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Von realen und virtuellen Kontexten
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Soziale Netzwerke sind keine Erfindung der neuen Medien, auch nicht des Technologiezeitalters, noch nicht einmal der Industrialisierung. Soziale Netzwerke sind so alt wie die Menschheit selbst, denn sie entstehen dort, wo Menschen miteinander in soziale Interaktion treten. Dieses dort war dabei noch nie so deiktisch wie in heutiger Zeit, denn wie abstrakt auch immer soziale Netzwerke früher waren, virtuell existieren sie, betrachtet man die Menschheitsgeschichte, erst seit einem Wimpernschlag. Und dieser Wimpernschlag zieht, scheinbar den Gesetzmäßigkeiten der Chaostheorie folgend, eine zunehmende Welle an Diskussionen und Erörterungen rund um das Thema virtuelle (oder Online-)Netzwerke nach sich. Denn Diskussionsbedarfbesteht, wie der im kopaed-Verlag erschienene Sammelband Mit der Welt vernetzt – Kinder und Jugendliche in virtuellen Erfahrungsräumen, herausgegeben von Burkhard Fuhs, Claudia Lampert und Roland Rosenstock, darlegt.
Der in Folge einer Fachtagung im Oktober2008 zum gleichen Thema erschienene Band fragt nach dem Stellenwert der Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen und nach den Chancen und Grenzen der neuen Kommunikationstechnologien. Gerade für Heranwachsendeist soziale Interaktion entscheidend für den Sozialisierungsprozess und gerade für sie nehmen Netzwerkplattformen eine Schlüsselposition ein, da diese besonders auf das Identitäts- und Beziehungsmanagement zugeschnitten sind, das in diesen Altersgruppen eine zentrale Rolle spielt, wie Jan-Hinrik Schmidt in einem Beitrag „Netzwerkplattformen als Räume des Heranwachsens“ darstellt. Längst ist man sich darüber einig, dass es mit bewahrpädagogischen Ansätzen nicht getan ist, dass die Entwicklung und Förderung von Medienkompetenz junger Nutzerinnen und Nutzer die heutige Devise ist.
Wie Birgit Guth („Kinderwelten 2008. Die Rolle des Web 2.0 bei den 8- bis 14-Jährigen“) und Burkhard Fuhs und Roland Rosenstock („My First Net. Internet im Vorschulalter“) zeigen, betrifft das nicht nur Jugendliche, sondern auch jüngere Kinder, die zwar womöglich noch nicht Fahrrad fahren, dafür aber schon surfen können. Gerade was diese junge Klientel angeht, besteht seitens der Anbieterinnen und Anbieter noch Nachholbedarf, denn tatsächlich kindgerecht ist der geringste Anteil des Online-Angebots. Diese Frage nach für Kinder und Jugendliche geeigneten Inhalten belebt und erhitzt derzeit die Gemüter. Immer wieder echot die Mahnung vor den fehlenden Kenntnissen junger Nutzerinnen und Nutzer, wie sie ihre Privatsphäre schützen können, durch die Welt der Medien und Pädagogik, gefolgt vom Appell an die Betreiberinnen und Betreiber, ihren fälligen Beitrag zum Jugendmedienschutz zu leisten (Birgit Guth).
Dass das Phänomen der sozialen Online-Netzwerke über das Jugendzimmer hinaus die ganze Familie erreicht hat, zeigt Julia Berger in ihrem Text „Internetforen als Erziehungsratgeber“ auf. Zwar ersetzt der virtuelle den realen Raum nicht, aber er erweitert ihn und so werden Themen, die in Sandkastengesprächen nie angesprochen werden würden, im anonymen Schutzraum des Internets offen erörtert: „[...] der Sandkasten und die Erziehungsforen bilden nebeneinanderund sich verschränkend ein Reflektionsfeld für Erziehungsprobleme, die im Rückbezug die Familienwelten insgesamt stabilisieren und festigen können.“ Anja Hartung geht darüber noch hinaus, indem sie darstellt, wie virtuelle Selbstpräsentation als Gemeinschaft konstituierender Akt auch für manche Familien relevant ist, dass das Internet sogar beim Zusammenpuzzeln der Familienhistorie eine Möglichkeit bietet. Auf der anderen Seite kann im Netz eine Plattform für die Artikulation von Verlusterfahrungen gefunden werden, als eine Form der individuellen und sozialen Ausdrucks- und Bewältigungsform. „Das Internet vergisst nichts“ mal anders herum gewendet.
Der Sammelband Mit der Welt vernetzt nimmt wichtige Aspekte der Online-Netzwerke kritisch in den Blick, informiert über die zunehmenden Internetzugänge in deutschen Haushalten und über die Nutzungsgewohnheiten von Jungen und Mädchen und wie dies von der sozio-ökonomischen Situation einer Familie beeinflusst wird. Neben empirischen Befunden, zum Beispiel zu „Artikulationsformen von Jugendlichen im Web 2.0“ durch Ulrike Wagner, Niels Brüggen und Christa Gebel, und entsprechend kritischen Schlussfolgerungen etwa durch Martina Mühlbergers „Neue Risiken durch das Social Web. Eine Perspektive des Jugendmedienschutzes“ werden auch Konzepte für eine sichere Onlinenutzung präsentiert und mögliche Handlungsoptionen für Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen und Anbieterinnen und Anbieter diskutiert.
Ein Format, das dem Wunsch nach einem sicheren Surfraum für Kinder entspricht, ist zum Beispiel die Plattform fragFINN, vorgestellt von Friederike Siller, Lidia de Reese und Cornelia Reichardt. Im Spannungsraum von Jugendmedienschutz und Förderung von Medienkompetenz macht fragFinn kindgerechte Angebote sichtbar und unterstützt so ein selbstbestimmtes und geschütztes Bewegen von Kindern im Netz. Auf diese Weise können sie die positive Breite und Vielfalt des Netzes erfahren. fragFinn ist die erste Whitelist für Kinder in Deutschland und im Gegensatz zur Blacklist ein positiver Ansatz zum Jugendmedienschutz. Um diesen positiven Ansatz geht es auch dem Band Mit der Welt vernetzt.
Jan-Hinrik Schmidt hält fest, dass die Grenze zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit sich zwar verschiebt, Privatsphäre an sich deshalb aber nicht obsolet wird, sondern unter den veränderten technischen Bedingungen durch neu zu lernende Strategien und Routinen hergestellt werden muss.
Ingrid Paus-Hasebrink plädiert für eine handlungsorientierte Medienpädagogik, die den Fokus auf die Stärkung des eigenverantwortlichen und kompetenten Medienumgangs richtet und so auf Medienmündigkeit abzielt. Und dies betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche, denn Medienkompetenz ist nicht statisch, sondern eine Aufgabe des lebenslangen Lernens.
Der Sammelband Mit der Welt vernetzt – Kinder und Jugendliche in virtuellen Erfahrungsräumen macht deutlich, dass derzeit zwar Wellen schlagen und geschlagen werden müssen, dass aber von Chaos keinesfalls die Rede sein kann. Handlungsbedarfbesteht, Handlungsmöglichkeiten gibt es aber auch, um Kinder und Jugendliche beim Surfen durch die Untiefen des World Wide Web zu unterstützen und sie davor zu bewahren, sich im Netz zu verheddern.
Title: Von realen und virtuellen Kontexten
Description:
Soziale Netzwerke sind keine Erfindung der neuen Medien, auch nicht des Technologiezeitalters, noch nicht einmal der Industrialisierung.
Soziale Netzwerke sind so alt wie die Menschheit selbst, denn sie entstehen dort, wo Menschen miteinander in soziale Interaktion treten.
Dieses dort war dabei noch nie so deiktisch wie in heutiger Zeit, denn wie abstrakt auch immer soziale Netzwerke früher waren, virtuell existieren sie, betrachtet man die Menschheitsgeschichte, erst seit einem Wimpernschlag.
Und dieser Wimpernschlag zieht, scheinbar den Gesetzmäßigkeiten der Chaostheorie folgend, eine zunehmende Welle an Diskussionen und Erörterungen rund um das Thema virtuelle (oder Online-)Netzwerke nach sich.
Denn Diskussionsbedarfbesteht, wie der im kopaed-Verlag erschienene Sammelband Mit der Welt vernetzt – Kinder und Jugendliche in virtuellen Erfahrungsräumen, herausgegeben von Burkhard Fuhs, Claudia Lampert und Roland Rosenstock, darlegt.
Der in Folge einer Fachtagung im Oktober2008 zum gleichen Thema erschienene Band fragt nach dem Stellenwert der Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen und nach den Chancen und Grenzen der neuen Kommunikationstechnologien.
Gerade für Heranwachsendeist soziale Interaktion entscheidend für den Sozialisierungsprozess und gerade für sie nehmen Netzwerkplattformen eine Schlüsselposition ein, da diese besonders auf das Identitäts- und Beziehungsmanagement zugeschnitten sind, das in diesen Altersgruppen eine zentrale Rolle spielt, wie Jan-Hinrik Schmidt in einem Beitrag „Netzwerkplattformen als Räume des Heranwachsens“ darstellt.
Längst ist man sich darüber einig, dass es mit bewahrpädagogischen Ansätzen nicht getan ist, dass die Entwicklung und Förderung von Medienkompetenz junger Nutzerinnen und Nutzer die heutige Devise ist.
Wie Birgit Guth („Kinderwelten 2008.
Die Rolle des Web 2.
0 bei den 8- bis 14-Jährigen“) und Burkhard Fuhs und Roland Rosenstock („My First Net.
Internet im Vorschulalter“) zeigen, betrifft das nicht nur Jugendliche, sondern auch jüngere Kinder, die zwar womöglich noch nicht Fahrrad fahren, dafür aber schon surfen können.
Gerade was diese junge Klientel angeht, besteht seitens der Anbieterinnen und Anbieter noch Nachholbedarf, denn tatsächlich kindgerecht ist der geringste Anteil des Online-Angebots.
Diese Frage nach für Kinder und Jugendliche geeigneten Inhalten belebt und erhitzt derzeit die Gemüter.
Immer wieder echot die Mahnung vor den fehlenden Kenntnissen junger Nutzerinnen und Nutzer, wie sie ihre Privatsphäre schützen können, durch die Welt der Medien und Pädagogik, gefolgt vom Appell an die Betreiberinnen und Betreiber, ihren fälligen Beitrag zum Jugendmedienschutz zu leisten (Birgit Guth).
Dass das Phänomen der sozialen Online-Netzwerke über das Jugendzimmer hinaus die ganze Familie erreicht hat, zeigt Julia Berger in ihrem Text „Internetforen als Erziehungsratgeber“ auf.
Zwar ersetzt der virtuelle den realen Raum nicht, aber er erweitert ihn und so werden Themen, die in Sandkastengesprächen nie angesprochen werden würden, im anonymen Schutzraum des Internets offen erörtert: „[.
] der Sandkasten und die Erziehungsforen bilden nebeneinanderund sich verschränkend ein Reflektionsfeld für Erziehungsprobleme, die im Rückbezug die Familienwelten insgesamt stabilisieren und festigen können.
“ Anja Hartung geht darüber noch hinaus, indem sie darstellt, wie virtuelle Selbstpräsentation als Gemeinschaft konstituierender Akt auch für manche Familien relevant ist, dass das Internet sogar beim Zusammenpuzzeln der Familienhistorie eine Möglichkeit bietet.
Auf der anderen Seite kann im Netz eine Plattform für die Artikulation von Verlusterfahrungen gefunden werden, als eine Form der individuellen und sozialen Ausdrucks- und Bewältigungsform.
„Das Internet vergisst nichts“ mal anders herum gewendet.
Der Sammelband Mit der Welt vernetzt nimmt wichtige Aspekte der Online-Netzwerke kritisch in den Blick, informiert über die zunehmenden Internetzugänge in deutschen Haushalten und über die Nutzungsgewohnheiten von Jungen und Mädchen und wie dies von der sozio-ökonomischen Situation einer Familie beeinflusst wird.
Neben empirischen Befunden, zum Beispiel zu „Artikulationsformen von Jugendlichen im Web 2.
0“ durch Ulrike Wagner, Niels Brüggen und Christa Gebel, und entsprechend kritischen Schlussfolgerungen etwa durch Martina Mühlbergers „Neue Risiken durch das Social Web.
Eine Perspektive des Jugendmedienschutzes“ werden auch Konzepte für eine sichere Onlinenutzung präsentiert und mögliche Handlungsoptionen für Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen und Anbieterinnen und Anbieter diskutiert.
Ein Format, das dem Wunsch nach einem sicheren Surfraum für Kinder entspricht, ist zum Beispiel die Plattform fragFINN, vorgestellt von Friederike Siller, Lidia de Reese und Cornelia Reichardt.
Im Spannungsraum von Jugendmedienschutz und Förderung von Medienkompetenz macht fragFinn kindgerechte Angebote sichtbar und unterstützt so ein selbstbestimmtes und geschütztes Bewegen von Kindern im Netz.
Auf diese Weise können sie die positive Breite und Vielfalt des Netzes erfahren.
fragFinn ist die erste Whitelist für Kinder in Deutschland und im Gegensatz zur Blacklist ein positiver Ansatz zum Jugendmedienschutz.
Um diesen positiven Ansatz geht es auch dem Band Mit der Welt vernetzt.
Jan-Hinrik Schmidt hält fest, dass die Grenze zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit sich zwar verschiebt, Privatsphäre an sich deshalb aber nicht obsolet wird, sondern unter den veränderten technischen Bedingungen durch neu zu lernende Strategien und Routinen hergestellt werden muss.
Ingrid Paus-Hasebrink plädiert für eine handlungsorientierte Medienpädagogik, die den Fokus auf die Stärkung des eigenverantwortlichen und kompetenten Medienumgangs richtet und so auf Medienmündigkeit abzielt.
Und dies betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche, denn Medienkompetenz ist nicht statisch, sondern eine Aufgabe des lebenslangen Lernens.
Der Sammelband Mit der Welt vernetzt – Kinder und Jugendliche in virtuellen Erfahrungsräumen macht deutlich, dass derzeit zwar Wellen schlagen und geschlagen werden müssen, dass aber von Chaos keinesfalls die Rede sein kann.
Handlungsbedarfbesteht, Handlungsmöglichkeiten gibt es aber auch, um Kinder und Jugendliche beim Surfen durch die Untiefen des World Wide Web zu unterstützen und sie davor zu bewahren, sich im Netz zu verheddern.
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