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Koselleck as Critical Catastrophist

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This article reconsiders Reinhart Koselleck’s historical thought through the lens of catastrophe, arguing that his work belongs to a broader twentieth-century tradition of “critical catastrophism.” Situating Koselleck biographically and intellectually within what Eric Hobsbawm termed the “age of catastrophe,” the essay shows how experiences of war, defeat, and mass violence shaped his skepticism toward utopian political ideologies and redemptive philosophies of history. While catastrophe was not a central analytical category in Koselleck’s conceptual history, the article demonstrates how his reflections on Auschwitz, Stalingrad, historical memory, and the breakdown of modern temporality illuminate a transformed understanding of catastrophe as process, condition, and semantic absurdity rather than singular event. Engaging Koselleck alongside thinkers such as Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Günther Anders, and Hannah Arendt, the article traces the shift from modern notions of crisis oriented toward progress to twentieth-century fears of irreversible catastrophe. Finally, it argues that Koselleck’s insistence on the plurality of historical meanings and his critique of ideological memory regimes offer critical resources for analyzing contemporary discourses of “permacrisis,” “polycrisis,” and slow, structural catastrophes in the present. Dieser Beitrag liest Reinhart Kosellecks historisches Denken aus der Perspektive der Katastrophe neu und argumentiert, dass sein Werk einer breiteren intellektuellen Tradition des zwanzigsten Jahrhunderts zuzuordnen ist, die als „kritischer Katastrophismus“ bezeichnet werden kann. Biographisch wie intellektuell im von Eric Hobsbawm sogenannten „Zeitalter der Katastrophe“ verortet, zeigt der Aufsatz, wie Erfahrungen von Krieg, Niederlage und massenhafter Gewalt Kosellecks Skepsis gegenüber utopischen politischen Ideologien und heilsgeschichtlichen Geschichtsphilosophien prägten. Obwohl die Katastrophe keine zentrale analytische Kategorie in Kosellecks Begriffsgeschichte darstellt, wird gezeigt, wie seine Reflexionen über Auschwitz, Stalingrad, historische Erinnerung und den Zerfall moderner Temporalität ein verändertes Verständnis von Katastrophe als Prozess, Zustand und semantische Absurdität – und nicht als singuläres Ereignis – erhellen. Im Dialog mit Denkern wie Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Günther Anders und Hannah Arendt zeichnet der Beitrag den Übergang von fortschrittsorientierten modernen Krisenvorstellungen zu den im zwanzigsten Jahrhundert dominanten Ängsten vor irreversibler Katastrophe nach. Abschließend wird argumentiert, dass Kosellecks Beharren auf der Pluralität historischer Bedeutungen sowie seine Kritik ideologischer Erinnerungsregime zentrale Ressourcen für die Analyse gegenwärtiger Diskurse über „Permakrise“, „Polykrise“ und langsame, strukturelle Katastrophen darstellen.
Title: Koselleck as Critical Catastrophist
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This article reconsiders Reinhart Koselleck’s historical thought through the lens of catastrophe, arguing that his work belongs to a broader twentieth-century tradition of “critical catastrophism.
” Situating Koselleck biographically and intellectually within what Eric Hobsbawm termed the “age of catastrophe,” the essay shows how experiences of war, defeat, and mass violence shaped his skepticism toward utopian political ideologies and redemptive philosophies of history.
While catastrophe was not a central analytical category in Koselleck’s conceptual history, the article demonstrates how his reflections on Auschwitz, Stalingrad, historical memory, and the breakdown of modern temporality illuminate a transformed understanding of catastrophe as process, condition, and semantic absurdity rather than singular event.
Engaging Koselleck alongside thinkers such as Walter Benjamin, Theodor W.
Adorno, Günther Anders, and Hannah Arendt, the article traces the shift from modern notions of crisis oriented toward progress to twentieth-century fears of irreversible catastrophe.
Finally, it argues that Koselleck’s insistence on the plurality of historical meanings and his critique of ideological memory regimes offer critical resources for analyzing contemporary discourses of “permacrisis,” “polycrisis,” and slow, structural catastrophes in the present.
Dieser Beitrag liest Reinhart Kosellecks historisches Denken aus der Perspektive der Katastrophe neu und argumentiert, dass sein Werk einer breiteren intellektuellen Tradition des zwanzigsten Jahrhunderts zuzuordnen ist, die als „kritischer Katastrophismus“ bezeichnet werden kann.
Biographisch wie intellektuell im von Eric Hobsbawm sogenannten „Zeitalter der Katastrophe“ verortet, zeigt der Aufsatz, wie Erfahrungen von Krieg, Niederlage und massenhafter Gewalt Kosellecks Skepsis gegenüber utopischen politischen Ideologien und heilsgeschichtlichen Geschichtsphilosophien prägten.
Obwohl die Katastrophe keine zentrale analytische Kategorie in Kosellecks Begriffsgeschichte darstellt, wird gezeigt, wie seine Reflexionen über Auschwitz, Stalingrad, historische Erinnerung und den Zerfall moderner Temporalität ein verändertes Verständnis von Katastrophe als Prozess, Zustand und semantische Absurdität – und nicht als singuläres Ereignis – erhellen.
Im Dialog mit Denkern wie Walter Benjamin, Theodor W.
Adorno, Günther Anders und Hannah Arendt zeichnet der Beitrag den Übergang von fortschrittsorientierten modernen Krisenvorstellungen zu den im zwanzigsten Jahrhundert dominanten Ängsten vor irreversibler Katastrophe nach.
Abschließend wird argumentiert, dass Kosellecks Beharren auf der Pluralität historischer Bedeutungen sowie seine Kritik ideologischer Erinnerungsregime zentrale Ressourcen für die Analyse gegenwärtiger Diskurse über „Permakrise“, „Polykrise“ und langsame, strukturelle Katastrophen darstellen.

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