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Kohout, Annekathrin (2022). Nerds. Eine Popkulturgeschichte. München: C. H. Beck Verlag. 272 S., 16,95 €.

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Hornbrille, pickeliges Gesicht, Computergenie, männlich, unsozial und unsportlich – mit diesen Klischees wird der Nerd häufig assoziiert. Doch es braucht mehr als nur viele Stunden vor dem Computer, um ein Nerd zu sein. Ausgehend von ihrer Dissertation widmet sich Annekathrin Kohout in ihrem facettenreichen Buch dem Sozialphänomen Nerd von den Anfängen bis zur Gegenwart. Die heutige Vorstellung der Figur ist überhaupt erst in Wechselwirkung mit den Medien entstanden, etwa durch US-Teenagerserien oder Filmkomödien wie ‚Der verrückte Professor‘ (1963, 1996, 2008). Schlagartig bekannt wurde die Nerdfigur 1977 durch die Sketche ‚The Nerds‘ der US-amerikanischen Comedyshow ‚Saturday Night Live‘. Weitere filmische Beispiele hat die Kulturwissenschaftlerin, Medienwissenschaftlerin, Bloggerin und Autorin (‚Netzfeminismus‘ 2019) in einem umfassen Filmverzeichnis am Ende des Buchs zusammengetragen. Die wissenschaftlich-unterhaltsame Publikation gibt in ihren 16 Kapiteln darüber hinaus Einblicke in die Geschichte von wachsender und abnehmender Computer- und der Technikskepsis sowie der Mediennutzung. Vor allem in Deutschland gilt der Nerd als Sinnbild des Internet-Zeitalters. „Der Nerd wurde durch die Entstehung und Etablierung der Computertechnologie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär, steht also für den Übergang ins Informationszeitalter, bis er sogar zur stilgebenden Figur eines neuen Technikoptimismus avancierte“ (S. 24). Heute wird der Begriff inflationär und in unterschiedlichen Kontexten verwendet. Deutlich wird dabei, dass die Figur selbst wandlungsfähig ist, ein ‚quecksilbriges Wesen‘, wie Kohout es nennt. Gleichzeitig ist die Figur nicht unumstritten. Deshalb setzt sich die Autorin auch kritisch damit auseinander, dass der Nerd gemeinhin als männlich, weiß und homosexuell gilt. Frauen und People of Color fällt es schwer, sich mit dem Nerd zu identifizieren. Die Autorin geht davon aus, dass die Figur verschwinden wird, wenn es ihr nicht gelingt, sich zu verändern oder weiterzuentwickeln.
Title: Kohout, Annekathrin (2022). Nerds. Eine Popkulturgeschichte. München: C. H. Beck Verlag. 272 S., 16,95 €.
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Hornbrille, pickeliges Gesicht, Computergenie, männlich, unsozial und unsportlich – mit diesen Klischees wird der Nerd häufig assoziiert.
Doch es braucht mehr als nur viele Stunden vor dem Computer, um ein Nerd zu sein.
Ausgehend von ihrer Dissertation widmet sich Annekathrin Kohout in ihrem facettenreichen Buch dem Sozialphänomen Nerd von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Die heutige Vorstellung der Figur ist überhaupt erst in Wechselwirkung mit den Medien entstanden, etwa durch US-Teenagerserien oder Filmkomödien wie ‚Der verrückte Professor‘ (1963, 1996, 2008).
Schlagartig bekannt wurde die Nerdfigur 1977 durch die Sketche ‚The Nerds‘ der US-amerikanischen Comedyshow ‚Saturday Night Live‘.
Weitere filmische Beispiele hat die Kulturwissenschaftlerin, Medienwissenschaftlerin, Bloggerin und Autorin (‚Netzfeminismus‘ 2019) in einem umfassen Filmverzeichnis am Ende des Buchs zusammengetragen.
Die wissenschaftlich-unterhaltsame Publikation gibt in ihren 16 Kapiteln darüber hinaus Einblicke in die Geschichte von wachsender und abnehmender Computer- und der Technikskepsis sowie der Mediennutzung.
Vor allem in Deutschland gilt der Nerd als Sinnbild des Internet-Zeitalters.
„Der Nerd wurde durch die Entstehung und Etablierung der Computertechnologie in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts populär, steht also für den Übergang ins Informationszeitalter, bis er sogar zur stilgebenden Figur eines neuen Technikoptimismus avancierte“ (S.
24).
Heute wird der Begriff inflationär und in unterschiedlichen Kontexten verwendet.
Deutlich wird dabei, dass die Figur selbst wandlungsfähig ist, ein ‚quecksilbriges Wesen‘, wie Kohout es nennt.
Gleichzeitig ist die Figur nicht unumstritten.
Deshalb setzt sich die Autorin auch kritisch damit auseinander, dass der Nerd gemeinhin als männlich, weiß und homosexuell gilt.
Frauen und People of Color fällt es schwer, sich mit dem Nerd zu identifizieren.
Die Autorin geht davon aus, dass die Figur verschwinden wird, wenn es ihr nicht gelingt, sich zu verändern oder weiterzuentwickeln.

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