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Vom «autistischen Psychopathen» zum Autismusspektrum. Verhaltensdiagnostik und Persönlichkeitsbehauptung in der Geschichte des Autismus

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Der Aufsatz untersucht das Verhältnis von Persönlichkeit und Verhalten in der Defi nition und Diagnostik des Autismus von Kanner und Asperger in den 1940er Jahren bis in die neueren Ausgaben des DSM und ICD. Dazu unterscheidet er drei verschiedene epistemische Zugänge zum Autismus: ein externes Wissen der dritten Person, das über Verhaltensbeobachtungen, Testverfahren und Elterninterviews gewonnen wird; ein stärker praktisches Wissen der zweiten Person, das in der andauernden, alltäglichen Interaktion bei Eltern und Betreuer*innen entsteht, und schließlich das introspektive Wissen der ersten Person, d.h. der Autist*innen selbst. Dabei resultiert die Kerndifferenz in der Behandlung des Autismus daraus, ob man meint, die Persönlichkeit eines Menschen allein über die Beobachtung von Verhaltensweisen erschließen zu können oder ob es sich um eine vorgängige Struktur handelt, die introspektiv zugänglich ist, Verhalten prägt und ihm Sinn verleihen kann. Die Entscheidung hierüber führt zu grundlegend anderen Positionierungen zu verhaltenstherapeutischen Ansätzen, wie insbesondere zu Ole Ivar Lovaas’ Applied Behavior Analysis.
Walter de Gruyter GmbH
Title: Vom «autistischen Psychopathen» zum Autismusspektrum. Verhaltensdiagnostik und Persönlichkeitsbehauptung in der Geschichte des Autismus
Description:
Der Aufsatz untersucht das Verhältnis von Persönlichkeit und Verhalten in der Defi nition und Diagnostik des Autismus von Kanner und Asperger in den 1940er Jahren bis in die neueren Ausgaben des DSM und ICD.
Dazu unterscheidet er drei verschiedene epistemische Zugänge zum Autismus: ein externes Wissen der dritten Person, das über Verhaltensbeobachtungen, Testverfahren und Elterninterviews gewonnen wird; ein stärker praktisches Wissen der zweiten Person, das in der andauernden, alltäglichen Interaktion bei Eltern und Betreuer*innen entsteht, und schließlich das introspektive Wissen der ersten Person, d.
h.
der Autist*innen selbst.
Dabei resultiert die Kerndifferenz in der Behandlung des Autismus daraus, ob man meint, die Persönlichkeit eines Menschen allein über die Beobachtung von Verhaltensweisen erschließen zu können oder ob es sich um eine vorgängige Struktur handelt, die introspektiv zugänglich ist, Verhalten prägt und ihm Sinn verleihen kann.
Die Entscheidung hierüber führt zu grundlegend anderen Positionierungen zu verhaltenstherapeutischen Ansätzen, wie insbesondere zu Ole Ivar Lovaas’ Applied Behavior Analysis.

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