Search engine for discovering works of Art, research articles, and books related to Art and Culture
ShareThis
Javascript must be enabled to continue!

Die chemische Tradition

View through CrossRef
Mit dem Aufblühen der Naturwissenschaften im 18. Jahrhundert begannen Chemiker, Mineralogen und naturkundige Ärzte sich nicht nur mit der Landwirtschaft, sondern auch mit dem Erdboden und einzelnen Stoffen daraus zu beschäftigen. Die ersten systematischen Arbeiten, die der Chemie des Bodens eine namhafte Bedeutung beimaßen, stammen vom schottischen Arzt FRANCIS HOME sowie vom schwedischen Chemiker und Mineralogen JOHANN GOTTSCHALK WALLERIUS. Beide, noch ganz der Phlogistontheorie verhaftet, übten während Jahrzehnten einen erheblichen Einfluss auf die praktische Nutzung des Bodens und dessen Erforschung aus. Mit der Widerlegung der Phlogiston‐ und Transmutationstheorie durch ANTOINE LAURENT LAVOISIER setzte eine neue Ära der Chemie ein, die sich allmählich auch in den angewandten Bereichen wie Landwirtschaft, Botanik, usw. durchzusetzen begann. Eine bedeutende Rolle kam dabei dem Genfer Chemiker und Pflanzenphysiologen NICOLAS THÉODORE DE SAUSSURE zu, der mit seinem 1804 erschienenen Buch Recherche chimique sur la végétation Maßstäbe setzte und die Forschung über die Pflanzenernährung, die Rolle des Bodens dabei, und die Zusammensetzung der Pflanzen über Jahrzehnte prägte. DE SAUSSURE konnte zwar die von WALLERIUS und JEAN HENRI HASSENFRATZ begründete Humustheorie nicht vollständig entkräften, doch hat er den klaren Nachweis gebracht, dass die in den Pflanzen vorhandene mineralische Substanz aus dem Boden stammt und für das Gedeihen der Pflanzen notwendig ist. Zur Verankerung der Chemie in der Landwirtschaft trug etwas später auch der englische Chemiker und Physiker SIR HUMPHREY DAVY bei, der in seinem 1913 erschienenen einflussreichen Buch Elements of Agricultural Chemistry die Kenntnisse über Boden, Pflanzen und Düngung zusammenfasste und aus der Sicht der neuen Chemie kritisch wertete. Die Kontroverse zwischen den Vertretern der Humustheorie, die im Wesentlichen von ALBRECHT DANIEL THAER gestützt wurde, und den Vertretern der von DE SAUSSURE angebahnten und von CARL SPRENGEL formulierten Mineralstofftheorie dauerte über ein halbes Jahrhundert, bis JUSTUS VON LIEBIG mit seinem epochemachenden Werk Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie der Mineralstofftheorie zum weltweiten Durchbruch verhalf, wenn auch einzelne Aspekte der Humustheorie nach wie vor ihre Befürworter fanden. So legte der französische Mineningenieur und Chemiker JEAN BAPTISTE BOUSSINGAULT, im Gegensatz zu LIEBIG, nach wie vor großen Wert auf die Rolle, die dem Humus bei der Pflanzenernährung zukommt, und wies zudem auf die besondere Bedeutung des Stickstoffs hin. Bereits 1838 gelang ihm anhand von Feldversuchen der Nachweis, dass Leguminosen in der Lage sind, Stickstoff aus der Luft zu binden, ohne allerdings eine Erklärung dafür geben zu können. Mit seiner Entdeckung legte BOUSSINGAULT aber den Grundstein für die später so erfolgreiche Entwicklung der Bodenmikrobiologie, die innerhalb kurzer Zeit viele bislang auf rein chemischem Weg nicht durchschaubare Prozesse im Boden aufklären konnte. Den Startpunkt zur eigenständigen Bodenchemie legte der englische Chemiker JOHN THOMAS WAY mit seinen zwischen 1850 und 1854 erschienenen Arbeiten über den Basenaustausch im Boden. WAY bearbeitete das Thema so gründlich, dass nach dem Urteil des Agrikulturchemikers GEORG WIEGNER für Dekaden keine vergleichbare Arbeit mehr nachfolgte. In der Tat wurden von den zahlreichen Arbeiten, die auf WAYs Publikation folgten, dessen Thesen in den meisten Fällen bestätigt, im Einzelnen verfeinert und nur in wenigen Punkten widerlegt. Ein wesentlicher Fortschritt bahnte sich erst anfangs des 20. Jahrhunderts an, als GOUY und CHAPMAN unabhängig voneinander die Theorie der elektrischen Doppelschicht an geladenen Partikeloberflächen vorstellten und es mittels der von DEBYE UND SCHERRER entwickelten Pulverröntgendiffraktometrie möglich wurde, die Struktur der sog. Kolloide und amorphen Zeolithe im Boden aufzuklären.
Title: Die chemische Tradition
Description:
Mit dem Aufblühen der Naturwissenschaften im 18.
Jahrhundert begannen Chemiker, Mineralogen und naturkundige Ärzte sich nicht nur mit der Landwirtschaft, sondern auch mit dem Erdboden und einzelnen Stoffen daraus zu beschäftigen.
Die ersten systematischen Arbeiten, die der Chemie des Bodens eine namhafte Bedeutung beimaßen, stammen vom schottischen Arzt FRANCIS HOME sowie vom schwedischen Chemiker und Mineralogen JOHANN GOTTSCHALK WALLERIUS.
Beide, noch ganz der Phlogistontheorie verhaftet, übten während Jahrzehnten einen erheblichen Einfluss auf die praktische Nutzung des Bodens und dessen Erforschung aus.
Mit der Widerlegung der Phlogiston‐ und Transmutationstheorie durch ANTOINE LAURENT LAVOISIER setzte eine neue Ära der Chemie ein, die sich allmählich auch in den angewandten Bereichen wie Landwirtschaft, Botanik, usw.
durchzusetzen begann.
Eine bedeutende Rolle kam dabei dem Genfer Chemiker und Pflanzenphysiologen NICOLAS THÉODORE DE SAUSSURE zu, der mit seinem 1804 erschienenen Buch Recherche chimique sur la végétation Maßstäbe setzte und die Forschung über die Pflanzenernährung, die Rolle des Bodens dabei, und die Zusammensetzung der Pflanzen über Jahrzehnte prägte.
DE SAUSSURE konnte zwar die von WALLERIUS und JEAN HENRI HASSENFRATZ begründete Humustheorie nicht vollständig entkräften, doch hat er den klaren Nachweis gebracht, dass die in den Pflanzen vorhandene mineralische Substanz aus dem Boden stammt und für das Gedeihen der Pflanzen notwendig ist.
Zur Verankerung der Chemie in der Landwirtschaft trug etwas später auch der englische Chemiker und Physiker SIR HUMPHREY DAVY bei, der in seinem 1913 erschienenen einflussreichen Buch Elements of Agricultural Chemistry die Kenntnisse über Boden, Pflanzen und Düngung zusammenfasste und aus der Sicht der neuen Chemie kritisch wertete.
Die Kontroverse zwischen den Vertretern der Humustheorie, die im Wesentlichen von ALBRECHT DANIEL THAER gestützt wurde, und den Vertretern der von DE SAUSSURE angebahnten und von CARL SPRENGEL formulierten Mineralstofftheorie dauerte über ein halbes Jahrhundert, bis JUSTUS VON LIEBIG mit seinem epochemachenden Werk Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie der Mineralstofftheorie zum weltweiten Durchbruch verhalf, wenn auch einzelne Aspekte der Humustheorie nach wie vor ihre Befürworter fanden.
So legte der französische Mineningenieur und Chemiker JEAN BAPTISTE BOUSSINGAULT, im Gegensatz zu LIEBIG, nach wie vor großen Wert auf die Rolle, die dem Humus bei der Pflanzenernährung zukommt, und wies zudem auf die besondere Bedeutung des Stickstoffs hin.
Bereits 1838 gelang ihm anhand von Feldversuchen der Nachweis, dass Leguminosen in der Lage sind, Stickstoff aus der Luft zu binden, ohne allerdings eine Erklärung dafür geben zu können.
Mit seiner Entdeckung legte BOUSSINGAULT aber den Grundstein für die später so erfolgreiche Entwicklung der Bodenmikrobiologie, die innerhalb kurzer Zeit viele bislang auf rein chemischem Weg nicht durchschaubare Prozesse im Boden aufklären konnte.
Den Startpunkt zur eigenständigen Bodenchemie legte der englische Chemiker JOHN THOMAS WAY mit seinen zwischen 1850 und 1854 erschienenen Arbeiten über den Basenaustausch im Boden.
WAY bearbeitete das Thema so gründlich, dass nach dem Urteil des Agrikulturchemikers GEORG WIEGNER für Dekaden keine vergleichbare Arbeit mehr nachfolgte.
In der Tat wurden von den zahlreichen Arbeiten, die auf WAYs Publikation folgten, dessen Thesen in den meisten Fällen bestätigt, im Einzelnen verfeinert und nur in wenigen Punkten widerlegt.
Ein wesentlicher Fortschritt bahnte sich erst anfangs des 20.
Jahrhunderts an, als GOUY und CHAPMAN unabhängig voneinander die Theorie der elektrischen Doppelschicht an geladenen Partikeloberflächen vorstellten und es mittels der von DEBYE UND SCHERRER entwickelten Pulverröntgendiffraktometrie möglich wurde, die Struktur der sog.
Kolloide und amorphen Zeolithe im Boden aufzuklären.

Related Results

E-Learning
E-Learning
E-Learning ist heute aus keinem pädagogischen Lehrraum mehr wegzudenken. In allen Bereichen von Schule über die berufliche bis zur universitären Ausbildung und besonders im Bereich...
Photolabile Schutzgruppen und ihre Anwendung zur wellenlängenselektiven Aktivierung und Deaktivierung eines Antibiotikums
Photolabile Schutzgruppen und ihre Anwendung zur wellenlängenselektiven Aktivierung und Deaktivierung eines Antibiotikums
Die Verwendung von photolabilen Schutzgruppen zur nicht-invasiven Kontrolle von Systemen birgt ein großes Potential für verschiedenste Anwendungsgebiete, die von der Erforschung un...
Nachgefragt: Maryanne Redpath, Leiterin Sektion Generation der Berlinale
Nachgefragt: Maryanne Redpath, Leiterin Sektion Generation der Berlinale
Abschied von der Berlinale – mit einem 20-jährigen Jubiläum als Leiterin der Sektion Generation beendet Maryanne Redpath ihre Arbeit beim internationalen Filmfestival. Schon 1993 w...
DIE (GCALEKA-)KONING IS DOOD, LANK LEEF DIE (GCALEKA-)KONING!
DIE (GCALEKA-)KONING IS DOOD, LANK LEEF DIE (GCALEKA-)KONING!
Koning Xolilizwe Sigcawu is op 31 Desember 2005 in 1 Militêre Hospitaal, Pretoria, aan lewerversaking dood. Koning Sigcawu, wie se koningshuis by die Groot Plek Nqadu naby Willowva...
Niemiecka socjaldemokratka Anke Martiny o potrzebie feminizacji polityki
Niemiecka socjaldemokratka Anke Martiny o potrzebie feminizacji polityki
DIE DEUTSCHE SOZIALDEMOKRATIN ANKE MARTINY ÜBER DIE NOTWENDIGE FEMINISIERUNG DER POLITIKDie Politikerin der SPD Anke Martiny 1939–2016 war eine außergewöhnliche Gestalt der deutsch...
Lebensraum Internet: Jugendliche im Netz - Zehn Jahre Medienaneignung im Wandel
Lebensraum Internet: Jugendliche im Netz - Zehn Jahre Medienaneignung im Wandel
2003 Skype | 2004 Facebook | 2005 YouTube, StudiVZ | 2006 Twitter, MyVideo | 2007 iPhone, SchülerVZ, Dropbox | 2008 Android Betriebssystem | 2009 WhatsApp | 2010 iPad | 2011 Social...
Healthy Leaders – Healthy Employees : Consequences of Impairments in Leaders’ Health and Interventions for Promoting their Health
Healthy Leaders – Healthy Employees : Consequences of Impairments in Leaders’ Health and Interventions for Promoting their Health
Wenn Führungskräfte bei schlechter Gesundheit sind, können sich weitreichende Folgen für die Führungskräfte selbst, ihre Mitarbeitenden und ihre Unternehmen ergeben. Interventionen...
Digitisation and consumer law in South Africa and Africa
Digitisation and consumer law in South Africa and Africa
Die digitale revolusie tydens die laaste drie dekades het ’n enorme impak gemaak op die wyse waarop verbruikers en verskaffers tans optree. Hierdie ontwikkeling skep nou nuwe uitda...

Back to Top