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Die Wurzeln der Bodenkunde

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Die Wurzeln der mit ca. 140 Jahren sehr jungen Naturkörperwissenschaft Bodenkunde liegen einerseits in der Landwirtschaft und andererseits in den Naturwissenschaften. Sie werden im Folgenden von ihrem Beginn vor über 10000 Jahren bis zum Ende des 18. Jahrhundert beleuchtet, und zwar in angewandter und theoretischer Richtung. Die frühen Ackerbauern in Mesopotamien, Indien, Ägypten, China und Europa beobachteten, dass tonreichere Böden fruchtbarer und gleichzeitig schwerer bearbeitbar sind als tonarme Sandböden. Außerdem wurde festgestellt, dass die Fruchtbarkeit vor allem der leichten Böden rasch zurückgeht. Die Erhaltung und Mehrung der Fruchtbarkeit wurde in den verschiedenen menschlichen Kulturen seit Jungsteinzeit und Bronzezeit durch Wanderfeldbau, Brache, Fruchtwechsel, organische Düngung, Mergelung bzw. Kalkung, sowie Zusätze humosen (z. B. Plaggen) und tonreicheren Bodenmaterials zu erreichen versucht. Dem Problem der Bearbeitbarkeit begegnete man durch stetige Verbesserung der Bearbeitungstechnik: von der Handhacke, über den Hakenpflug bis zum Wendepflug, und außerdem vereinzelt durch Beimischung sandigen Bodenmaterials. Die Eigenschaften der (Ober)böden wurden dabei nach Konsistenz, Lagerung, Farbe, Feuchte und Geschmack angesprochen. Seit z. T. über 2000 Jahren werden die gemachten Erfahrungen schriftlich an die Bodennutzer weiter gegeben, u. a. durch Weda‐Texte in Indien, das Lushi Chumqiu in China, seitens Hesiod, Xenophon und Theophrast in Griechenland, Cato, Varro, Vergil, Columella und Palladius in Rom sowie Ibn Sina in Arabien. In Deutschland wurden die Erfahrungen der Antike von den Hausvätern wie Hersebach (1570), Hohberg (1701), Florinus (1705), Sprengler (1772) und Bose (1798) ohne wesentliche Ergänzungen übernommen. Die Vielseitigkeit der Begriffe Erde und Boden und den sich daraus ergebenden Einordnungsmöglichkeiten in ein wissenschaftliches Weltbild deutet sich ebenso in den Weda‐Texten des alten Indien wie in dem Yugon des Alten China an. Sie ist gegeben bei den griechischen Naturphilosophen und den römischen Agrarschriftstellern. Bei Chinesen, Griechen und Römern galt Erde als eines der Elemente neben Wasser, Luft und Feuer, aus denen sich Lebewesen und tote Materie bildeten und deren Wechselwirkungen alles Geschehen bestimmten. Für Aristoteles und Theophrast bestand ein Boden stofflich aus Erde (Festem, Trockenem und Kaltem), Wasser (Flüssigem), Luft (Gasförmigem) und Feuer (Wärme), die sich ineinander umzuwandeln vermochten. Wärme wurde stofflich auch mit (brennbarem) Oleum bzw. Humus gleich gesetzt. Sie sahen wie bereits Hippokrates den Boden als Magen der Pflanzen, in dem tote Organismen verdaut und das Verdaute neben Wasser als Nahrung wieder aufgenommen würde. In Mitteleuropa lieferte Hildegard von Bingen im 11. Jh. erste einfache Oberboden‐Beschreibungen; Thomas Erastus im 16. und Pontoppidan im 17. Jh. bezogen den Unterboden mit ein. Im 18. Jh. entstanden in England die ersten Boden(nutzungs)karten. Griechische Vorstellungen über das Oleum beherrschten als Phlogistontheorie lange die Biochemie. Erst Ende des 18. Jh. begann mit Lavoisier eine moderne Chemie und damit auch eine ernst zu nehmende Agrikulturchemie. Genetisches und ökologisches Denken wurde aber erst im 19. Jh. entwickelt. Selbst die geringen Fortschritte, die im Wissen über Böden an den Universitäten gemacht wurden, wurden kaum an die fachliche Praxis weiter gegeben, was wohl auch daran lag, dass bis weit ins 18. Jh. hinein nur in lateinisch gelehrt und publiziert wurde.
Title: Die Wurzeln der Bodenkunde
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Die Wurzeln der mit ca.
140 Jahren sehr jungen Naturkörperwissenschaft Bodenkunde liegen einerseits in der Landwirtschaft und andererseits in den Naturwissenschaften.
Sie werden im Folgenden von ihrem Beginn vor über 10000 Jahren bis zum Ende des 18.
Jahrhundert beleuchtet, und zwar in angewandter und theoretischer Richtung.
Die frühen Ackerbauern in Mesopotamien, Indien, Ägypten, China und Europa beobachteten, dass tonreichere Böden fruchtbarer und gleichzeitig schwerer bearbeitbar sind als tonarme Sandböden.
Außerdem wurde festgestellt, dass die Fruchtbarkeit vor allem der leichten Böden rasch zurückgeht.
Die Erhaltung und Mehrung der Fruchtbarkeit wurde in den verschiedenen menschlichen Kulturen seit Jungsteinzeit und Bronzezeit durch Wanderfeldbau, Brache, Fruchtwechsel, organische Düngung, Mergelung bzw.
Kalkung, sowie Zusätze humosen (z.
B.
Plaggen) und tonreicheren Bodenmaterials zu erreichen versucht.
Dem Problem der Bearbeitbarkeit begegnete man durch stetige Verbesserung der Bearbeitungstechnik: von der Handhacke, über den Hakenpflug bis zum Wendepflug, und außerdem vereinzelt durch Beimischung sandigen Bodenmaterials.
Die Eigenschaften der (Ober)böden wurden dabei nach Konsistenz, Lagerung, Farbe, Feuchte und Geschmack angesprochen.
Seit z.
T.
über 2000 Jahren werden die gemachten Erfahrungen schriftlich an die Bodennutzer weiter gegeben, u.
a.
durch Weda‐Texte in Indien, das Lushi Chumqiu in China, seitens Hesiod, Xenophon und Theophrast in Griechenland, Cato, Varro, Vergil, Columella und Palladius in Rom sowie Ibn Sina in Arabien.
In Deutschland wurden die Erfahrungen der Antike von den Hausvätern wie Hersebach (1570), Hohberg (1701), Florinus (1705), Sprengler (1772) und Bose (1798) ohne wesentliche Ergänzungen übernommen.
Die Vielseitigkeit der Begriffe Erde und Boden und den sich daraus ergebenden Einordnungsmöglichkeiten in ein wissenschaftliches Weltbild deutet sich ebenso in den Weda‐Texten des alten Indien wie in dem Yugon des Alten China an.
Sie ist gegeben bei den griechischen Naturphilosophen und den römischen Agrarschriftstellern.
Bei Chinesen, Griechen und Römern galt Erde als eines der Elemente neben Wasser, Luft und Feuer, aus denen sich Lebewesen und tote Materie bildeten und deren Wechselwirkungen alles Geschehen bestimmten.
Für Aristoteles und Theophrast bestand ein Boden stofflich aus Erde (Festem, Trockenem und Kaltem), Wasser (Flüssigem), Luft (Gasförmigem) und Feuer (Wärme), die sich ineinander umzuwandeln vermochten.
Wärme wurde stofflich auch mit (brennbarem) Oleum bzw.
Humus gleich gesetzt.
Sie sahen wie bereits Hippokrates den Boden als Magen der Pflanzen, in dem tote Organismen verdaut und das Verdaute neben Wasser als Nahrung wieder aufgenommen würde.
In Mitteleuropa lieferte Hildegard von Bingen im 11.
Jh.
erste einfache Oberboden‐Beschreibungen; Thomas Erastus im 16.
und Pontoppidan im 17.
Jh.
bezogen den Unterboden mit ein.
Im 18.
Jh.
entstanden in England die ersten Boden(nutzungs)karten.
Griechische Vorstellungen über das Oleum beherrschten als Phlogistontheorie lange die Biochemie.
Erst Ende des 18.
Jh.
begann mit Lavoisier eine moderne Chemie und damit auch eine ernst zu nehmende Agrikulturchemie.
Genetisches und ökologisches Denken wurde aber erst im 19.
Jh.
entwickelt.
Selbst die geringen Fortschritte, die im Wissen über Böden an den Universitäten gemacht wurden, wurden kaum an die fachliche Praxis weiter gegeben, was wohl auch daran lag, dass bis weit ins 18.
Jh.
hinein nur in lateinisch gelehrt und publiziert wurde.

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