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Welt erzählen. Ilse Aichingers Landschaften und Wetterlagen der Existenz

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Abstract Der Beitrag versteht die Sentenz „Die Welt ist aus dem Stoff, der Betrachtung verlangt“ aus dem Gedicht „Winterantwort“ als Erkenntnismodell für eine Aichingers Texte leitende Auffassung von Welt, die über die Immanenzebene des Schreibens zu erschließen ist. Hierfür erläutert er die politischen, geo- und topopoetischen Dimensionen von ‚Welt erzählen‘ zunächst in begriffsgeschichtlicher Perspektive und macht deutlich, inwiefern sich Ilse Aichingers Haltung zur Welt, zur eigenen Existenz und zur Sprache aus frühen Kindheitserfahrungen ableitet. Ausgehend davon arbeitet er in einer detaillierten Analyse von „Landschaften und Wetterlagen der Existenz“ aus dem Band Subtexte die Spezifik von Aichingers ‚Welt erzählen‘ in ihrer Verschränkung praxeologischer und thematisch-semantischer Dimensionen des Schreibens heraus. Er zeigt, dass es keine einfache Repräsentation oder Herstellung einer vor der Literatur liegenden ‚Welt‘ in die ‚diegetische Welt‘ eines Textes ist, sondern ein komplexes Gefüge, in dem geographisch und lokal sowie historisch situierbare mit stimmungshaft erlebten und erinnerten, aber auch mit über Mythen und Märchen vermittelten literarischen Landschaften und Orten verflochten sind. ‚Welt erzählen‘, so wird im Rekurs auf die Darstellungsverfahren dieses kurzen Textes, der, Namen und Orte, Formzitate und Anklänge unterschiedlicher Prosagattungen von Absatz zu Absatz wiederaufnehmend, ineinander übersetzend und dabei einen Kosmos intra- und intertextueller Bezüge erstellend, eine Vielfalt an Perspektiven, Formen, Genres und Gattungen produktiv macht. Modellhaft wird so die doppelte Bestimmung herausgearbeitet, die das Schreiben für Aichinger leistet: Es ermöglicht eine klare Benennung jener Aspekte an Landschaften und Orten, an denen die Reinigungsprozesse des ‚Welt-Machens‘ kenntlich werden, und es ermöglicht eine Distanznahme gegenüber den Zumutungen der Existenz, die hingenommen und ausgehalten werden müssen.
Walter de Gruyter GmbH
Title: Welt erzählen. Ilse Aichingers Landschaften und Wetterlagen der Existenz
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Abstract Der Beitrag versteht die Sentenz „Die Welt ist aus dem Stoff, der Betrachtung verlangt“ aus dem Gedicht „Winterantwort“ als Erkenntnismodell für eine Aichingers Texte leitende Auffassung von Welt, die über die Immanenzebene des Schreibens zu erschließen ist.
Hierfür erläutert er die politischen, geo- und topopoetischen Dimensionen von ‚Welt erzählen‘ zunächst in begriffsgeschichtlicher Perspektive und macht deutlich, inwiefern sich Ilse Aichingers Haltung zur Welt, zur eigenen Existenz und zur Sprache aus frühen Kindheitserfahrungen ableitet.
Ausgehend davon arbeitet er in einer detaillierten Analyse von „Landschaften und Wetterlagen der Existenz“ aus dem Band Subtexte die Spezifik von Aichingers ‚Welt erzählen‘ in ihrer Verschränkung praxeologischer und thematisch-semantischer Dimensionen des Schreibens heraus.
Er zeigt, dass es keine einfache Repräsentation oder Herstellung einer vor der Literatur liegenden ‚Welt‘ in die ‚diegetische Welt‘ eines Textes ist, sondern ein komplexes Gefüge, in dem geographisch und lokal sowie historisch situierbare mit stimmungshaft erlebten und erinnerten, aber auch mit über Mythen und Märchen vermittelten literarischen Landschaften und Orten verflochten sind.
‚Welt erzählen‘, so wird im Rekurs auf die Darstellungsverfahren dieses kurzen Textes, der, Namen und Orte, Formzitate und Anklänge unterschiedlicher Prosagattungen von Absatz zu Absatz wiederaufnehmend, ineinander übersetzend und dabei einen Kosmos intra- und intertextueller Bezüge erstellend, eine Vielfalt an Perspektiven, Formen, Genres und Gattungen produktiv macht.
Modellhaft wird so die doppelte Bestimmung herausgearbeitet, die das Schreiben für Aichinger leistet: Es ermöglicht eine klare Benennung jener Aspekte an Landschaften und Orten, an denen die Reinigungsprozesse des ‚Welt-Machens‘ kenntlich werden, und es ermöglicht eine Distanznahme gegenüber den Zumutungen der Existenz, die hingenommen und ausgehalten werden müssen.

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