Javascript must be enabled to continue!
Valenz und Afinitheit
View through CrossRef
Auf den ersten Blick scheinen beide Titelbegriffe kontradiktorisch zu sein, setzt ja die klassische verbozentrische Valenztheorie, deren Anhänger auch der Geehrte ist, eine weit verstandene „Verbalität“ als konstitutives inhaltlich‑propositionales Satzkriterium voraus, wobei die Finitheit von den meisten deutschen Grammatikforschern zum unveräußerlichen formalen Satzkriterium erklärt wird. So gelten z.B. sämtliche infinite Prädikationen schlechtweg als kommunikative Minimaläußerungen, doch wird ihnen der „normale“ Satzstatus abgesprochen (vgl. Zifonun et al. 1997). Auf der anderen Seite gibt es in vielen Sprachen (so in der Slavia, aber auch in älteren germanischen Sprachen, im Griechischen, zum Teil im Latein) viele vollwertige Satzstrukturen, die formal infinit sind. Auch in der deutschen Gegenwartssprache sind mehrfach satzartige Konstruktionen mit vollprädikativem Inhaltswert, dabei aber ohne finites Verb vorhanden. Viele davon fallen unter den Begriff der Afinitheit (vgl. u.a. Riecke 2012, Kotin 2014), vgl. Was vergangen, kehrt in der gleichen Gestalt nie wieder. Wird bei der Deskription der Valenzstruktur derartiger Sätze oder satzartiger Äußerungen das klassische (Engel’sche) Valenzmodell angewandt, so ergibt dies keine rasanten Unterschiede bei finiten und afiniten Satzsyntagmen, da finite Auxiliare und Kopulae darin grundsätzlich als nicht valenzfähig behandelt werden. Schwieriger wird es allerdings, wenn angenommen wird, dass Kopulae und Auxiliare zumindest eine strukturelle Valenz besitzen und Regentia bezüglich der hierarchisch niedrigeren Vollverben darstellen (vgl. Eroms 2000). In diesem Fall sollen afinite Sätze als Ellipsen eingeordnet und entsprechend syntaktisch behandelt werden. Dieses recht komplizierte und komplexe theoretische Problem der Dependenzgrammatik wird am Beispiel verschiedener Sprachen und unterschiedlicher Entwicklungsstufen, also aus synchroner, kontrastiv‑typologischer und diachroner Sicht betrachtet.
Title: Valenz und Afinitheit
Description:
Auf den ersten Blick scheinen beide Titelbegriffe kontradiktorisch zu sein, setzt ja die klassische verbozentrische Valenztheorie, deren Anhänger auch der Geehrte ist, eine weit verstandene „Verbalität“ als konstitutives inhaltlich‑propositionales Satzkriterium voraus, wobei die Finitheit von den meisten deutschen Grammatikforschern zum unveräußerlichen formalen Satzkriterium erklärt wird.
So gelten z.
B.
sämtliche infinite Prädikationen schlechtweg als kommunikative Minimaläußerungen, doch wird ihnen der „normale“ Satzstatus abgesprochen (vgl.
Zifonun et al.
1997).
Auf der anderen Seite gibt es in vielen Sprachen (so in der Slavia, aber auch in älteren germanischen Sprachen, im Griechischen, zum Teil im Latein) viele vollwertige Satzstrukturen, die formal infinit sind.
Auch in der deutschen Gegenwartssprache sind mehrfach satzartige Konstruktionen mit vollprädikativem Inhaltswert, dabei aber ohne finites Verb vorhanden.
Viele davon fallen unter den Begriff der Afinitheit (vgl.
u.
a.
Riecke 2012, Kotin 2014), vgl.
Was vergangen, kehrt in der gleichen Gestalt nie wieder.
Wird bei der Deskription der Valenzstruktur derartiger Sätze oder satzartiger Äußerungen das klassische (Engel’sche) Valenzmodell angewandt, so ergibt dies keine rasanten Unterschiede bei finiten und afiniten Satzsyntagmen, da finite Auxiliare und Kopulae darin grundsätzlich als nicht valenzfähig behandelt werden.
Schwieriger wird es allerdings, wenn angenommen wird, dass Kopulae und Auxiliare zumindest eine strukturelle Valenz besitzen und Regentia bezüglich der hierarchisch niedrigeren Vollverben darstellen (vgl.
Eroms 2000).
In diesem Fall sollen afinite Sätze als Ellipsen eingeordnet und entsprechend syntaktisch behandelt werden.
Dieses recht komplizierte und komplexe theoretische Problem der Dependenzgrammatik wird am Beispiel verschiedener Sprachen und unterschiedlicher Entwicklungsstufen, also aus synchroner, kontrastiv‑typologischer und diachroner Sicht betrachtet.
Related Results
Vorfreude auf die Mathematikprüfung und ihre individuellen motivational-affektiven Antezedenzien
Vorfreude auf die Mathematikprüfung und ihre individuellen motivational-affektiven Antezedenzien
In der hier vorgestellten Studie wurden 347 12-Jährige längsschnittlich mittels Fragebogen befragt: zuerst bezogen auf das Fach Mathematik allgemein, dann bezogen auf eine reale Ma...
ChemInform Abstract: IR‐ABSORPTIONSSPEKTREN UND NORMALKOORDINATENANALYSE VON METALL‐DL‐ALPHA‐SERIN‐CHELATEN
ChemInform Abstract: IR‐ABSORPTIONSSPEKTREN UND NORMALKOORDINATENANALYSE VON METALL‐DL‐ALPHA‐SERIN‐CHELATEN
AbstractIR‐Spektren des freien Liganden und der aus ihm und entsprechenden Metall‐ (II)‐Salzen gebildeten Komplexe (I) werden diskutiert, Valenz‐Kraftkonstanten für die Metall‐N‐Bi...
Metallkomplexe von Porphyrinen
Metallkomplexe von Porphyrinen
AbstractDie Darstellung einer Reihe von Porphyrin‐Metall‐Komplexen wird beschrieben. Unter Berücksichtigung von bekanntem und neuem Tatsachenmaterial wird eine Deutung der untersch...
Ultrarotspektrum von GaOOH
Ultrarotspektrum von GaOOH
Vom GaOOH, GaOOD und den entsprechenden partiell deuterierten Präparaten wurden die IR-Absorptionsspektren im Bereich von 10 000 bis 33 cm-1 aufgenommen und Banden den OH-Valenz- u...
Oxytocinerge Modulation von Sprachproduktion
Oxytocinerge Modulation von Sprachproduktion
Oxytocin, welches primär als Hormon bekannt ist, beeinflusst als Neuromodulator viele kognitive Prozesse, die an sozialem Verhalten, wie Sprache, beteiligt sind. Einerseits verände...
Expression of information structure in the Bantu language Northern Sotho
Expression of information structure in the Bantu language Northern Sotho
Die Hauptthese dieser Dissertation ist, dass Nord-Sotho keinen obligatorischen Gebrauch von grammatischen Mitteln zur Markierung von Fokus macht, weder in der Syntax noch in der Pr...
Immagine – segno – parola. Processi di trasformazione. Atti del Secondo Colloquio Internazionale „Testo e contesto“, Macerata 23–26 ottobre 1996. Bd. I. Hg. von Hans-Georg Grüning. Bd. II. Hg. von Graciela N. Ricci. 1999
Immagine – segno – parola. Processi di trasformazione. Atti del Secondo Colloquio Internazionale „Testo e contesto“, Macerata 23–26 ottobre 1996. Bd. I. Hg. von Hans-Georg Grüning. Bd. II. Hg. von Graciela N. Ricci. 1999
Die von Hans-Georg Grüning und Graciela N. Ricci herausgegebenen Bände versammeln die Beiträge einer internationalen Tagung zum Thema „Text und Kontext“, die vom 23. bis 26. Oktobe...
Der Diskurs um Medien und Werte ist weiter zu fassen
Der Diskurs um Medien und Werte ist weiter zu fassen
Die Debatte um Werte und Medien begleitet die Gesellschaft und speziell die Pädagogik seit dem Aufkommen der sogenannten Massenmedien. Im Mittelpunkt stand und steht noch immer die...

