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Atalanta fugiens

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Michael Maiers <i>Atalanta fugiens</i> (1617/18) zählt ohne Frage zu den Werken, die unser Bild von ‚Alchemie‘ am meisten geprägt haben. Neben den Fugen und Emblemen, denen die <i>Atalanta</i> ihre Prominenz verdankt, bietet die textkritische Edition von Simon Brandl erstmals eine moderne Übersetzung der lateinischen Begleittexte (der sogenannten <i>Discursus</i>), jeweils versehen mit einem ausführlichen Kommentar. Dieser dient dem Nachweis von Quellen, dem Verständnis obskurer Textstellen sowie der Erläuterung des in der <i>Atalanta</i> verarbeiteten Wissens. Dieses Wissen ist im Wesentlichen ein chemisch-praktisches, wie es um 1600 in verschlüsselter Form durch althergebrachte Florilegien und Vers-Bild-Traktate tradiert wurde. Maier imitiert in der <i>Atalanta</i> den intransparenten Charakter dieser Bücher, indem er das verhandelte (al)chemische Wissen anhand einer Fülle von Allegorien auf den Gebieten von Mythologie, Historiographie, Medizin, Zoologie und Astronomie vermittelt. Hierbei nimmt die Mythologie insofern eine exponierte Stellung ein, als Maier in dieser prinzipiell nichts anderes erkennt als einen Kosmos von (al)chemischen Allegorien. Im Zentrum der <i>chymia</i> – so lautet Maiers Alchemie-Begriff – steht die Zeugung des Steins der Weisen, der Gesundheit und nie versiegenden Reichtum spendet. Indes dient die <i>Atalanta</i> erklärtermaßen nicht dem Erlernen der Laborpraxis, sondern dem ‚Genuss mit allen Sinnen‘ sowie, im Zuge der Allegorese der chymischen Geheimnisse, einer Schulung des Intellekts. Das didaktische Programm der <i>Atalanta</i> offenbart sich vor diesem Hintergrund als ein ‚ludus‘, in dem sich das kreative Spiel der Natur widerspiegelt.
Title: Atalanta fugiens
Description:
Michael Maiers <i>Atalanta fugiens</i> (1617/18) zählt ohne Frage zu den Werken, die unser Bild von ‚Alchemie‘ am meisten geprägt haben.
Neben den Fugen und Emblemen, denen die <i>Atalanta</i> ihre Prominenz verdankt, bietet die textkritische Edition von Simon Brandl erstmals eine moderne Übersetzung der lateinischen Begleittexte (der sogenannten <i>Discursus</i>), jeweils versehen mit einem ausführlichen Kommentar.
Dieser dient dem Nachweis von Quellen, dem Verständnis obskurer Textstellen sowie der Erläuterung des in der <i>Atalanta</i> verarbeiteten Wissens.
Dieses Wissen ist im Wesentlichen ein chemisch-praktisches, wie es um 1600 in verschlüsselter Form durch althergebrachte Florilegien und Vers-Bild-Traktate tradiert wurde.
Maier imitiert in der <i>Atalanta</i> den intransparenten Charakter dieser Bücher, indem er das verhandelte (al)chemische Wissen anhand einer Fülle von Allegorien auf den Gebieten von Mythologie, Historiographie, Medizin, Zoologie und Astronomie vermittelt.
Hierbei nimmt die Mythologie insofern eine exponierte Stellung ein, als Maier in dieser prinzipiell nichts anderes erkennt als einen Kosmos von (al)chemischen Allegorien.
Im Zentrum der <i>chymia</i> – so lautet Maiers Alchemie-Begriff – steht die Zeugung des Steins der Weisen, der Gesundheit und nie versiegenden Reichtum spendet.
Indes dient die <i>Atalanta</i> erklärtermaßen nicht dem Erlernen der Laborpraxis, sondern dem ‚Genuss mit allen Sinnen‘ sowie, im Zuge der Allegorese der chymischen Geheimnisse, einer Schulung des Intellekts.
Das didaktische Programm der <i>Atalanta</i> offenbart sich vor diesem Hintergrund als ein ‚ludus‘, in dem sich das kreative Spiel der Natur widerspiegelt.

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