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Lasst sie halluzinieren!
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Kinder und Jugendliche sollen in der Lage sein, den Wahrheitsgehalt von KI-Botschaften kritisch zu beurteilen. Das Halluzinieren ist eine der großen medienpädagogischen Herausforderungen in immer komplexeren Medienwelten. Problematisiert man die Halluzinationen jedoch lediglich als die Abwesenheit von Wahrheit, drohen wir die Wahrhaftigkeit KI-generierter Kommunikation zu übersehen.
Seit wann werden Medienbotschaften so streng an ihrem Wahrheitsgehalt bemessen? Als Quentin Tarantino in Inglourious Basterds Hitler killte, rief wohl niemand „Fake News!“. Auch die Facebook-Profile der Charaktere von Berlin – Tag und Nacht werden als Fiktion akzeptiert. Selbst als das Katzen-Marmeladenbrot-Paradoxon (Marmeladenbrot landet immer auf der Marmeladenseite; Katzen immer auf den Füßen – was passiert, wenn man ein Marmeladenbrot auf eine Katze bindet?) intensiv im Internet diskutiert wurde, kam niemand auf die Idee, dass Kinder und Jugendliche in der Lage sein müssten, dieses wunderbare Gedankenexperiment kritisch zu beurteilen. Keines dieser Beispiele braucht Wahrheit, hinter jedem verbirgt sich je- doch eine medienbezogene Wahrhaftigkeit.
Aber wer halluziniert hier eigentlich? Vor einiger Zeit schloss eine Keynote auf einer wissenschaftlichen Tagung zu KI in der Bildung ernsthaft mit der These, dass diese neue Technologie dazu führe, dass Lehrkräfte letztlich mehr Zeit für Kreativität und menschliche Interaktionen hätten. Klar, wenn die Maschinen die Hausarbeiten korrigieren, die sie zuvor geschrieben haben, können wir die Schule als Ort der Bildung und Entfaltung wiederentdecken. Bis dahin werden die knappen Lehrkräfte wohl ihre frei gewordene Zeit darin investieren, noch mehr Unterrichtsstunden zu bestreiten.
Wenn man die strikte Unterscheidung von Wahrheit und Unwahrheit an die Seite stellt, ist das Halluzinieren die interessanteste Fähigkeit generativer KI. In meinen Seminaren zu KI in der Bildung lasse ich Studierende über vermeintliche Zitate von Adorno, McLuhan oder Bourdieu diskutieren – ohne zu Beginn offenzulegen, dass die Aussagen generiert wurden. Sobald ich sie darüber aufkläre, reagieren die Studierenden oft mit einer Mischung aus Scham und Misstrauen. Die interessante Frage lautet dann: Warum können wir eine Diskussion über eine Aussage führen, die von einer Maschine stammt – egal ob sie wahr ist oder nicht?
Hier zeigt sich der Moment, in dem uns das Medium selbst als Botschaft entgegentritt. Generative KI ist ein kulturelles Echolot: Sie sendet sprachliche Signale in die Tiefen kollektiver Datenbestände, von wo sie als verzerrte Echos zurück an die Oberfläche menschlicher Kommunikation reflektiert werden. Dabei ist nicht jede Botschaft wahr. In den Echos generativer KI steckt jedoch Wahrhaftigkeit, die uns herausfordert, neue Lesarten zu entwickeln und den Sinn von Botschaften über ihren Wahrheitsgehalt hinaus zu finden.
Deshalb: Lasst sie halluzinieren!
Title: Lasst sie halluzinieren!
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Kinder und Jugendliche sollen in der Lage sein, den Wahrheitsgehalt von KI-Botschaften kritisch zu beurteilen.
Das Halluzinieren ist eine der großen medienpädagogischen Herausforderungen in immer komplexeren Medienwelten.
Problematisiert man die Halluzinationen jedoch lediglich als die Abwesenheit von Wahrheit, drohen wir die Wahrhaftigkeit KI-generierter Kommunikation zu übersehen.
Seit wann werden Medienbotschaften so streng an ihrem Wahrheitsgehalt bemessen? Als Quentin Tarantino in Inglourious Basterds Hitler killte, rief wohl niemand „Fake News!“.
Auch die Facebook-Profile der Charaktere von Berlin – Tag und Nacht werden als Fiktion akzeptiert.
Selbst als das Katzen-Marmeladenbrot-Paradoxon (Marmeladenbrot landet immer auf der Marmeladenseite; Katzen immer auf den Füßen – was passiert, wenn man ein Marmeladenbrot auf eine Katze bindet?) intensiv im Internet diskutiert wurde, kam niemand auf die Idee, dass Kinder und Jugendliche in der Lage sein müssten, dieses wunderbare Gedankenexperiment kritisch zu beurteilen.
Keines dieser Beispiele braucht Wahrheit, hinter jedem verbirgt sich je- doch eine medienbezogene Wahrhaftigkeit.
Aber wer halluziniert hier eigentlich? Vor einiger Zeit schloss eine Keynote auf einer wissenschaftlichen Tagung zu KI in der Bildung ernsthaft mit der These, dass diese neue Technologie dazu führe, dass Lehrkräfte letztlich mehr Zeit für Kreativität und menschliche Interaktionen hätten.
Klar, wenn die Maschinen die Hausarbeiten korrigieren, die sie zuvor geschrieben haben, können wir die Schule als Ort der Bildung und Entfaltung wiederentdecken.
Bis dahin werden die knappen Lehrkräfte wohl ihre frei gewordene Zeit darin investieren, noch mehr Unterrichtsstunden zu bestreiten.
Wenn man die strikte Unterscheidung von Wahrheit und Unwahrheit an die Seite stellt, ist das Halluzinieren die interessanteste Fähigkeit generativer KI.
In meinen Seminaren zu KI in der Bildung lasse ich Studierende über vermeintliche Zitate von Adorno, McLuhan oder Bourdieu diskutieren – ohne zu Beginn offenzulegen, dass die Aussagen generiert wurden.
Sobald ich sie darüber aufkläre, reagieren die Studierenden oft mit einer Mischung aus Scham und Misstrauen.
Die interessante Frage lautet dann: Warum können wir eine Diskussion über eine Aussage führen, die von einer Maschine stammt – egal ob sie wahr ist oder nicht?
Hier zeigt sich der Moment, in dem uns das Medium selbst als Botschaft entgegentritt.
Generative KI ist ein kulturelles Echolot: Sie sendet sprachliche Signale in die Tiefen kollektiver Datenbestände, von wo sie als verzerrte Echos zurück an die Oberfläche menschlicher Kommunikation reflektiert werden.
Dabei ist nicht jede Botschaft wahr.
In den Echos generativer KI steckt jedoch Wahrhaftigkeit, die uns herausfordert, neue Lesarten zu entwickeln und den Sinn von Botschaften über ihren Wahrheitsgehalt hinaus zu finden.
Deshalb: Lasst sie halluzinieren!.
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