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Heretics of China : the Psychology of Mao and Deng

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In den letzten vier Jahrzehnten hat sich unser Verständnis der motivationalen, kognitiven und emotionalen Prozesse, die das menschliche Verhalten steuern, grundlegend verändert. Dies ist den enormen Fortschritten in der Psychologie, der Neurologie, der Linguistik und der Informatik zu verdanken. Wir verstehen immer mehr, warum Menschen in einer gegebenen Situation so handeln wie sie es tun. Doch diese Informationslawine rollt oft nur innerhalb der Grenzen der Kognitionswissenschaften. So kommt es, dass Fächer wie die Politologie oder die Volkswirtschaftslehre leider oft mit veralteten Annahmen über menschliches Verhalten arbeiten — siehe z.B. das immer noch dominierende Modell des Rationalen Akteurs. Deshalb hat sich die vorliegende Dissertation zum Ziel gesetzt, das Handeln von Spitzenpolitikern in dynamischen und komplexen Situation unter Anwendung psychologischer Theorien zu untersuchen. Dies geschieht, indem wir das politische Handeln in seiner Ablaufdynamik rekonstruieren, um auf diese Art und Weise den Erkenntnisstand über komplexes Problemlösen zu erweitern und zu bereichern. Dieser Erkenntnisgewinn wird hoffentlich nicht nur für die Politologie, sondern auch für die Psychologie von Bedeutung sein. Denn komplexes Problemlösen wird in der Psychologie meist durch Laborforschung untersucht. Dies hat den Nachteil, dass wichtige Faktoren — wie die individuelle Lebenserfahrung der Akteure, ihre Einbettung in ein soziales Gefüge oder die politischen und ökonomischen Kräfte einer geschichtlichen Epoche — ausgeklammert werden müssen, da sie im Labor nicht als Bedingungen gesetzt werden können. Diese Doktorarbeit besteht aus zwei groß angelegten Fallstudien, denen eine zentrale Fragestellung zugrunde liegt: Warum hat Mao Zedong versagt China zu modernisieren, während sein Nachfolger Deng Xiaoping erfolgreich war? Als Mao Zedong 1949 die Volksrepublik China ausrief, hegte man die Hoffnung auf eine stetige und anhaltende wirtschaftliche und soziale Entwicklung des bis dahin von Krieg und Missherrschaft geplagten Landes. Die wirtschaftliche Genesung der ersten Jahre übertraf die kühnsten Erwartungen der Optimisten. Doch dann erschütterte Mao willkürlich das politische System durch eine nicht enden wollende Reihe von Massenkampagnen und Klassenkampffeldzügen bis ins Innerste. Das Primat einer geordneten Modernisierung musste der Utopie einer permanenten Revolution weichen. Am Ende der Mao-Ära war Taiwans BIP pro Kopf sechsmal so hoch wie das Festlandchinas; die Exporte der britischen Kolonie in Hongkong betrugen soviel wie die Gesamtexporte Chinas; und die industrielle Entwicklung in Nordkorea stand besser da als die in China. Dennoch war die Notwendigkeit, einen neuen Modernisierungsweg einzuschlagen, nicht allen chinesischen Entscheidungsträgern klar. Dass China den Maoismus letzten Endes aufgegeben hat, ist in erster Linie der Führung Deng Xiaopings zu verdanken. Dengs Ziel war, den festgefahrenen sozialistischen Karren durch die Umgestaltung des politischen und ökonomischen Systems wieder in Fahrt zu bringen. Dieses Ziel erforderte, wie Deng verstand, sich nicht nur von dieser und jener sozialistischen Politik zu verabschieden, sondern auch eine neue Philosophie der Entscheidungsfindung einzuführen: Nicht die Ideologie, sondern die Praxis sollte als Kompass zur Messung von Erfolg und Misserfolg politischer Initiativen dienen. Zwei Jahrzehnte nach Deng scheint dieser pragmatische Ansatz nennenswerte Erfolge erzielt zu haben. Auf der einen Seite ist China heute eine zunehmend starke Wirtschaftsmacht. Auf der anderen Seite aber hat das Land mit gravierenden Umweltproblemen, sozialen Spannungen und außenpolitischen Herausforderungen zu kämpfen.
Universitatsbibliothek Bamberg
Title: Heretics of China : the Psychology of Mao and Deng
Description:
In den letzten vier Jahrzehnten hat sich unser Verständnis der motivationalen, kognitiven und emotionalen Prozesse, die das menschliche Verhalten steuern, grundlegend verändert.
Dies ist den enormen Fortschritten in der Psychologie, der Neurologie, der Linguistik und der Informatik zu verdanken.
Wir verstehen immer mehr, warum Menschen in einer gegebenen Situation so handeln wie sie es tun.
Doch diese Informationslawine rollt oft nur innerhalb der Grenzen der Kognitionswissenschaften.
So kommt es, dass Fächer wie die Politologie oder die Volkswirtschaftslehre leider oft mit veralteten Annahmen über menschliches Verhalten arbeiten — siehe z.
B.
das immer noch dominierende Modell des Rationalen Akteurs.
Deshalb hat sich die vorliegende Dissertation zum Ziel gesetzt, das Handeln von Spitzenpolitikern in dynamischen und komplexen Situation unter Anwendung psychologischer Theorien zu untersuchen.
Dies geschieht, indem wir das politische Handeln in seiner Ablaufdynamik rekonstruieren, um auf diese Art und Weise den Erkenntnisstand über komplexes Problemlösen zu erweitern und zu bereichern.
Dieser Erkenntnisgewinn wird hoffentlich nicht nur für die Politologie, sondern auch für die Psychologie von Bedeutung sein.
Denn komplexes Problemlösen wird in der Psychologie meist durch Laborforschung untersucht.
Dies hat den Nachteil, dass wichtige Faktoren — wie die individuelle Lebenserfahrung der Akteure, ihre Einbettung in ein soziales Gefüge oder die politischen und ökonomischen Kräfte einer geschichtlichen Epoche — ausgeklammert werden müssen, da sie im Labor nicht als Bedingungen gesetzt werden können.
Diese Doktorarbeit besteht aus zwei groß angelegten Fallstudien, denen eine zentrale Fragestellung zugrunde liegt: Warum hat Mao Zedong versagt China zu modernisieren, während sein Nachfolger Deng Xiaoping erfolgreich war? Als Mao Zedong 1949 die Volksrepublik China ausrief, hegte man die Hoffnung auf eine stetige und anhaltende wirtschaftliche und soziale Entwicklung des bis dahin von Krieg und Missherrschaft geplagten Landes.
Die wirtschaftliche Genesung der ersten Jahre übertraf die kühnsten Erwartungen der Optimisten.
Doch dann erschütterte Mao willkürlich das politische System durch eine nicht enden wollende Reihe von Massenkampagnen und Klassenkampffeldzügen bis ins Innerste.
Das Primat einer geordneten Modernisierung musste der Utopie einer permanenten Revolution weichen.
Am Ende der Mao-Ära war Taiwans BIP pro Kopf sechsmal so hoch wie das Festlandchinas; die Exporte der britischen Kolonie in Hongkong betrugen soviel wie die Gesamtexporte Chinas; und die industrielle Entwicklung in Nordkorea stand besser da als die in China.
Dennoch war die Notwendigkeit, einen neuen Modernisierungsweg einzuschlagen, nicht allen chinesischen Entscheidungsträgern klar.
Dass China den Maoismus letzten Endes aufgegeben hat, ist in erster Linie der Führung Deng Xiaopings zu verdanken.
Dengs Ziel war, den festgefahrenen sozialistischen Karren durch die Umgestaltung des politischen und ökonomischen Systems wieder in Fahrt zu bringen.
Dieses Ziel erforderte, wie Deng verstand, sich nicht nur von dieser und jener sozialistischen Politik zu verabschieden, sondern auch eine neue Philosophie der Entscheidungsfindung einzuführen: Nicht die Ideologie, sondern die Praxis sollte als Kompass zur Messung von Erfolg und Misserfolg politischer Initiativen dienen.
Zwei Jahrzehnte nach Deng scheint dieser pragmatische Ansatz nennenswerte Erfolge erzielt zu haben.
Auf der einen Seite ist China heute eine zunehmend starke Wirtschaftsmacht.
Auf der anderen Seite aber hat das Land mit gravierenden Umweltproblemen, sozialen Spannungen und außenpolitischen Herausforderungen zu kämpfen.

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