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‘Prisca scientia’ versus ‘prisca sapientia’. Zwei Modelle des Umgangs mit der Tradition am Beispiel des Rückgriffs auf die Vorsokratik im Kontext der frühneuzeitlichen Debatte und der Ausbildung des Kontinuitätsmodell der ‘prisca sapientia’ bzw. ‘philosop
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Die Rückkehr zu den alten Denkern, nämlich zu den sogenannten präsokratischen Philosophen, ist schon fast ein topos in der Geschichte der frühen modernen Philosophie. Eine solche Rückkehr könnte jedoch ein eindeutiges Verständnis erschweren und alternative historiographische Paradigmennach sich ziehen. Um solche internen Spannungen offen zu legen, muss sich die Forschung nicht nur auf Tatsachen konzentrieren, nämlich auf das, was ist, sondern auch auf die Begründungen für eben diese Tatsachen. Sie muß analysieren, weshalb es so und nicht anders sein könnte. Der vorliegende Aufsatz erforscht die Frage nach der Rückkehr zur „alten Weisheit“ und identifiziert zwei alternative hermeneutische Muster - der Autor beschreibt sie als zwei entgegengesetzte ‚Syndrome‘. Diese sind einerseits das Modell der prisca scientia und andererseits das Modell der prisca sapientia. Nach dem ersten Paradigma stellen die frühen Denker ein Reservoir von verstreuten Lehren und Sätzen dar, die für die Wiederverwendung in neuen philosophischen Projekten zur Verfügung stehen (ohne Anspruch auf eine Kontinuität der Tradition). Nach dem zweiten Modell ist es den Alten jedoch gelungen, eine „ursprüngliche“ Lehre vorzustellen, die als eine Art das Leben als Ganzes umgebende „rettende Erkenntnis“, bezeichnet werden kann. Die beiden Syndrome schließen sich gegenseitig aus, da die prisca sapientia keine prisca scientia beinhaltet. Es scheint, daß im 18. Jahrhundertsdas prisca sapientia-Modell seinen Reiz verlor und marginalisiert wurde.
Cordoba University Press (UCOPress)
Title: ‘Prisca scientia’ versus ‘prisca sapientia’. Zwei Modelle des Umgangs mit der Tradition am Beispiel des Rückgriffs auf die Vorsokratik im Kontext der frühneuzeitlichen Debatte und der Ausbildung des Kontinuitätsmodell der ‘prisca sapientia’ bzw. ‘philosop
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Die Rückkehr zu den alten Denkern, nämlich zu den sogenannten präsokratischen Philosophen, ist schon fast ein topos in der Geschichte der frühen modernen Philosophie.
Eine solche Rückkehr könnte jedoch ein eindeutiges Verständnis erschweren und alternative historiographische Paradigmennach sich ziehen.
Um solche internen Spannungen offen zu legen, muss sich die Forschung nicht nur auf Tatsachen konzentrieren, nämlich auf das, was ist, sondern auch auf die Begründungen für eben diese Tatsachen.
Sie muß analysieren, weshalb es so und nicht anders sein könnte.
Der vorliegende Aufsatz erforscht die Frage nach der Rückkehr zur „alten Weisheit“ und identifiziert zwei alternative hermeneutische Muster - der Autor beschreibt sie als zwei entgegengesetzte ‚Syndrome‘.
Diese sind einerseits das Modell der prisca scientia und andererseits das Modell der prisca sapientia.
Nach dem ersten Paradigma stellen die frühen Denker ein Reservoir von verstreuten Lehren und Sätzen dar, die für die Wiederverwendung in neuen philosophischen Projekten zur Verfügung stehen (ohne Anspruch auf eine Kontinuität der Tradition).
Nach dem zweiten Modell ist es den Alten jedoch gelungen, eine „ursprüngliche“ Lehre vorzustellen, die als eine Art das Leben als Ganzes umgebende „rettende Erkenntnis“, bezeichnet werden kann.
Die beiden Syndrome schließen sich gegenseitig aus, da die prisca sapientia keine prisca scientia beinhaltet.
Es scheint, daß im 18.
Jahrhundertsdas prisca sapientia-Modell seinen Reiz verlor und marginalisiert wurde.
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