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Latenzzeit Mittelalter: Kurt Flasch und der junge Hans Blumenberg
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Kaum ein Philosoph ist aufschlußreicher für die Nachkriegsphilosophie im Deutschland der fünfziger und sechziger Jahre als Hans Blumenberg. Zwanzig Jahre nach dem Tod dieses wenig orthodoxen Zeitzeugen vervollständigt der Philosophiehistoriker Kurt Flasch seine These »Philosophie hat Geschichte« in einer ausführlichen Monographie über den jungen Blumenberg. Dabei bleibt das eigene Werk des Autors leitender Anlass. Was beide, Flasch und Blumenberg verband und über Jahrzehnte ohne Seitenblicke nebeneinander schreiben ließ, ist eine Neueinschätzung der mittelalterlichen Philosophie, in der sich Neuzeit, anders als es der Name Mittelalter und das Vorherrschen eines theologischen Erkenntnisinteresses nahelegen, zwischen Augustinus und Pascal anbahnt als akute Gegenwart. In dieser nach-eschatologischen Hinsicht gehen beider Absichten auseinander. Flasch respektiert die umstrittene Neuzeit Blumenbergs und würdigt sie in ihrer Nachkriegs-Genese, unterschätzt sie aber massiv in ihrer phänomenologischen Pointiertheit mitsamt der Rückwirkungen auf die von beiden je anders eingeschätzte transzendentale Wende Kants. Wo Blumenbergs Metaphorologie den historischen Quellenwert der Texte quasi-transzendental radikalisiert, erfreut sich Flasch eines in Reformation und Aufklärung vollendeten literal-buchstäblichen Fortschritts – auf Kosten des nicht Vollendeten, in moderner Selbstbehauptung verkannten Latenten. Das späte phänomenologische Einge-ständnis des sich selbst opaken Subjekts erhellt sich im Lichte der zurückgehaltenen, jüngst zur Veröffentlichung gebrachten Phänomenologischen Schriften Blumenbergs aus den achtziger Jahren.Kurt Flasch: Hans Blumenberg. Philosoph in Deutschland 1945–1966. Frankfurt am Main: Klostermann 2017. 620 S. – Hans Blumenberg: Phänomenologische Schriften 1981–1988, hg. von Nicola Zambon. Berlin: Suhrkamp 2018. 529 S.
Title: Latenzzeit Mittelalter: Kurt Flasch und der junge Hans Blumenberg
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Kaum ein Philosoph ist aufschlußreicher für die Nachkriegsphilosophie im Deutschland der fünfziger und sechziger Jahre als Hans Blumenberg.
Zwanzig Jahre nach dem Tod dieses wenig orthodoxen Zeitzeugen vervollständigt der Philosophiehistoriker Kurt Flasch seine These »Philosophie hat Geschichte« in einer ausführlichen Monographie über den jungen Blumenberg.
Dabei bleibt das eigene Werk des Autors leitender Anlass.
Was beide, Flasch und Blumenberg verband und über Jahrzehnte ohne Seitenblicke nebeneinander schreiben ließ, ist eine Neueinschätzung der mittelalterlichen Philosophie, in der sich Neuzeit, anders als es der Name Mittelalter und das Vorherrschen eines theologischen Erkenntnisinteresses nahelegen, zwischen Augustinus und Pascal anbahnt als akute Gegenwart.
In dieser nach-eschatologischen Hinsicht gehen beider Absichten auseinander.
Flasch respektiert die umstrittene Neuzeit Blumenbergs und würdigt sie in ihrer Nachkriegs-Genese, unterschätzt sie aber massiv in ihrer phänomenologischen Pointiertheit mitsamt der Rückwirkungen auf die von beiden je anders eingeschätzte transzendentale Wende Kants.
Wo Blumenbergs Metaphorologie den historischen Quellenwert der Texte quasi-transzendental radikalisiert, erfreut sich Flasch eines in Reformation und Aufklärung vollendeten literal-buchstäblichen Fortschritts – auf Kosten des nicht Vollendeten, in moderner Selbstbehauptung verkannten Latenten.
Das späte phänomenologische Einge-ständnis des sich selbst opaken Subjekts erhellt sich im Lichte der zurückgehaltenen, jüngst zur Veröffentlichung gebrachten Phänomenologischen Schriften Blumenbergs aus den achtziger Jahren.
Kurt Flasch: Hans Blumenberg.
Philosoph in Deutschland 1945–1966.
Frankfurt am Main: Klostermann 2017.
620 S.
– Hans Blumenberg: Phänomenologische Schriften 1981–1988, hg.
von Nicola Zambon.
Berlin: Suhrkamp 2018.
529 S.
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