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Ambulanter Pflegedienst: Wer nutzt ihn und wer möchte ihn nutzen? Prädiktoren der aktuellen und künftigen Inanspruchnahme

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Zusammenfassung Hintergrund Pflegebedürftige Personen werden in Deutschland mehrheitlich von ihren An- und Zugehörigen, den „pflegenden Angehörigen“, zu Hause gepflegt. Der ambulante Pflegedienst stellt dabei eine zentrale Säule in der ambulanten Versorgung von Pflegebedürftigen dar. Ziel dieses Beitrags ist, die Einflussfaktoren für die aktuelle und zukünftige Inanspruchnahme des ambulanten Pflegedienstes zu analysieren. Methodik Im Rahmen der Querschnittsstudie Benefits of Being a Caregiver (Zugewinne durch die Pflege) wurden von Oktober 2019 bis März 2020 pflegende Angehörige von pflegebedürftigen älteren Menschen aus Bayern befragt (n=958). Neben den Charakteristika der pflegenden Angehörigen und der Pflegebedürftigen wurden Angaben zur Pflegesituation sowie zur tatsächlichen und in Zukunft gewünschten Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes erhoben. Es wurden zwei binär logistische Regressionsanalysen durchgeführt, um die Prädiktoren der Nutzung zu ermitteln. Ergebnisse Der ambulante Pflegedienst wurde von 368 (38%) pflegenden Angehörigen bzw. den Pflegebedürftigen „gegenwärtig oder in letzter Zeit“ genutzt. 236 pflegende Angehörige (40% der aktuellen Nicht-Nutzenden) gaben an, einen ambulanten Pflegedienst in Zukunft nutzen zu wollen. Als Prädiktoren für die aktuelle Nutzung wurden das Verwandtschaftsverhältnis „Nicht-Partner“, ein höherer Pflegegrad der Pflegebedürftigen sowie die Einschätzung der pflegenden Angehörigen, mit der Pflege nicht zurecht zu kommen, ermittelt. Prädisponierende Faktoren für die gewünschte zukünftige Nutzung waren der Wunsch nach gegenwärtiger informeller Hilfe und ein niedrigerer Pflegegrad. Schlussfolgerung Da die Nutzenden angaben, mit der häuslichen Pflege weniger gut zurechtzukommen, sollte der ambulante Pflegedienst sein Beratungsangebot verstärkt auf Empowerment der Angehörigen ausrichten. Darüber hinaus sind die Nutzenden vorwiegend erwerbstätige Töchter oder Schwiegertöchter, die in getrennten Haushalten leben. Daher ist die Verlässlichkeit des Angebotes eine Grundvoraussetzung, um die häusliche Pflege aufrechterhalten zu können. Zukünftig ist ein erheblicher Nutzungswusch für ambulante Pflegedienstleistungen zu erwarten. Deshalb sind Anstrengungen zu unternehmen, um das Angebot gegebenenfalls auszubauen.
Title: Ambulanter Pflegedienst: Wer nutzt ihn und wer möchte ihn nutzen? Prädiktoren der aktuellen und künftigen Inanspruchnahme
Description:
Zusammenfassung Hintergrund Pflegebedürftige Personen werden in Deutschland mehrheitlich von ihren An- und Zugehörigen, den „pflegenden Angehörigen“, zu Hause gepflegt.
Der ambulante Pflegedienst stellt dabei eine zentrale Säule in der ambulanten Versorgung von Pflegebedürftigen dar.
Ziel dieses Beitrags ist, die Einflussfaktoren für die aktuelle und zukünftige Inanspruchnahme des ambulanten Pflegedienstes zu analysieren.
Methodik Im Rahmen der Querschnittsstudie Benefits of Being a Caregiver (Zugewinne durch die Pflege) wurden von Oktober 2019 bis März 2020 pflegende Angehörige von pflegebedürftigen älteren Menschen aus Bayern befragt (n=958).
Neben den Charakteristika der pflegenden Angehörigen und der Pflegebedürftigen wurden Angaben zur Pflegesituation sowie zur tatsächlichen und in Zukunft gewünschten Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes erhoben.
Es wurden zwei binär logistische Regressionsanalysen durchgeführt, um die Prädiktoren der Nutzung zu ermitteln.
Ergebnisse Der ambulante Pflegedienst wurde von 368 (38%) pflegenden Angehörigen bzw.
den Pflegebedürftigen „gegenwärtig oder in letzter Zeit“ genutzt.
236 pflegende Angehörige (40% der aktuellen Nicht-Nutzenden) gaben an, einen ambulanten Pflegedienst in Zukunft nutzen zu wollen.
Als Prädiktoren für die aktuelle Nutzung wurden das Verwandtschaftsverhältnis „Nicht-Partner“, ein höherer Pflegegrad der Pflegebedürftigen sowie die Einschätzung der pflegenden Angehörigen, mit der Pflege nicht zurecht zu kommen, ermittelt.
Prädisponierende Faktoren für die gewünschte zukünftige Nutzung waren der Wunsch nach gegenwärtiger informeller Hilfe und ein niedrigerer Pflegegrad.
Schlussfolgerung Da die Nutzenden angaben, mit der häuslichen Pflege weniger gut zurechtzukommen, sollte der ambulante Pflegedienst sein Beratungsangebot verstärkt auf Empowerment der Angehörigen ausrichten.
Darüber hinaus sind die Nutzenden vorwiegend erwerbstätige Töchter oder Schwiegertöchter, die in getrennten Haushalten leben.
Daher ist die Verlässlichkeit des Angebotes eine Grundvoraussetzung, um die häusliche Pflege aufrechterhalten zu können.
Zukünftig ist ein erheblicher Nutzungswusch für ambulante Pflegedienstleistungen zu erwarten.
Deshalb sind Anstrengungen zu unternehmen, um das Angebot gegebenenfalls auszubauen.

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