich des niedrigen Apgar-Scores bei Zwillingen im Zusammenhang mit maternaler Adipositas existieren ebenfalls nur wenige Studien. Bei Einlingen ist die Studienlage widersprüchlich, eine sichere Aussage über den Einfluss eines erhöhten präpartalen Gewichts kann nicht getroffen werden. In der vorliegenden Studie ergab sich kein Zusammenhang mit einem schlechteren Apgar-Score nach fünf Minuten. Die Studienergebnisse unterstreichen die Relevanz gezielter Aufklärung über die Folgen eines erhöhten präpartalen Gewichts, vor allem in Anbetracht der teils gravierenden Konsequenzen auch über die Schwangerschaft hinaus. Vor dem Hintergrund zunehmender Möglichkeiten einer künstlichen Befruchtung müssen auch die damit einhergehenden Risiken noch weiter erforscht werden, um evidenzbasierte Präventionsstrategien zu entwickeln und fetomaternale Komplikationen zu minimieren.
Title: Zusammenhang zwischen maternalem Körpergewicht und fetomaternalem Outcome bei Zwillingsschwangerschaften
Description:
In den letzten Jahrzehnten kam es weltweit zu einer deutlich zunehmenden Rate an Zwillingsgeburten.
Die allgemeine Geburtenanzahl stieg innerhalb von rund 30 Jahren bis 2015 zwar nur um 8 %, die Anzahl an Zwillingsgeburten jedoch um ca.
42 %.
Entscheidend für diese Entwicklungen sind zunehmendes Übergewicht bzw.
Adipositas und ein steigendes durchschnittliches maternales Alter beim ersten Kind.
Hierbei spielen vor allem hormonelle Veränderungen eine wichtige Rolle, da sie zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft führen.
Darüber hinaus bewirken diese beiden Aspekte auch eine allgemein verringerte Fruchtbarkeit, sodass vermehrt auf die Reproduktionsmedizin zurückgegriffen wird, welche wiederum ebenfalls die Chancen einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht.
Diese Entwicklungen stellen die Geburtshilfe vor neue Herausforderungen, da maternale Adipositas bereits bei Einlingsschwangerschaften das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Gestationsdiabetes mellitus, Präeklampsie oder Frühgeburten erhöht.
Angesichts der Tatsache, dass Zwillingsschwangerschaften per se als Risikoschwangerschaft gelten, sind Untersuchungen zum weiteren Einfluss eines erhöhten präpartalen maternalen Gewichts entscheidend.
Das Ziel der vorliegenden Studie ist daher, die Auswirkungen maternalen Übergewichts bzw.
Adipositas auf das fetomaternale Outcome bei Zwillingsschwangerschaften zu untersuchen.
Hierfür wurden 2.
349 Frauen mit einer Zwillingsschwangerschaft, die zwischen 2005 und 2020 im Bürgerhospital Frankfurt entbunden haben, nach ihrem präpartalen Gewicht eingeteilt.
Es ergab sich eine signifikant höhere Rate an Gestationsdiabetes mellitus und Präeklampsie bei übergewichtigen und adipösen Müttern (p < 0.
001, respektive).
Eine statistisch signifikante Assoziation zwischen maternaler Adipositas und postpartaler Hämorrhagie, intrauterinem Fruchttod und einem Apgar-Score < 7 nach fünf Minuten konnte in der vorliegenden Studienpopulation nicht nachgewiesen werden.
Die Konsequenzen eines Gestationsdiabetes mellitus sind weitreichend: Es besteht unter anderem ein erhöhtes Risiko einer Präeklampsie, Frühgeburt, Sectio caesarea oder postpartalen Verlegung auf die neonatale Intensivstation.
Auch über die Schwangerschaft hinaus zeigen sich Auswirkungen: Das Risiko für Myokardinfarkte und Schlaganfälle verdoppelt sich und die Nachkommen haben eine fünffach höhere Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter selbst an einer Adipositas zu leiden.
Des Weiteren konnte durch ein erhöhtes präpartales Gewicht ein signifikant höheres Risiko für eine Präeklampsie festgestellt werden.
Eine mögliche Implementierung einer allgemeinen ASS-Prophylaxe bei Vorliegen einer Zwillingsschwangerschaft, wie sie bei Einlingsschwangerschaften mit Risikofaktoren üblich ist, bedarf daher weiterer Forschung.
Trotz fehlender signifikanter Ergebnisse bzgl.
postpartaler Hämorrhagien in dieser Studienpopulation, gibt es zahlreiche Hinweise auf einen bestehenden Zusammenhang mit Zwillingsschwangerschaften.
Es mangelt jedoch an Studien, die als zusätzlichen Risikofaktor das maternale Gewicht berücksichtigen, was den Bedarf an weiterführenden Untersuchungen in diesem Bereich verdeutlicht.
In der Literatur wurde sowohl für Einlings- als auch Zwillingsschwangerschaften bei adipösen Müttern ein signifikant höheres Risiko für einen intrauterinen Fruchttod beschrieben, bei letzteren erhöht sich das Risiko für das Versterben beider Feten durch maternale Adipositas um bis zu 60 %.
Hervorzuheben ist allerdings, dass die Studienanzahl bzgl.
des Risikos bei Zwillingen adipöser Mütter bislang limitiert ist.
Unabhängig vom maternalen Gewicht geht man als Ursache hierfür am ehesten vom fetofetalen Transfusionssyndrom aus, welches bei etwa 10 – 15 % der monochorialen Zwillingsschwangerschaften auftritt, die wiederum ca.
70 % aller Zwillingsschwangerschaften ausmachen.
Die genauen Pathomechanismen hierfür sind bislang jedoch nicht abschließend geklärt.
Bezüglich des niedrigen Apgar-Scores bei Zwillingen im Zusammenhang mit maternaler Adipositas existieren ebenfalls nur wenige Studien.
Bei Einlingen ist die Studienlage widersprüchlich, eine sichere Aussage über den Einfluss eines erhöhten präpartalen Gewichts kann nicht getroffen werden.
In der vorliegenden Studie ergab sich kein Zusammenhang mit einem schlechteren Apgar-Score nach fünf Minuten.
Die Studienergebnisse unterstreichen die Relevanz gezielter Aufklärung über die Folgen eines erhöhten präpartalen Gewichts, vor allem in Anbetracht der teils gravierenden Konsequenzen auch über die Schwangerschaft hinaus.
Vor dem Hintergrund zunehmender Möglichkeiten einer künstlichen Befruchtung müssen auch die damit einhergehenden Risiken noch weiter erforscht werden, um evidenzbasierte Präventionsstrategien zu entwickeln und fetomaternale Komplikationen zu minimieren.
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