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GRK 2105/2 : "Doing Transitions": Formen der Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf ; Abschlussbericht

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Übergänge im Lebenslauf sind seit Jahrzehnten Gegenstand von Forschung. Sie gelten zu-nehmend als unsicher und ungewiss sowie als Moment der Reproduktion sozialer Ungleich-heit in den Lebensverläufen von Individuen. Gegenstand des Graduiertenkollegs „Doing Tran-sitions – Formen der Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf“ war das Zustandekommen von Übergängen im Lebenslauf ausgehend von der Annahme, dass diese als soziale Kon-struktionen zu begreifen sind. Zentrale Frage war, wie Übergänge gestaltet und dabei immer wieder neu hergestellt werden. Der innovative Zugang bestand darin, Übergänge als soziale Praktiken und Prozesse der Differenzierung zu untersuchen: als aufeinander bezogene dis-kursive, institutionelle und individuelle zugeschriebene Praktiken, die mit Dimensionen von Zeitlichkeit, Beziehungen und Materialität in Beziehung stehen. Weil Übergänge unterschiedliche Lebensbereiche, Lebensalter und Institutionen verbinden, leistet Doing Transitions empirische Beiträge zu vielfältigen Forschungsfeldern: in der Un-gleichheitsforschung, den Gender Studies und der Migrationsforschung zeigt sich, wie soziale Zustände vor und nach Übergängen mit ungleichheitsrelevanten Differenzen verschränkt sind. Zur Kindheitsforschung tragen Studien zu Übergängen in die Schule, in Fremdunterbringung oder in die selbständige Mobilität bei. Im Jugendalter sind Übergänge in Bildung und Arbeit auf komplexe Weise verschränkt mit jugendkulturellen, postdigitalen Praktiken und Prozessen der Politisierung. Auch Übergänge im höheren Alter in Bezug auf Partnerschaft, Wohnen, Pflege oder ins Sterben sind durch das Ineinandergreifen vielfältiger Praktiken gekennzeich-net. Forschungsethisch anspruchsvoll sind Untersuchungen zu Übergängen ins Sprechen über sexuelle Gewalterfahrungen oder queeren Übergängen. Die praxeologische Doing-Perspektive wurde sukzessive in Richtung relationaler Sozialtheo-rien ausgebaut. In methodologischer Hinsicht hat sich dies in der Weiterentwicklung reflexiver und integrativer Forschungsdesigns mit quantitativen und qualitativen Zugängen, im Einbezug diskursanalytischer Perspektiven oder in der Ergänzung von Interviews durch visualisierende Methoden wie body mapping, social media-Analyse oder Genogrammanalyse niedergeschla-gen. Zentral ist dabei die Reflexion des Beitrags, den Forschung selbst zur Hervorbringung von Übergängen leistet. Ein zentraler Befund des Kollegs ist, dass die Gestaltung und Her-vorbringung von Übergängen keineswegs gegeben oder durch gesellschaftliche Strukturen determiniert, sondern wechselseitig mit Prozessen gesellschaftlicher Reproduktion verknüpft sind: doing transitions als Ausdruck von doing difference, doing inequality und – nicht zuletzt – doing society. Diese grundlagentheoretischen Erkenntnisse liefern auch wichtige Hinweise für eine Steigerung der Reflexivität gesellschaftlicher Institutionen, die beanspruchen Übergänge im Lebenslauf zu steuern und die Teilhabe von Menschen in diesen Prozessen zu sichern.
Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Frankfurt am Main
Title: GRK 2105/2 : "Doing Transitions": Formen der Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf ; Abschlussbericht
Description:
Übergänge im Lebenslauf sind seit Jahrzehnten Gegenstand von Forschung.
Sie gelten zu-nehmend als unsicher und ungewiss sowie als Moment der Reproduktion sozialer Ungleich-heit in den Lebensverläufen von Individuen.
Gegenstand des Graduiertenkollegs „Doing Tran-sitions – Formen der Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf“ war das Zustandekommen von Übergängen im Lebenslauf ausgehend von der Annahme, dass diese als soziale Kon-struktionen zu begreifen sind.
Zentrale Frage war, wie Übergänge gestaltet und dabei immer wieder neu hergestellt werden.
Der innovative Zugang bestand darin, Übergänge als soziale Praktiken und Prozesse der Differenzierung zu untersuchen: als aufeinander bezogene dis-kursive, institutionelle und individuelle zugeschriebene Praktiken, die mit Dimensionen von Zeitlichkeit, Beziehungen und Materialität in Beziehung stehen.
Weil Übergänge unterschiedliche Lebensbereiche, Lebensalter und Institutionen verbinden, leistet Doing Transitions empirische Beiträge zu vielfältigen Forschungsfeldern: in der Un-gleichheitsforschung, den Gender Studies und der Migrationsforschung zeigt sich, wie soziale Zustände vor und nach Übergängen mit ungleichheitsrelevanten Differenzen verschränkt sind.
Zur Kindheitsforschung tragen Studien zu Übergängen in die Schule, in Fremdunterbringung oder in die selbständige Mobilität bei.
Im Jugendalter sind Übergänge in Bildung und Arbeit auf komplexe Weise verschränkt mit jugendkulturellen, postdigitalen Praktiken und Prozessen der Politisierung.
Auch Übergänge im höheren Alter in Bezug auf Partnerschaft, Wohnen, Pflege oder ins Sterben sind durch das Ineinandergreifen vielfältiger Praktiken gekennzeich-net.
Forschungsethisch anspruchsvoll sind Untersuchungen zu Übergängen ins Sprechen über sexuelle Gewalterfahrungen oder queeren Übergängen.
Die praxeologische Doing-Perspektive wurde sukzessive in Richtung relationaler Sozialtheo-rien ausgebaut.
In methodologischer Hinsicht hat sich dies in der Weiterentwicklung reflexiver und integrativer Forschungsdesigns mit quantitativen und qualitativen Zugängen, im Einbezug diskursanalytischer Perspektiven oder in der Ergänzung von Interviews durch visualisierende Methoden wie body mapping, social media-Analyse oder Genogrammanalyse niedergeschla-gen.
Zentral ist dabei die Reflexion des Beitrags, den Forschung selbst zur Hervorbringung von Übergängen leistet.
Ein zentraler Befund des Kollegs ist, dass die Gestaltung und Her-vorbringung von Übergängen keineswegs gegeben oder durch gesellschaftliche Strukturen determiniert, sondern wechselseitig mit Prozessen gesellschaftlicher Reproduktion verknüpft sind: doing transitions als Ausdruck von doing difference, doing inequality und – nicht zuletzt – doing society.
Diese grundlagentheoretischen Erkenntnisse liefern auch wichtige Hinweise für eine Steigerung der Reflexivität gesellschaftlicher Institutionen, die beanspruchen Übergänge im Lebenslauf zu steuern und die Teilhabe von Menschen in diesen Prozessen zu sichern.

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