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Lass das Büchlein deinen Freund sein. : ,,Ichzeit“ in Goethes ,,Werther“ (1774) und Willers Trauerspiel ,,Werther“ (1778)

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Abstract Die seelischen Folgen aus der unglücklichen Dreiecksgeschichte in Wetzlar umschreibt Goethe rückblickend als ,historia morbi‘ oder ,taedium vitae‘. Seine eigene Krankengeschichte verbindet er im Werther mit anderen Fällen. Nie zuvor hat ein Ich so rückhaltlos von sich selbst erzählt, ohne den Autor dabei völlig preiszugeben. Nicht der Held, sondern das Büchlein empfiehlt sich als ein Freund, der das Publikum über den Menschen aufklärt. Tragische Leidenschaft und Selbstmord wären bloß schrecklich und kein Fundament für Freundschaft, die daraus kausal entwickelte Geschichte hingegen ist fesselnd und erhellend. Die Innovation des Werther besteht in der Suggestion von Authentizität, erstens durch Versatzstücke aus der Wirklichkeit und zweitens durch Darstellung einer lebendig dramatisierten, ,inneren Geschichte‘ aus der Ich-Perspektive. Das empfiehlt den Roman für mehrere Bühnenadaptionen, von denen hier Willers ,,bürgerliches Trauerspiel“ von 1778 betrachtet wird. Goethes neuartige Darstellungsverfahren machen den Werther zum Kultbuch, das eine erste moderne ,,Ichzeit“ einleitet – noch vor M. Biller, R. Goetz, H. Hegemann, W. Herrndorf oder Chr. Kracht.In retrospect, Goethe describes the emotional consequences of the unfortunate love triangle in Wetzlar as ‘historia morbi’ or ‘taedium vitae’. In Werther, he connects his own medical history with other cases. Never before has an ego spoken so wholeheartedly about itself without revealing the author completely. Not the hero, but the little book is recommended as a “friend” who enlightens the public about the nature of man. Tragic passion and suicide would be merely horrific and not the foundation of friendship, but the reasonably arranged story is compelling and enlightening. Werther’s innovation consists in the suggestion of authenticity, firstly through set pieces from reality and secondly through the depiction of a vividly dramatized ‘inner story’ from the first-person perspective. This recommends the novel for several stage adaptations, of which Willer’s “bourgeois tragedy” from 1778 is considered here. Goethe’s innovative methods of presentation make Werther a cult book, introducing a first modern “ego time” before M. Biller, R. Goetz, W. Herrndorf or Chr. Kracht.
Peter Lang, International Academic Publishers
Title: Lass das Büchlein deinen Freund sein. : ,,Ichzeit“ in Goethes ,,Werther“ (1774) und Willers Trauerspiel ,,Werther“ (1778)
Description:
Abstract Die seelischen Folgen aus der unglücklichen Dreiecksgeschichte in Wetzlar umschreibt Goethe rückblickend als ,historia morbi‘ oder ,taedium vitae‘.
Seine eigene Krankengeschichte verbindet er im Werther mit anderen Fällen.
Nie zuvor hat ein Ich so rückhaltlos von sich selbst erzählt, ohne den Autor dabei völlig preiszugeben.
Nicht der Held, sondern das Büchlein empfiehlt sich als ein Freund, der das Publikum über den Menschen aufklärt.
Tragische Leidenschaft und Selbstmord wären bloß schrecklich und kein Fundament für Freundschaft, die daraus kausal entwickelte Geschichte hingegen ist fesselnd und erhellend.
Die Innovation des Werther besteht in der Suggestion von Authentizität, erstens durch Versatzstücke aus der Wirklichkeit und zweitens durch Darstellung einer lebendig dramatisierten, ,inneren Geschichte‘ aus der Ich-Perspektive.
Das empfiehlt den Roman für mehrere Bühnenadaptionen, von denen hier Willers ,,bürgerliches Trauerspiel“ von 1778 betrachtet wird.
Goethes neuartige Darstellungsverfahren machen den Werther zum Kultbuch, das eine erste moderne ,,Ichzeit“ einleitet – noch vor M.
Biller, R.
Goetz, H.
Hegemann, W.
Herrndorf oder Chr.
Kracht.
In retrospect, Goethe describes the emotional consequences of the unfortunate love triangle in Wetzlar as ‘historia morbi’ or ‘taedium vitae’.
In Werther, he connects his own medical history with other cases.
Never before has an ego spoken so wholeheartedly about itself without revealing the author completely.
Not the hero, but the little book is recommended as a “friend” who enlightens the public about the nature of man.
Tragic passion and suicide would be merely horrific and not the foundation of friendship, but the reasonably arranged story is compelling and enlightening.
Werther’s innovation consists in the suggestion of authenticity, firstly through set pieces from reality and secondly through the depiction of a vividly dramatized ‘inner story’ from the first-person perspective.
This recommends the novel for several stage adaptations, of which Willer’s “bourgeois tragedy” from 1778 is considered here.
Goethe’s innovative methods of presentation make Werther a cult book, introducing a first modern “ego time” before M.
Biller, R.
Goetz, W.
Herrndorf or Chr.
Kracht.

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