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Über künstliches Lesen, Lesekunst und die Kunst des Lesens
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Im Mai dieses Jahres titelt die Wochenzeitung ,,Die Zeit“ ,,Ein Land verlernt das Lesen“1 und widmet den gesamten Wissensteil einer Dokumentation zum Niedergang der Lesefähigkeit der (insbesondere jungen) Deutschen2. Ein (Teil-)Schuldiger ist schnell gefunden: Der Konsum digitaler Medien reduziert die menschliche Aufmerksamkeitsspanne und beeinträchtigt damit die Gabe des ,,deep readings“3, also jener Königsdisziplin des Lesens, die die Aufnahme großer Textmengen sowie das verstehende Lesen komplexer Texte umfasst und sogar eigene neuronale Aktivierungsmuster für sich beanspruchen darf4. Auch die technischen Artefakte selbst, die sogenannten ,digitalen Endgeräte‘ (wie Handy, Tablet oder PC), geraten unter Verdacht, für die Lesemisere mitverantwortlich zu sein. In der Tat lesen wir auf technischen Geräten anders als in einem Buch, einer Zeitschrift oder einer Zeitung. Ohne die haptische Erfahrung fehlt die räumliche Orientierung. Steht etwas ,,oben“ oder ,,unten“, ,,hinten, vorne oder links unten im vorletzten Abschnitt“? Wir wissen es in digitalen Leseräumen ebenso wenig, wie wir gut abwägen – oder vielmehr abwiegen – könnten, wie schwer der Umfang des Gelesenen wiegt. Stattdessen erfassen unsere Augen Texte auf digitalen Endgeräten im Zick-Zack Muster in einer intuitiven Suchbewegung nach Schlüsselwörtern, konditioniert auf eingehende Signale zu achten und den kürzesten Weg zur Information zu ertasten (,,Skimmendes Lesen“5).
Title: Über künstliches Lesen, Lesekunst und die Kunst des Lesens
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Im Mai dieses Jahres titelt die Wochenzeitung ,,Die Zeit“ ,,Ein Land verlernt das Lesen“1 und widmet den gesamten Wissensteil einer Dokumentation zum Niedergang der Lesefähigkeit der (insbesondere jungen) Deutschen2.
Ein (Teil-)Schuldiger ist schnell gefunden: Der Konsum digitaler Medien reduziert die menschliche Aufmerksamkeitsspanne und beeinträchtigt damit die Gabe des ,,deep readings“3, also jener Königsdisziplin des Lesens, die die Aufnahme großer Textmengen sowie das verstehende Lesen komplexer Texte umfasst und sogar eigene neuronale Aktivierungsmuster für sich beanspruchen darf4.
Auch die technischen Artefakte selbst, die sogenannten ,digitalen Endgeräte‘ (wie Handy, Tablet oder PC), geraten unter Verdacht, für die Lesemisere mitverantwortlich zu sein.
In der Tat lesen wir auf technischen Geräten anders als in einem Buch, einer Zeitschrift oder einer Zeitung.
Ohne die haptische Erfahrung fehlt die räumliche Orientierung.
Steht etwas ,,oben“ oder ,,unten“, ,,hinten, vorne oder links unten im vorletzten Abschnitt“? Wir wissen es in digitalen Leseräumen ebenso wenig, wie wir gut abwägen – oder vielmehr abwiegen – könnten, wie schwer der Umfang des Gelesenen wiegt.
Stattdessen erfassen unsere Augen Texte auf digitalen Endgeräten im Zick-Zack Muster in einer intuitiven Suchbewegung nach Schlüsselwörtern, konditioniert auf eingehende Signale zu achten und den kürzesten Weg zur Information zu ertasten (,,Skimmendes Lesen“5).
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