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Theoderich/Dietrich zwischen Deutschland und Italien: welches Kulturerbe?
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Die Figur des Ostgotenkönigs und später rex Italiae Theoderich (um 453/455–526) erfährt bereits früh ein sehr großes Interesse in der Historiographie und Literatur. Noch ,,zu seinen Lebzeiten [erscheinen] meist in seinem got.-italischen Umfeld“1
Berichte zu seiner Person und kurz nach seinem Tod setzt eine breite Rezeption an: Zahlreiche Theoderich-Testimonien sind bis heute überliefert worden;2 unzählig sind Erwähnungen des Königs in Chroniken und Legendensammlungen.3 In Deutschland bildet
sich auch schon zu Anfang eine Sage (die Dietrichsage) um die historische Figur Theoderichs, in der der Protagonist und Held Dietrich von Bern als literarisches Alter Ego Theoderichs fungiert. Bald unterscheidet man auch zwischen einer lateinisch-italienischen und einer deutschen Rezeptionsströmung:
Während die römisch-kirchliche Tradition Theoderich als Usurpator Italiens und arianischen Kerker darstellt (und ihn deswegen zur Verdammnis verurteilt), wird die deutsche deutlich positiver beurteilt. Theoderich ,,vereinigt[] […] ,germanische‘ Tugenden, wie kriegerisches
Wesen und hohe moralische Grundsätze, mit der Wertschätzung für die Leistungen der römischen Kultur“.4 Doch sollten sich im Allgemeinen von Beginn an und ,,bis ins 20. Jh. hinein […] positive und negative Sichtweisen abwechseln“:5
Auch wenn negative Beurteilungen seit dem Humanismus meist in den Hintergrund rücken,6 bleiben auch theoderichfeindliche Deutungen bestehen. Die Darstellung des Theoderich/Dietrich erlebt also im Laufe der Jahrhunderte viele Interpretationen und neue Akzentuierungen. Ziel des
vorliegenden Beitrags ist es, einige dieser Umdeutungen am Beispiel vier ausgewählter Texte aus dem deutschen und italienischen Kulturraum zu ergründen, welche aus dem ausgehenden 19. bzw. aus dem 20. Jh. stammen.7 Dabei handelt es sich um folgende Texte: Giosuè
Carduccis Gedicht La leggenda di Teodorico (1884/1885),8 Wilhelm Schäfers Roman Theoderich König des Abendlandes (1939),9 Wilhelm Bartschs Jugendbuch Heldenlärm10 (1998) sowie Dario Fos La vera storia di Ravenna (1999).11
Im Folgenden soll besonders den Fragen nachgegangen werden, welche Transformationen die Figur Theoderichs/Dietrichs im 19. und 20. Jh. in der deutschen und italienischen Literatur – in Hinblick auf das Kulturerbe – erfahren hat und aus welchem Grund diese neu interpretiert und
umgewandelt worden ist.
Peter Lang, International Academic Publishers
Title: Theoderich/Dietrich zwischen Deutschland und Italien: welches Kulturerbe?
Description:
Die Figur des Ostgotenkönigs und später rex Italiae Theoderich (um 453/455–526) erfährt bereits früh ein sehr großes Interesse in der Historiographie und Literatur.
Noch ,,zu seinen Lebzeiten [erscheinen] meist in seinem got.
-italischen Umfeld“1
Berichte zu seiner Person und kurz nach seinem Tod setzt eine breite Rezeption an: Zahlreiche Theoderich-Testimonien sind bis heute überliefert worden;2 unzählig sind Erwähnungen des Königs in Chroniken und Legendensammlungen.
3 In Deutschland bildet
sich auch schon zu Anfang eine Sage (die Dietrichsage) um die historische Figur Theoderichs, in der der Protagonist und Held Dietrich von Bern als literarisches Alter Ego Theoderichs fungiert.
Bald unterscheidet man auch zwischen einer lateinisch-italienischen und einer deutschen Rezeptionsströmung:
Während die römisch-kirchliche Tradition Theoderich als Usurpator Italiens und arianischen Kerker darstellt (und ihn deswegen zur Verdammnis verurteilt), wird die deutsche deutlich positiver beurteilt.
Theoderich ,,vereinigt[] […] ,germanische‘ Tugenden, wie kriegerisches
Wesen und hohe moralische Grundsätze, mit der Wertschätzung für die Leistungen der römischen Kultur“.
4 Doch sollten sich im Allgemeinen von Beginn an und ,,bis ins 20.
Jh.
hinein […] positive und negative Sichtweisen abwechseln“:5
Auch wenn negative Beurteilungen seit dem Humanismus meist in den Hintergrund rücken,6 bleiben auch theoderichfeindliche Deutungen bestehen.
Die Darstellung des Theoderich/Dietrich erlebt also im Laufe der Jahrhunderte viele Interpretationen und neue Akzentuierungen.
Ziel des
vorliegenden Beitrags ist es, einige dieser Umdeutungen am Beispiel vier ausgewählter Texte aus dem deutschen und italienischen Kulturraum zu ergründen, welche aus dem ausgehenden 19.
bzw.
aus dem 20.
Jh.
stammen.
7 Dabei handelt es sich um folgende Texte: Giosuè
Carduccis Gedicht La leggenda di Teodorico (1884/1885),8 Wilhelm Schäfers Roman Theoderich König des Abendlandes (1939),9 Wilhelm Bartschs Jugendbuch Heldenlärm10 (1998) sowie Dario Fos La vera storia di Ravenna (1999).
11
Im Folgenden soll besonders den Fragen nachgegangen werden, welche Transformationen die Figur Theoderichs/Dietrichs im 19.
und 20.
Jh.
in der deutschen und italienischen Literatur – in Hinblick auf das Kulturerbe – erfahren hat und aus welchem Grund diese neu interpretiert und
umgewandelt worden ist.
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