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Aussichten auf virtuellen Wohlstand
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Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) haben in der Diskussion um das Gemeinwohl eine wesentliche Bedeutung gewonnen. Das Versprechen des materiellen Überflusses – an Information, Freizeitbeschäftigung und Wissen – prägt die Entwicklungsdiskussion und bringt neue Konzepte wie „digitale Kluft“, „E-Readiness“, „E-velopment“ usw. hervor. Diese neuen Perspektiven bedeuten einen Jungbrunnen für die internationale Entwicklungszusammenarbeit. Ein „gutes Leben für alle“ scheint greifbar nahe, vorausgesetzt, dass die armen Länder in allen traditionellen Entwicklungsbereichen – Wirtschaft, Gesundheitswesen, Erziehung, Politik, Umweltpolitik usw. – die IKT einsetzen.Diese Hoffnungen werden von Drohungen gegen die Fortschrittsskeptiker begleitet : Nicht angeschlossen zu sein bedeutet zwangsläufig, am Rande der als wohlhabend und demokratisch versprochenen „globalen Informationsgesellschaft“ zu bleiben. Das Internet entwickelt sich vom Kommunikationsinstrument zu einem neuen Grundbedürfnis, das dringend befriedigt werden muss. Die Integration der IKT in die Entwicklungsdiskussion erweist sich als ausgezeichneter Träger, um die überholt geglaubten evolutionsbestimmten und technikorientierten Visionen wieder zu verwerten.Um zu erkennen, was wirklich neu und was weniger neu ist, müssen die IKT vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklungszusammenarbeit betrachtet werden. Die besondere Betonung der IKT verdrängt bisweilen die Tatsache, dass der Technologietransfer bereits seit geraumer Zeit als Vektor für die Entwicklung der südlichen Länder dient – was keineswegs bedeutet, dass die Geschichte ins Stocken geraten ist. Weshalb haben die IKT für die Entwicklungszusammenarbeit so stark an Bedeutung gewonnen ? Welchen Einfluss übt die Zusammenarbeit auf die Geografie, die Inhalte und die Nutzung der elektronischen Netze aus ? Welche Werte und Interessen werden von den im Namen der „Bekämpfung des digitalen Grabens“ durchgeführten Tätigkeiten übermittelt, und wie fügen sich die IKT in das breitere Phänomen der Globalisierung ein ? Ist Entwicklung schliesslich überhaupt noch ein Anliegen, zumal die gesamte Weltbevölkerung eine „globale Informationsgesellschaft“ bilden wird ?Die Informationsgesellschaft bedeutet zunächst eine Chance für die internationalen Organisationen, die darin neuen Enthusiasmus schöpfen und eine neue Legitimität für ihr Handeln finden. Allerdings dürfte diese Erneuerungsphase nur von kurzer Dauer sein. Noch auffallender als der digitale Bruch ist nämlich das Gefälle zwischen dem Diskurs, der auf die ausserordentlichen Auswirkungen der IKT für möglichst zahlreiche Menschen setzt, und der Realität dieser Technologien, die nach wie vor nach stark kommerziellen und ungerechten Kriterien konzipiert werden.Die internationale Zusammenarbeit trägt sowohl passiv als auch aktiv zu diesen Tendenzen bei. Häufig verwandelt sie sich – ohne wirkliche Einflussnahme auf die Netze und von altruistischen Diskursen verdeckt – zur Wortführerin der Interessen der Privatunternehmen : Das Heil liege einzig in den öffentlich-privaten Partnerschaften und in der Öffnung der Telekommunikationsmärkte in den Ländern des Südens. Die Fehlschläge in der New Economy und die Bankrottfälle an der Börse werden geleugnet, damit der Mythos einer Interessengemeinschaft zwischen Info-Reichen und Info-Armen am bald geteilten Wohlstand weiter leben kann. Nicht oder nur oberflächlich ans Internet angeschlossen zu sein, läuft auf die Ausgrenzung aus dem planetaren Netzsystem hinaus. Das Internet ist heute für die Entwicklung genauso wichtig, wie es die Elektrizität für die Industrialisierung war. In zahllosen Erklärungen wird dafür plädiert, die „echten Probleme der Dritten Welt“ – sprich Gesundheit, Ausbildung, Wasser, Elektrizität usw. – vor dem Thema Internet anzupacken, was einen grundlegenden Mangel an Verständnis für die aktuellen Probleme der Entwicklung beweist1.
Title: Aussichten auf virtuellen Wohlstand
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Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) haben in der Diskussion um das Gemeinwohl eine wesentliche Bedeutung gewonnen.
Das Versprechen des materiellen Überflusses – an Information, Freizeitbeschäftigung und Wissen – prägt die Entwicklungsdiskussion und bringt neue Konzepte wie „digitale Kluft“, „E-Readiness“, „E-velopment“ usw.
hervor.
Diese neuen Perspektiven bedeuten einen Jungbrunnen für die internationale Entwicklungszusammenarbeit.
Ein „gutes Leben für alle“ scheint greifbar nahe, vorausgesetzt, dass die armen Länder in allen traditionellen Entwicklungsbereichen – Wirtschaft, Gesundheitswesen, Erziehung, Politik, Umweltpolitik usw.
– die IKT einsetzen.
Diese Hoffnungen werden von Drohungen gegen die Fortschrittsskeptiker begleitet : Nicht angeschlossen zu sein bedeutet zwangsläufig, am Rande der als wohlhabend und demokratisch versprochenen „globalen Informationsgesellschaft“ zu bleiben.
Das Internet entwickelt sich vom Kommunikationsinstrument zu einem neuen Grundbedürfnis, das dringend befriedigt werden muss.
Die Integration der IKT in die Entwicklungsdiskussion erweist sich als ausgezeichneter Träger, um die überholt geglaubten evolutionsbestimmten und technikorientierten Visionen wieder zu verwerten.
Um zu erkennen, was wirklich neu und was weniger neu ist, müssen die IKT vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklungszusammenarbeit betrachtet werden.
Die besondere Betonung der IKT verdrängt bisweilen die Tatsache, dass der Technologietransfer bereits seit geraumer Zeit als Vektor für die Entwicklung der südlichen Länder dient – was keineswegs bedeutet, dass die Geschichte ins Stocken geraten ist.
Weshalb haben die IKT für die Entwicklungszusammenarbeit so stark an Bedeutung gewonnen ? Welchen Einfluss übt die Zusammenarbeit auf die Geografie, die Inhalte und die Nutzung der elektronischen Netze aus ? Welche Werte und Interessen werden von den im Namen der „Bekämpfung des digitalen Grabens“ durchgeführten Tätigkeiten übermittelt, und wie fügen sich die IKT in das breitere Phänomen der Globalisierung ein ? Ist Entwicklung schliesslich überhaupt noch ein Anliegen, zumal die gesamte Weltbevölkerung eine „globale Informationsgesellschaft“ bilden wird ?Die Informationsgesellschaft bedeutet zunächst eine Chance für die internationalen Organisationen, die darin neuen Enthusiasmus schöpfen und eine neue Legitimität für ihr Handeln finden.
Allerdings dürfte diese Erneuerungsphase nur von kurzer Dauer sein.
Noch auffallender als der digitale Bruch ist nämlich das Gefälle zwischen dem Diskurs, der auf die ausserordentlichen Auswirkungen der IKT für möglichst zahlreiche Menschen setzt, und der Realität dieser Technologien, die nach wie vor nach stark kommerziellen und ungerechten Kriterien konzipiert werden.
Die internationale Zusammenarbeit trägt sowohl passiv als auch aktiv zu diesen Tendenzen bei.
Häufig verwandelt sie sich – ohne wirkliche Einflussnahme auf die Netze und von altruistischen Diskursen verdeckt – zur Wortführerin der Interessen der Privatunternehmen : Das Heil liege einzig in den öffentlich-privaten Partnerschaften und in der Öffnung der Telekommunikationsmärkte in den Ländern des Südens.
Die Fehlschläge in der New Economy und die Bankrottfälle an der Börse werden geleugnet, damit der Mythos einer Interessengemeinschaft zwischen Info-Reichen und Info-Armen am bald geteilten Wohlstand weiter leben kann.
Nicht oder nur oberflächlich ans Internet angeschlossen zu sein, läuft auf die Ausgrenzung aus dem planetaren Netzsystem hinaus.
Das Internet ist heute für die Entwicklung genauso wichtig, wie es die Elektrizität für die Industrialisierung war.
In zahllosen Erklärungen wird dafür plädiert, die „echten Probleme der Dritten Welt“ – sprich Gesundheit, Ausbildung, Wasser, Elektrizität usw.
– vor dem Thema Internet anzupacken, was einen grundlegenden Mangel an Verständnis für die aktuellen Probleme der Entwicklung beweist1.
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