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L’écriture « morphologique » de Raoul Hausmann
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Der jüngste Durchbruch Dadas in der französischen Kunst- und Universitätswelt ist auch dem so genannten „Dadasophen“ Raoul Hausmann zuträglich, dessen theoretische und poetische Schriften teilweise neu aufgelegt, teilweise erstveröffentlicht wurden, wie etwa der zweite Teil seines großen „Romans“ Hyle. Dieses Hauptwerk wie auch die kurze Reiseerzählung Umbruch, die im Mittelpunkt unserer Ausführungen stehen, entfalten eine zugleich introspektive, fusionierende und meta-textuelle Schreibweise. Vor einem deutlich konturierten autobiographischen Hintergrund entwickeln sie ein subtiles Spiel um Wirklichkeit und Vorstellung, Schrift und Verschriftlichung, und untergraben jede Übereinkunft mit dem Leser hinsichtlich des faktischen oder fiktionalen Textgehalts.
Die jeweiligen Erzählstränge der beiden Werke stimmen mit der Lebenschronologie des Autors überein : Hyle. Ein Traumsein in Spanien folgt dem Schicksal dreier deutscher Emigranten, Gal, Ara und „die Kleine“ genannt, auf der Flucht vor dem Nazi-Terror und ihrem Aufenthalt auf der Insel Ibiza bis zum Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, umspannt also im wesentlichen die Jahre 1933-1936. Umbruch nimmt von einer realen Reise seinen Ausgang, die Hausmann 1963 in Begleitung seiner Frau, seiner Lebensgefährtin und eines befreundeten Ehepaars unternimmt, um in Mailand einer Ausstellungseröffnung beizuwohnen. Innerhalb dieser linearen Struktur greift freilich hier wie dort eine Kreisbewegung Platz, diskursive Sequenzen wechseln mit experimentellen Sprachspielen und Abschweifungen jeder Art ab, so dass ein komplexes, mehrfach gebrochenes Erzählmuster entsteht. Die beiden Texte reflektieren nicht zuletzt die Mechanismen von Fiktion und Fiktionalisierung und streben dem Ursprung des Schöpfungsaktes zu.
Über alle thematischen und formellen Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten hinaus wurzeln Hyle und Umbruch in einer gemeinsamen Literaturästhetik, die Hausmann ab seiner Niederlassung in Frankreich zu skizzieren beginnt. Die unermüdliche Suche nach einer Neuschöpfung der Sprache aus dem Innern heraus mündet in die Suche nach einem neuen Sinn, einer neuen Ethik und fuhrt ihn ganz selbstverständlich in Richtung der deutschen Romantik als einer Epoche, in der die Natur dem Menschen noch als eine sprechende begegnete, zumindest in den Kunstwerken, und in der das Wort noch an der ursprünglichen schöpferischen Kraft teilhatte.
Title: L’écriture « morphologique » de Raoul Hausmann
Description:
Der jüngste Durchbruch Dadas in der französischen Kunst- und Universitätswelt ist auch dem so genannten „Dadasophen“ Raoul Hausmann zuträglich, dessen theoretische und poetische Schriften teilweise neu aufgelegt, teilweise erstveröffentlicht wurden, wie etwa der zweite Teil seines großen „Romans“ Hyle.
Dieses Hauptwerk wie auch die kurze Reiseerzählung Umbruch, die im Mittelpunkt unserer Ausführungen stehen, entfalten eine zugleich introspektive, fusionierende und meta-textuelle Schreibweise.
Vor einem deutlich konturierten autobiographischen Hintergrund entwickeln sie ein subtiles Spiel um Wirklichkeit und Vorstellung, Schrift und Verschriftlichung, und untergraben jede Übereinkunft mit dem Leser hinsichtlich des faktischen oder fiktionalen Textgehalts.
Die jeweiligen Erzählstränge der beiden Werke stimmen mit der Lebenschronologie des Autors überein : Hyle.
Ein Traumsein in Spanien folgt dem Schicksal dreier deutscher Emigranten, Gal, Ara und „die Kleine“ genannt, auf der Flucht vor dem Nazi-Terror und ihrem Aufenthalt auf der Insel Ibiza bis zum Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, umspannt also im wesentlichen die Jahre 1933-1936.
Umbruch nimmt von einer realen Reise seinen Ausgang, die Hausmann 1963 in Begleitung seiner Frau, seiner Lebensgefährtin und eines befreundeten Ehepaars unternimmt, um in Mailand einer Ausstellungseröffnung beizuwohnen.
Innerhalb dieser linearen Struktur greift freilich hier wie dort eine Kreisbewegung Platz, diskursive Sequenzen wechseln mit experimentellen Sprachspielen und Abschweifungen jeder Art ab, so dass ein komplexes, mehrfach gebrochenes Erzählmuster entsteht.
Die beiden Texte reflektieren nicht zuletzt die Mechanismen von Fiktion und Fiktionalisierung und streben dem Ursprung des Schöpfungsaktes zu.
Über alle thematischen und formellen Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten hinaus wurzeln Hyle und Umbruch in einer gemeinsamen Literaturästhetik, die Hausmann ab seiner Niederlassung in Frankreich zu skizzieren beginnt.
Die unermüdliche Suche nach einer Neuschöpfung der Sprache aus dem Innern heraus mündet in die Suche nach einem neuen Sinn, einer neuen Ethik und fuhrt ihn ganz selbstverständlich in Richtung der deutschen Romantik als einer Epoche, in der die Natur dem Menschen noch als eine sprechende begegnete, zumindest in den Kunstwerken, und in der das Wort noch an der ursprünglichen schöpferischen Kraft teilhatte.
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