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Der Neuplatonismus Jens Peter Jacobsens

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Bengt Algot Sørensen hat die Auffassung vertreten, daß einzelne Teile der Dichtung J. P. Jacobsens — im Unterschied zu seinen naturwissenschaftlichen Schriften — mit der Naturphilosophie Fechners und insbesondere Haeckels übereinstimmen. Diese Auffassung trifft indessen nicht zu — weder für einzelne Werkteile noch für das Gesamtwerk. Eine eingehende Untersuchung von Jacobsens Position im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Leib und Seele kann dies verdeutlichen. Durch sie erkennt man, daß Jacobsen eine monistische Naturphilosophie vertritt, zu der er von Haeckel inspiriert sein mag, was aber keineswegs bedeutet, daß er mit Haeckel übereinstimmt. Denn während Haeckel Anhänger eines materialistisch gefärbten, monadologischen psychophysischen Parallelismus ist, vertritt Jacobsen eine Art von objektivem Idealismus, nämlich einen Vitalismus wie später etwa Bergson, der sich am ehesten mit Plotins Neuplatonismus vergleichen läßt. Diese Zusammenhänge werde ich im ersten Abschnitt dieser Untersuchung darlegen. Ich werde dann dazu übergehen, der Verschwommenheit der von Jørn Vosmar in seiner Dissertation über Jacobsen verwendeten Bezeichnungen ≫Einheitssehnsucht≫, ≫Mystik≪ und ≫negative Romantik≪ abzuhelfen:Sowohl das wissenschaftliche wie das dichterische Werk Jacobsens schließen an eine neuplatonische Tradition an. Davon legt seine gänzlich neuplatonische Verwendung des Mythos von Eros und Psyche ein gewichtiges Zeugnis ab. Die Unterschiede, die zwischen Jacobsen und Plotin bestehen, bestätigen eher die Auffassung, daß Jacobsens Grundlage der Neuplatonismus ist, als daß sie diese widerlegen würden, denn die bestehenden Unterschiede rühren daher, daß sich bei Jacobsen die Beurteilung der gegenseitigen Hypostasen im Verhältnis zu Plotin verschoben hat. Die Ähnlichkeit zwischen Jacobsens und Bergsons Vitalismus beruht z.B. auf ihrer gemeinsamen Umwertung des Verhältnisses zwischen Zeit und Ewigkeit, das bei Plotin besteht — und das in der philosophischen Tradition vorherrschend ist. Es scheint eine Folge dieser Umwertung zu sein, daß Jacobsen eine zweite wesentliche Umwertung vornimmt, und zwar eine, die das Verhältnis zwischen den Hauptideen im Idealismus betrifft (dem Guten, dem Wahren und dem Schönen), indem er dem Schönen einen unbestreitbaren Vorrang einräumt. Bei Plotin sieht man nämlich, daß die Schönheitsgöttin Aphrodite der Seelenhypostase entspricht, zu der allein die Zeit und das sinnliche Leben gehören. Von hier und vom Platz der Aphrodite im plotinisch verstandenen Mythos von Eros und Psyche aus bekommt man denn auch die Erklärung dafür, daß Jacobsens wesentlichste Zweiheit ‐ verstanden als das Bezogensein zweier Kräfte aufeinander ‐ zwischen Eros und Tod und seine zweitwesentlichste zwischen Einzelseele und Allseele besteht. Sowohl Einzelseele als auch Allseele bekommen Fülle, ziehen sich zusammen und erweitern sich wechselseitig. Ein unglückliches menschliches Schicksal erklärt Jacobsen mit fehlender Übereinstimmung zwischen den Bewegungsmustern der Einzelseele und der Allseele.
Title: Der Neuplatonismus Jens Peter Jacobsens
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Bengt Algot Sørensen hat die Auffassung vertreten, daß einzelne Teile der Dichtung J.
P.
Jacobsens — im Unterschied zu seinen naturwissenschaftlichen Schriften — mit der Naturphilosophie Fechners und insbesondere Haeckels übereinstimmen.
Diese Auffassung trifft indessen nicht zu — weder für einzelne Werkteile noch für das Gesamtwerk.
Eine eingehende Untersuchung von Jacobsens Position im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Leib und Seele kann dies verdeutlichen.
Durch sie erkennt man, daß Jacobsen eine monistische Naturphilosophie vertritt, zu der er von Haeckel inspiriert sein mag, was aber keineswegs bedeutet, daß er mit Haeckel übereinstimmt.
Denn während Haeckel Anhänger eines materialistisch gefärbten, monadologischen psychophysischen Parallelismus ist, vertritt Jacobsen eine Art von objektivem Idealismus, nämlich einen Vitalismus wie später etwa Bergson, der sich am ehesten mit Plotins Neuplatonismus vergleichen läßt.
Diese Zusammenhänge werde ich im ersten Abschnitt dieser Untersuchung darlegen.
Ich werde dann dazu übergehen, der Verschwommenheit der von Jørn Vosmar in seiner Dissertation über Jacobsen verwendeten Bezeichnungen ≫Einheitssehnsucht≫, ≫Mystik≪ und ≫negative Romantik≪ abzuhelfen:Sowohl das wissenschaftliche wie das dichterische Werk Jacobsens schließen an eine neuplatonische Tradition an.
Davon legt seine gänzlich neuplatonische Verwendung des Mythos von Eros und Psyche ein gewichtiges Zeugnis ab.
Die Unterschiede, die zwischen Jacobsen und Plotin bestehen, bestätigen eher die Auffassung, daß Jacobsens Grundlage der Neuplatonismus ist, als daß sie diese widerlegen würden, denn die bestehenden Unterschiede rühren daher, daß sich bei Jacobsen die Beurteilung der gegenseitigen Hypostasen im Verhältnis zu Plotin verschoben hat.
Die Ähnlichkeit zwischen Jacobsens und Bergsons Vitalismus beruht z.
B.
auf ihrer gemeinsamen Umwertung des Verhältnisses zwischen Zeit und Ewigkeit, das bei Plotin besteht — und das in der philosophischen Tradition vorherrschend ist.
Es scheint eine Folge dieser Umwertung zu sein, daß Jacobsen eine zweite wesentliche Umwertung vornimmt, und zwar eine, die das Verhältnis zwischen den Hauptideen im Idealismus betrifft (dem Guten, dem Wahren und dem Schönen), indem er dem Schönen einen unbestreitbaren Vorrang einräumt.
Bei Plotin sieht man nämlich, daß die Schönheitsgöttin Aphrodite der Seelenhypostase entspricht, zu der allein die Zeit und das sinnliche Leben gehören.
Von hier und vom Platz der Aphrodite im plotinisch verstandenen Mythos von Eros und Psyche aus bekommt man denn auch die Erklärung dafür, daß Jacobsens wesentlichste Zweiheit ‐ verstanden als das Bezogensein zweier Kräfte aufeinander ‐ zwischen Eros und Tod und seine zweitwesentlichste zwischen Einzelseele und Allseele besteht.
Sowohl Einzelseele als auch Allseele bekommen Fülle, ziehen sich zusammen und erweitern sich wechselseitig.
Ein unglückliches menschliches Schicksal erklärt Jacobsen mit fehlender Übereinstimmung zwischen den Bewegungsmustern der Einzelseele und der Allseele.

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