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Annette Kolbs Die Schaukel und das subversive Potenzial von Literatur

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Der Beitrag stellt eine Untersuchung des Romans Die Schaukel (1934) von Annette Kolb hinsichtlich des emanzipatorischen Potenzials dar, Verschränkungen sozialer Ungleichheit subversiv zu unterlaufen. Es wird dabei angenommen, dass Literatur als kulturelles Produkt gesellschaftliche Strukturen sichtbar macht, reproduziert, aber auch infrage stellen kann. Die Analyse narratologischer Darstellungsweisen hinsichtlich der Konstruktion narrativer Identitäten deckt unter Einbezug intersektionaler Überlegungen subversive Strategien bezüglich gegebener Machtund Herrschaftsstrukturen auf. Es wird gezeigt, dass unteranderem anhand der beiden Figuren Herr und Frau Lautenschlag eine binär strukturierte Opposition von Männlichkeit und Weiblichkeit und eine damit einhergehende Verschränkung von Ungleichheit bezüglich der identitären Strukturkategorien Geschlecht und Ökonomie durch die Verortung innerhalb von geschlechtsspezifischen Räumen sowie durch erzähltextspezifische Zeitdarstellung erwirkt und gleichzeitig durch Ironie unterlaufen wird. Eine Bezugnahme auf gesellschaftliche Strukturen des extraliterarischen Raumes wird durch die Erzählinstanz als ‚engaging narrator‘ hergestellt, welche die Identitäten der bayrischkatholischen Familie Lautenschlag und der preußisch-protestantischen Familie von Zwinger narrativ und affirmativ als sich gegenüberstehende Oppositionen innerhalb des Diskurses der deutschen Nationalgründung konstruiert. Diese Konstruktion äußert sich als geprägt von einer Verwobenheit der Kategorien Nation, Religion, Ökonomie und Klasse. Deutlich wird durch die Untersuchung, dass sich die Familie Lautenschlag besonders durch ihr kulturelles Kapital von den von Zwingers und ihrem Wertesystem emanzipiert. Der Übermut der Kinder Lautenschlag zeigt sich als Freifahrtschein gegenüber jeglichen Konventionen. Die allegorische Darstellung der Tochter der Lautenschlags Hespera im Sinne des ‚Friedens‘ zwischen unterschiedlichen nationalen Identitäten und konfessioneller Zugehörigkeit stellt eine sich der eindeutigen Zuordnung verweigernde Figur dar. Ebenso vermittelt die narrative und besonders von Ironie disponierte Konstruktion der Tochter Mathias sowohl eine geschlechtliche Ambiguität als auch einen Widerstand gegenüber sozialer Assimilation.
University of Cincinnati Press
Title: Annette Kolbs Die Schaukel und das subversive Potenzial von Literatur
Description:
Der Beitrag stellt eine Untersuchung des Romans Die Schaukel (1934) von Annette Kolb hinsichtlich des emanzipatorischen Potenzials dar, Verschränkungen sozialer Ungleichheit subversiv zu unterlaufen.
Es wird dabei angenommen, dass Literatur als kulturelles Produkt gesellschaftliche Strukturen sichtbar macht, reproduziert, aber auch infrage stellen kann.
Die Analyse narratologischer Darstellungsweisen hinsichtlich der Konstruktion narrativer Identitäten deckt unter Einbezug intersektionaler Überlegungen subversive Strategien bezüglich gegebener Machtund Herrschaftsstrukturen auf.
Es wird gezeigt, dass unteranderem anhand der beiden Figuren Herr und Frau Lautenschlag eine binär strukturierte Opposition von Männlichkeit und Weiblichkeit und eine damit einhergehende Verschränkung von Ungleichheit bezüglich der identitären Strukturkategorien Geschlecht und Ökonomie durch die Verortung innerhalb von geschlechtsspezifischen Räumen sowie durch erzähltextspezifische Zeitdarstellung erwirkt und gleichzeitig durch Ironie unterlaufen wird.
Eine Bezugnahme auf gesellschaftliche Strukturen des extraliterarischen Raumes wird durch die Erzählinstanz als ‚engaging narrator‘ hergestellt, welche die Identitäten der bayrischkatholischen Familie Lautenschlag und der preußisch-protestantischen Familie von Zwinger narrativ und affirmativ als sich gegenüberstehende Oppositionen innerhalb des Diskurses der deutschen Nationalgründung konstruiert.
Diese Konstruktion äußert sich als geprägt von einer Verwobenheit der Kategorien Nation, Religion, Ökonomie und Klasse.
Deutlich wird durch die Untersuchung, dass sich die Familie Lautenschlag besonders durch ihr kulturelles Kapital von den von Zwingers und ihrem Wertesystem emanzipiert.
Der Übermut der Kinder Lautenschlag zeigt sich als Freifahrtschein gegenüber jeglichen Konventionen.
Die allegorische Darstellung der Tochter der Lautenschlags Hespera im Sinne des ‚Friedens‘ zwischen unterschiedlichen nationalen Identitäten und konfessioneller Zugehörigkeit stellt eine sich der eindeutigen Zuordnung verweigernde Figur dar.
Ebenso vermittelt die narrative und besonders von Ironie disponierte Konstruktion der Tochter Mathias sowohl eine geschlechtliche Ambiguität als auch einen Widerstand gegenüber sozialer Assimilation.

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