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Die kognitive Verarbeitung von körperbezogenen Reizen bei Frauen mit und ohne Essstörung
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Die Symptome einer Anorexia Nervosa (AN) und einer Bulimia Nervosa (BN) zeigen sich in vielen Facetten. Neben gestörtem Essverhalten weisen die Betroffenen eine Angst vor Gewichtszunahme, Körperunzufriedenheit und massive Sorgen auf, zu dick zu sein. Nicht selten streben sie nach einem vermeintlich idealen Körper, welcher in den Medien als extrem dünn postuliert wird. Die Betroffenen geraten in eine negative Spirale aus Gewichtsreduktion, Ängsten, Kontrollverlust, Selbstwertschädigung sowie einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers bis hin zu lebensbedrohlichen körperlichen Zuständen. Für die Aufrechterhaltung dieser negativen Spirale und der festen Überzeugung, nur mit einem vermeintlich schönen und dünnen Körper etwas wert zu sein, scheinen unter anderem Verzerrungen bei der kognitiven Verarbeitung eine wesentliche Rolle zu spielen. Durch die Verinnerlichung des dünnen Schönheitsideals werden die Bewertungsprozesse automatisiert und implizit abgerufen, ohne von den Betroffenen hinterfragt zu werden. Die Erforschung von kognitiven Prozessen bei der Aufrechterhaltung von Essstörungen, auch im Bereich der Körperbildforschung, hat eine lange Tradition und gleichzeitig gibt es noch viele ungeklärte Forschungsfragen. In der vorliegenden Arbeit wird dieser Sachverhalt aufgegriffen. Es wird untersucht, ob bei der direkten Beschäftigung mit dem in den Medien präsentierten dünnen Schönheitsideal Körperunzufriedenheit entsteht und ob kognitive Verzerrungen zum Beispiel in Form von Annäherungs- und Vermeidungstendenzen bei jungen Frauen mit diagnostizierten Essstörungen, essgestörtem Verhalten und gesunden Kontrollprobandinnen bestehen. Zudem soll untersucht werden, ob bei der Verarbeitung von körperbezogenen Reizen auch subliminale Prozesse eine Rolle spielen. In Studie 1 wurde durch direkte Konfrontation und Imagination des dünnen Schönheitsideals dessen Einfluss auf die Körperzufriedenheit und die Stimmung erfasst. Durch die Imagination von dünnen Schönheitsidealen kam es zu einer Abnahme der Körperzufriedenheit und zu einer Verschlechterung der Stimmung. Studie 2 untersuchte Annäherungs- und Vermeidungstendenzen im Hinblick auf Körperbilder mit Hilfe der Approach-Avoidance-Task bei Frauen mit essgestörtem Verhalten und gesunden Kontrollprobandinnen. Es konnte kein Annäherungsbias an dünne Körperbilder gefunden werden. Der Vermeidungsbias zeigte keine Gruppenunterschiede und keinen Unterschied zwischen dünnen und normalgewichtigen Körperbildern. In Studie 3 wurde wiederholt die Approach-Avoidance-Task genutzt, um Frauen mit diagnostizierten Essstörungen zu untersuchen. Neben Körperbildern wurden zudem Nahrungsmittelreize präsentiert. Es fanden sich auch hier keine Unterschiede in der Annäherungs- oder Vermeidungstendenz im Vergleich zu gesunden Kontrollprobandinnen. Die anschließende explizite Bewertung der Bilder deutete jedoch auf Unterschiede hin. Patientinnen mit AN empfanden den normalgewichtigen Körper als weniger attraktiv als Patientinnen mit BN, beide fanden den normalgewichtigen Körper weniger attraktiv als gesunde Kontrollprobandinnen. Alle Patientinnen fanden den normalgewichtigen Körper als weniger erstrebenswert als die gesunden Kontrollprobandinnen. In Bezug auf den dünnen Körper fanden sich keine Gruppenunterschiede. Patientinnen mit AN und BN berichteten zudem ein geringeres Verlangen, die präsentierten Nahrungsmittel zu verzehren und ein schlechteres Gewissen, wenn sie es tun würden, als die gesunden Kontrollprobandinnen. Studie 4 erfasste subliminale Prozesse bei der Präsentation von Körperbildern mit Hilfe einer Priming-Task. Es fand sich kein Effekt von subliminal präsentierten Körperbildern verschiedener Gewichtskategorien als Primes auf die Bewertung von normalgewichtigen Körpern. Die bewusste Darbietung der Primes zeigte jedoch einen Einfluss auf die Bewertung der normalgewichtigen Körper. Nach Präsentation eines sehr dünnen Primes bewerteten die Probandinnen den normalgewichtigen Körper als weniger erstrebenswert und nach Präsentation des adipösen Primes als erstrebenswerter und attraktiver.
Zusammenfassend kann anhand der hier erhobenen Daten geschlussfolgert werden, dass die explizite und bewusste Konfrontation mit körperbezogenen Reizen einen negativen Einfluss auf die Körperzufriedenheit, das Essverhalten und die Stimmung von jungen Frauen zu haben scheint. Besonders dann, wenn sie pathologisches Essverhalten zeigen oder bereits unter einer Essstörung leiden. Die implizite oder subliminale Beschäftigung mit dem dünnen Schönheitsideal scheint jedoch keinen direkten Einfluss auf junge Frauen zu haben und es findet sich kein Annäherungs- oder Vermeidungsbias. Hier erscheint weitere Forschung von Nöten, da die Studienlage weiterhin uneindeutig bleibt. Idealerweise sollten die verwendeten Stimuli gezielter auf die Probandinnen zugeschnitten werden, um einen direkteren Bezug zu den aktuell präsentierten dünnen Schönheitsidealen in den Medien gewährleisten zu können.
The symptoms of anorexia nervosa and bulimia nervosa manifest themselves in many facets. In addition to disordered eating behavior, those affected exhibit a fear of weight gain, body dissatisfaction, and massive anxiety about being overweight. They often strive for an ideal body, which the media portrays as extremely thin. Those affected find themselves in a vicious cycle of weight loss, anxiety, loss of control, damaged self-esteem, a distorted perception of their own body, and even life-threatening physical conditions. Distortions in cognitive processing, appear to play a key role in maintaining this vicious cycle and the firm belief that one is only valuable with a supposedly beautiful and thin body. Through the internalization of the thin beauty ideal, evaluation processes become automated and implicitly accessed without being questioned. Research into cognitive processes in the maintenance of eating disorders, including in the field of body image research, has a long tradition, yet many unanswered research questions remain. This study addresses this issue. It examines whether direct engagement with the thin beauty ideal leads to body dissatisfaction and whether cognitive distortions, for example, in the form of approach and avoidance biases, exist in young women with diagnosed eating disorders, eating-disordered behavior, and healthy controls. Furthermore, it aims to investigate whether subliminal processes play a role in the processing of body-related stimuli. In Study 1, the influence of the thin beauty ideal on mood and body satisfaction was assessed through direct confrontation with and imagination of the thin beauty ideal. Imagining the thin beauty ideals led to a decrease in body satisfaction and a decrease in mood. Study 2 examined approach and avoidance tendencies regarding body images using the approach-avoidance task in women with eating disorders and healthy control subjects. No approach bias towards thin body images was found. The avoidance bias showed no group differences and no difference between thin and normal-weight body pictures. In Study 3, the approach-avoidance task was repeatedly used to study women with eating disorders. In addition to body images, food stimuli were also presented. Again, no differences were found in approach or avoidance tendencies compared to healthy controls. However, the subsequent explicit evaluation of the pictures indicated differences. Patients with AN rated the normal-weight body less attractive than patients with BN, both rated the normal-weight body less attractive than healthy controls. All patients found the normal-weight body to be less desirable than the healthy controls. Regarding the thin body, no group differences were found. Patients with AN and BN also reported a lower desire to eat the foods presented and a bad conscience if they did so than the healthy control subjects. Study 4 assessed subliminal processes during the presentation of body images using a priming task. No effect of subliminally presented body images of different weight categories as primes was found on the evaluation of normal-weight bodies. However, the explicit presentation of the primes did show an influence on the evaluation of normal-weight bodies. After presentation of the ultra-thin prime, the subjects rated the normal-weight body as less desirable and after presentation of the obese prime as more desirable and more attractive.
In summary it can be concluded that explicit and conscious confrontation with body related stimuli seems to have a negative influence on body satisfaction, eating behavior and mood of young women. Especially if they show pathological eating behavior or already suffer from an eating disorder. However, the implicit or subliminal preoccupation with the thin beauty ideal does not seem to have a direct influence on young women and there was no approach- or avoidance bias found. Further research is needed. Ideally, the stimuli used, should be more related to the patients to ensure a better context to the currently presented thin beauty ideals.
Title: Die kognitive Verarbeitung von körperbezogenen Reizen bei Frauen mit und ohne Essstörung
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Die Symptome einer Anorexia Nervosa (AN) und einer Bulimia Nervosa (BN) zeigen sich in vielen Facetten.
Neben gestörtem Essverhalten weisen die Betroffenen eine Angst vor Gewichtszunahme, Körperunzufriedenheit und massive Sorgen auf, zu dick zu sein.
Nicht selten streben sie nach einem vermeintlich idealen Körper, welcher in den Medien als extrem dünn postuliert wird.
Die Betroffenen geraten in eine negative Spirale aus Gewichtsreduktion, Ängsten, Kontrollverlust, Selbstwertschädigung sowie einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers bis hin zu lebensbedrohlichen körperlichen Zuständen.
Für die Aufrechterhaltung dieser negativen Spirale und der festen Überzeugung, nur mit einem vermeintlich schönen und dünnen Körper etwas wert zu sein, scheinen unter anderem Verzerrungen bei der kognitiven Verarbeitung eine wesentliche Rolle zu spielen.
Durch die Verinnerlichung des dünnen Schönheitsideals werden die Bewertungsprozesse automatisiert und implizit abgerufen, ohne von den Betroffenen hinterfragt zu werden.
Die Erforschung von kognitiven Prozessen bei der Aufrechterhaltung von Essstörungen, auch im Bereich der Körperbildforschung, hat eine lange Tradition und gleichzeitig gibt es noch viele ungeklärte Forschungsfragen.
In der vorliegenden Arbeit wird dieser Sachverhalt aufgegriffen.
Es wird untersucht, ob bei der direkten Beschäftigung mit dem in den Medien präsentierten dünnen Schönheitsideal Körperunzufriedenheit entsteht und ob kognitive Verzerrungen zum Beispiel in Form von Annäherungs- und Vermeidungstendenzen bei jungen Frauen mit diagnostizierten Essstörungen, essgestörtem Verhalten und gesunden Kontrollprobandinnen bestehen.
Zudem soll untersucht werden, ob bei der Verarbeitung von körperbezogenen Reizen auch subliminale Prozesse eine Rolle spielen.
In Studie 1 wurde durch direkte Konfrontation und Imagination des dünnen Schönheitsideals dessen Einfluss auf die Körperzufriedenheit und die Stimmung erfasst.
Durch die Imagination von dünnen Schönheitsidealen kam es zu einer Abnahme der Körperzufriedenheit und zu einer Verschlechterung der Stimmung.
Studie 2 untersuchte Annäherungs- und Vermeidungstendenzen im Hinblick auf Körperbilder mit Hilfe der Approach-Avoidance-Task bei Frauen mit essgestörtem Verhalten und gesunden Kontrollprobandinnen.
Es konnte kein Annäherungsbias an dünne Körperbilder gefunden werden.
Der Vermeidungsbias zeigte keine Gruppenunterschiede und keinen Unterschied zwischen dünnen und normalgewichtigen Körperbildern.
In Studie 3 wurde wiederholt die Approach-Avoidance-Task genutzt, um Frauen mit diagnostizierten Essstörungen zu untersuchen.
Neben Körperbildern wurden zudem Nahrungsmittelreize präsentiert.
Es fanden sich auch hier keine Unterschiede in der Annäherungs- oder Vermeidungstendenz im Vergleich zu gesunden Kontrollprobandinnen.
Die anschließende explizite Bewertung der Bilder deutete jedoch auf Unterschiede hin.
Patientinnen mit AN empfanden den normalgewichtigen Körper als weniger attraktiv als Patientinnen mit BN, beide fanden den normalgewichtigen Körper weniger attraktiv als gesunde Kontrollprobandinnen.
Alle Patientinnen fanden den normalgewichtigen Körper als weniger erstrebenswert als die gesunden Kontrollprobandinnen.
In Bezug auf den dünnen Körper fanden sich keine Gruppenunterschiede.
Patientinnen mit AN und BN berichteten zudem ein geringeres Verlangen, die präsentierten Nahrungsmittel zu verzehren und ein schlechteres Gewissen, wenn sie es tun würden, als die gesunden Kontrollprobandinnen.
Studie 4 erfasste subliminale Prozesse bei der Präsentation von Körperbildern mit Hilfe einer Priming-Task.
Es fand sich kein Effekt von subliminal präsentierten Körperbildern verschiedener Gewichtskategorien als Primes auf die Bewertung von normalgewichtigen Körpern.
Die bewusste Darbietung der Primes zeigte jedoch einen Einfluss auf die Bewertung der normalgewichtigen Körper.
Nach Präsentation eines sehr dünnen Primes bewerteten die Probandinnen den normalgewichtigen Körper als weniger erstrebenswert und nach Präsentation des adipösen Primes als erstrebenswerter und attraktiver.
Zusammenfassend kann anhand der hier erhobenen Daten geschlussfolgert werden, dass die explizite und bewusste Konfrontation mit körperbezogenen Reizen einen negativen Einfluss auf die Körperzufriedenheit, das Essverhalten und die Stimmung von jungen Frauen zu haben scheint.
Besonders dann, wenn sie pathologisches Essverhalten zeigen oder bereits unter einer Essstörung leiden.
Die implizite oder subliminale Beschäftigung mit dem dünnen Schönheitsideal scheint jedoch keinen direkten Einfluss auf junge Frauen zu haben und es findet sich kein Annäherungs- oder Vermeidungsbias.
Hier erscheint weitere Forschung von Nöten, da die Studienlage weiterhin uneindeutig bleibt.
Idealerweise sollten die verwendeten Stimuli gezielter auf die Probandinnen zugeschnitten werden, um einen direkteren Bezug zu den aktuell präsentierten dünnen Schönheitsidealen in den Medien gewährleisten zu können.
The symptoms of anorexia nervosa and bulimia nervosa manifest themselves in many facets.
In addition to disordered eating behavior, those affected exhibit a fear of weight gain, body dissatisfaction, and massive anxiety about being overweight.
They often strive for an ideal body, which the media portrays as extremely thin.
Those affected find themselves in a vicious cycle of weight loss, anxiety, loss of control, damaged self-esteem, a distorted perception of their own body, and even life-threatening physical conditions.
Distortions in cognitive processing, appear to play a key role in maintaining this vicious cycle and the firm belief that one is only valuable with a supposedly beautiful and thin body.
Through the internalization of the thin beauty ideal, evaluation processes become automated and implicitly accessed without being questioned.
Research into cognitive processes in the maintenance of eating disorders, including in the field of body image research, has a long tradition, yet many unanswered research questions remain.
This study addresses this issue.
It examines whether direct engagement with the thin beauty ideal leads to body dissatisfaction and whether cognitive distortions, for example, in the form of approach and avoidance biases, exist in young women with diagnosed eating disorders, eating-disordered behavior, and healthy controls.
Furthermore, it aims to investigate whether subliminal processes play a role in the processing of body-related stimuli.
In Study 1, the influence of the thin beauty ideal on mood and body satisfaction was assessed through direct confrontation with and imagination of the thin beauty ideal.
Imagining the thin beauty ideals led to a decrease in body satisfaction and a decrease in mood.
Study 2 examined approach and avoidance tendencies regarding body images using the approach-avoidance task in women with eating disorders and healthy control subjects.
No approach bias towards thin body images was found.
The avoidance bias showed no group differences and no difference between thin and normal-weight body pictures.
In Study 3, the approach-avoidance task was repeatedly used to study women with eating disorders.
In addition to body images, food stimuli were also presented.
Again, no differences were found in approach or avoidance tendencies compared to healthy controls.
However, the subsequent explicit evaluation of the pictures indicated differences.
Patients with AN rated the normal-weight body less attractive than patients with BN, both rated the normal-weight body less attractive than healthy controls.
All patients found the normal-weight body to be less desirable than the healthy controls.
Regarding the thin body, no group differences were found.
Patients with AN and BN also reported a lower desire to eat the foods presented and a bad conscience if they did so than the healthy control subjects.
Study 4 assessed subliminal processes during the presentation of body images using a priming task.
No effect of subliminally presented body images of different weight categories as primes was found on the evaluation of normal-weight bodies.
However, the explicit presentation of the primes did show an influence on the evaluation of normal-weight bodies.
After presentation of the ultra-thin prime, the subjects rated the normal-weight body as less desirable and after presentation of the obese prime as more desirable and more attractive.
In summary it can be concluded that explicit and conscious confrontation with body related stimuli seems to have a negative influence on body satisfaction, eating behavior and mood of young women.
Especially if they show pathological eating behavior or already suffer from an eating disorder.
However, the implicit or subliminal preoccupation with the thin beauty ideal does not seem to have a direct influence on young women and there was no approach- or avoidance bias found.
Further research is needed.
Ideally, the stimuli used, should be more related to the patients to ensure a better context to the currently presented thin beauty ideals.
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