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Rezzori et la France
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Das Thema „Rezzori und Frankreich“ wird hier in zwei gegenseitigen Perspektiven behandelt : zum einen geht es um die Rezeption des Autors Rezzori in Frankreich, insbesondere in der französischen Presse, zum anderen um die Art, wie Rezzori, der lange Jahre in Frankreich verbracht hat, dieses Land und seine Bewohner sieht, beurteilt und in seinem Werk darstellt.
Die Rezeption der zwischen 1961 und 1997 ins Französische übersetzten Romane Rezzoris in Frankreich ist durch zwei Hauptbegriffe charakterisiert : er sei einerseits der typische „ironische Aristokrat“ mit Witz, eleganter Feder und kritischer Distanz, andererseits der letzte Repräsentant der nun (leider?!) versunkenen Habsburger Monarchie, der uns in seinem Werk die letzten Augenblicke eines (Mittel)Europa der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens von diversen Völkern und Religionen wieder lebendig mache.
Der zweite Teil des Beitrags bezieht sich auf den Roman Der Tod meines Bruders Abel sowie auf die beiden unter dem Titel Frankreich 1992 bzw. 1997 erschienenen Essays. Darin lässt sich feststellen, wie paradox Rezzoris Beziehung zu Frankreich sein mag. In Frankreich findet er nämlich gerade das, was er andernorts in Europa vermisst, gerade das, was in seinen Augen die „westliche Kultur“ ausmachte und 1938 zugrundegegangen ist. Aber das „Kulturland Frankreich“ ist und bleibt auch ein jedem noch so wohlwollend gesinnten Fremden hermetisch geschlossenes Land, eine in ihrer Geschichte, in ihrer Kultur, in ihrer Selbstgefälligkeit erstarrte Welt und Gesellschaft, in der trotz vielbeschworener Gleichheit aller Bürger, jeder Einzelne in seiner eigenen, wohlverwahrten, unverrückbar festen Welt lebt. An zwei Hauptbegriffen, die Frankreichs Mentalität und Geschichte prägen, nimmt Rezzori besonders Anstoss : an einem stets wieder erwachenden Nationalismus und an einem nie nachlassenden Rationalismus.
Trotz aller oft sehr akuten (und ebenso oft eindeutig klischeehaften) Kritik bleibt Rezzoris Beziehung zu Frankreich ambivalent: der von ihm heftig gerügten Selbstgefälligkeit der Franzosen und wachsenden Erstarrung ihrer Gesellschaft und Kultur entspricht doch letzten Endes in seinen Augen ein Positives, nämlich die Fähigkeit, der drohenden Globalisierung aller Kultur Widerstand zu leisten.
Title: Rezzori et la France
Description:
Das Thema „Rezzori und Frankreich“ wird hier in zwei gegenseitigen Perspektiven behandelt : zum einen geht es um die Rezeption des Autors Rezzori in Frankreich, insbesondere in der französischen Presse, zum anderen um die Art, wie Rezzori, der lange Jahre in Frankreich verbracht hat, dieses Land und seine Bewohner sieht, beurteilt und in seinem Werk darstellt.
Die Rezeption der zwischen 1961 und 1997 ins Französische übersetzten Romane Rezzoris in Frankreich ist durch zwei Hauptbegriffe charakterisiert : er sei einerseits der typische „ironische Aristokrat“ mit Witz, eleganter Feder und kritischer Distanz, andererseits der letzte Repräsentant der nun (leider?!) versunkenen Habsburger Monarchie, der uns in seinem Werk die letzten Augenblicke eines (Mittel)Europa der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens von diversen Völkern und Religionen wieder lebendig mache.
Der zweite Teil des Beitrags bezieht sich auf den Roman Der Tod meines Bruders Abel sowie auf die beiden unter dem Titel Frankreich 1992 bzw.
1997 erschienenen Essays.
Darin lässt sich feststellen, wie paradox Rezzoris Beziehung zu Frankreich sein mag.
In Frankreich findet er nämlich gerade das, was er andernorts in Europa vermisst, gerade das, was in seinen Augen die „westliche Kultur“ ausmachte und 1938 zugrundegegangen ist.
Aber das „Kulturland Frankreich“ ist und bleibt auch ein jedem noch so wohlwollend gesinnten Fremden hermetisch geschlossenes Land, eine in ihrer Geschichte, in ihrer Kultur, in ihrer Selbstgefälligkeit erstarrte Welt und Gesellschaft, in der trotz vielbeschworener Gleichheit aller Bürger, jeder Einzelne in seiner eigenen, wohlverwahrten, unverrückbar festen Welt lebt.
An zwei Hauptbegriffen, die Frankreichs Mentalität und Geschichte prägen, nimmt Rezzori besonders Anstoss : an einem stets wieder erwachenden Nationalismus und an einem nie nachlassenden Rationalismus.
Trotz aller oft sehr akuten (und ebenso oft eindeutig klischeehaften) Kritik bleibt Rezzoris Beziehung zu Frankreich ambivalent: der von ihm heftig gerügten Selbstgefälligkeit der Franzosen und wachsenden Erstarrung ihrer Gesellschaft und Kultur entspricht doch letzten Endes in seinen Augen ein Positives, nämlich die Fähigkeit, der drohenden Globalisierung aller Kultur Widerstand zu leisten.
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