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Eva Schlotheuber und Maria Theisen, Die Goldene Bulle von 1356: Das erste Grundgesetz des Römisch-Deutschen Reiches. Nach König Wenzels Prachthandschrift (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 338). Darmstadt: wbg Edition/Wissenschaftliche Buchge

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Bis vor nicht zu langer Zeit galt die Goldene Bulle als ein historisches Dokument, das den Ausverkauf des deutschen Reiches an die Kurfürsten durch Kaiser Karl IV. repräsentierte. Dem ist aber keineswegs so; ganz im Gegenteil, wie die umfangreiche Einleitung zu dieser Faksimile-Ausgabe sehr deutlich macht, war der Kaiser darum bemüht, zunächst den Einfluss des Heiligen Stuhls auf die deutsche Reichspolitik zu unterbinden, damit man sich in Deutschland auf die eigene Machtposition konzentrieren konnte. Dann strebte er danach, die Kurfürsten auf das Reich zu fokussieren und sie eng an der Regierungsverantwortung zu beteiligen, indem er z.B. ganz zentral eine Strategie der genau definierten Königswahl etc. verfolgte und die Interessen der Kurfürsten an Eigenverantwortung stärkte. Zwar war all dies mit hohen Kosten für den Kaiser selbst verbunden, aber letztlich gelang es damit Karl IV. tatsächlich, den entscheidenden Keil in die bisher enge Beziehung zwischen den Kurfürsten und dem Papst zu treiben. Damit entstand durch dieses wertvolle Dokument eine Art basale Verfassung für das Reich, die bis zu dessen Ende 1806 Einfluss ausübte. Es wirkt daher gar nicht so schlecht, in diesem Zusammenhang sogar von einer Art Utopie zu reden (S. 7), denn dieses Dokument entwarf eine Projektion Deutschlands, die es eigentlich zu jenem Zeitpunkt noch gar nicht gab.
Peter Lang, International Academic Publishers
Title: Eva Schlotheuber und Maria Theisen, Die Goldene Bulle von 1356: Das erste Grundgesetz des Römisch-Deutschen Reiches. Nach König Wenzels Prachthandschrift (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 338). Darmstadt: wbg Edition/Wissenschaftliche Buchge
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Bis vor nicht zu langer Zeit galt die Goldene Bulle als ein historisches Dokument, das den Ausverkauf des deutschen Reiches an die Kurfürsten durch Kaiser Karl IV.
repräsentierte.
Dem ist aber keineswegs so; ganz im Gegenteil, wie die umfangreiche Einleitung zu dieser Faksimile-Ausgabe sehr deutlich macht, war der Kaiser darum bemüht, zunächst den Einfluss des Heiligen Stuhls auf die deutsche Reichspolitik zu unterbinden, damit man sich in Deutschland auf die eigene Machtposition konzentrieren konnte.
Dann strebte er danach, die Kurfürsten auf das Reich zu fokussieren und sie eng an der Regierungsverantwortung zu beteiligen, indem er z.
B.
ganz zentral eine Strategie der genau definierten Königswahl etc.
verfolgte und die Interessen der Kurfürsten an Eigenverantwortung stärkte.
Zwar war all dies mit hohen Kosten für den Kaiser selbst verbunden, aber letztlich gelang es damit Karl IV.
tatsächlich, den entscheidenden Keil in die bisher enge Beziehung zwischen den Kurfürsten und dem Papst zu treiben.
Damit entstand durch dieses wertvolle Dokument eine Art basale Verfassung für das Reich, die bis zu dessen Ende 1806 Einfluss ausübte.
Es wirkt daher gar nicht so schlecht, in diesem Zusammenhang sogar von einer Art Utopie zu reden (S.
 7), denn dieses Dokument entwarf eine Projektion Deutschlands, die es eigentlich zu jenem Zeitpunkt noch gar nicht gab.

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