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Sündenerkenntnis, Reue und Beichte: Konstellationen der Selbstbeobachtung und Fremdbeobachtung in der mittelalterlichen volkssprachlichen Literatur, ed. eadem, Beate Kellner, Susanne Reichlin und Agnes Rugel. Sonderheft zum Band 141. Zeitschrift für Deuts
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Seit dem 4. Lateranischen Konzil 1215 bestand die Anforderung für alle Christen, zumindest einmal im Jahr zur Beichte zu gehen. Dies führte tiefgreifende Veränderungen im religiösen Leben Europa und darüber hinaus mit sich, was die BeiträgerInnen zum vorliegenden
Sonderheft mit den sehr treffenden Begriffen ‘Selbstbeobachtung’ und ‘Fremdbeobachtung’ zu beschreiben bemüht sind. Die Beichte konnte nur dann erfolgreich durchgeführt werden, wenn die bekennende Person sich selbst geprüft und beurteilt, wenn der Beichtvater
dieses Geständnis beobachtet und bewertet hatte, und wenn die Buße dann durchgeführt und von Gott als gültig anerkannt wurde. Es handelt sich also um einen äußerst komplexen Prozess der Selbstreflexion, was in zahllosen Predigten, Traktaten, Gedichten oder visuellen
Kunstwerken zum Ausdruck gebracht wurde, wie Beate Kellner und Susanne Reichlin in ihrer ausführlichen Einleitung überzeugend darlegen. Hierbei musste ein intensiver Austausch von innen nach außen und dann rückläufig vonstatten gehen, was von beiden Parteien hohe
Wachsamkeit oder Aufmerksamkeit verlangte. Durch die Beichte, Buße und Absolution entstand, wie sie hervorheben, ein starkes Moment der Verinnerlichung (conscientia), die als charakteristisch für das geistige Leben im späteren Mittelalter anzusehen wäre. Einige
ihrer Kronzeugen hierfür sind Peter Abelard und sein Werk Ethica, Thomas von Aquin, Johannes Herolt und Johannes Gerson, dann aber konsultieren sie auch verschiedene Kunstwerke, die das hier zu beschreibende Phänomen gut illustrieren.
Title: Sündenerkenntnis, Reue und Beichte: Konstellationen der Selbstbeobachtung und Fremdbeobachtung in der mittelalterlichen volkssprachlichen Literatur, ed. eadem, Beate Kellner, Susanne Reichlin und Agnes Rugel. Sonderheft zum Band 141. Zeitschrift für Deuts
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Seit dem 4.
Lateranischen Konzil 1215 bestand die Anforderung für alle Christen, zumindest einmal im Jahr zur Beichte zu gehen.
Dies führte tiefgreifende Veränderungen im religiösen Leben Europa und darüber hinaus mit sich, was die BeiträgerInnen zum vorliegenden
Sonderheft mit den sehr treffenden Begriffen ‘Selbstbeobachtung’ und ‘Fremdbeobachtung’ zu beschreiben bemüht sind.
Die Beichte konnte nur dann erfolgreich durchgeführt werden, wenn die bekennende Person sich selbst geprüft und beurteilt, wenn der Beichtvater
dieses Geständnis beobachtet und bewertet hatte, und wenn die Buße dann durchgeführt und von Gott als gültig anerkannt wurde.
Es handelt sich also um einen äußerst komplexen Prozess der Selbstreflexion, was in zahllosen Predigten, Traktaten, Gedichten oder visuellen
Kunstwerken zum Ausdruck gebracht wurde, wie Beate Kellner und Susanne Reichlin in ihrer ausführlichen Einleitung überzeugend darlegen.
Hierbei musste ein intensiver Austausch von innen nach außen und dann rückläufig vonstatten gehen, was von beiden Parteien hohe
Wachsamkeit oder Aufmerksamkeit verlangte.
Durch die Beichte, Buße und Absolution entstand, wie sie hervorheben, ein starkes Moment der Verinnerlichung (conscientia), die als charakteristisch für das geistige Leben im späteren Mittelalter anzusehen wäre.
Einige
ihrer Kronzeugen hierfür sind Peter Abelard und sein Werk Ethica, Thomas von Aquin, Johannes Herolt und Johannes Gerson, dann aber konsultieren sie auch verschiedene Kunstwerke, die das hier zu beschreibende Phänomen gut illustrieren.
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