Javascript must be enabled to continue!
Der Beitrag der klinischen Neuropsychologie bei der Begutachtung von Affekttätern
View through CrossRef
Die forensische Begutachtung von Affekttätern zur Frage einer eingeschränkten oder aufgehobenen Steuerungsfähigkeit aufgrund einer „tiefgreifenden Bewusstseinsstörung“ war bis zur Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofes im Jahre 1958 eine Domäne der forensischen Psychiatrie. Angesichts der erheblichen Entwicklung der Neurowissenschaften in den beiden letzten Jahrzehnten kommt aber gerade der klinischen Neuropsychologie bei der Begutachtung von nicht-krankhaften Bewusstseinsstörungen eine enorme Bedeutung zu. Nach der Erörterung der Begriffe wie „Bewusstsein“ bzw. „Bewusstseinsstörung“ und dem Versuch einer mehr neuropsychologisch orientierten Beschreibung der „affektbedingten Bewusstseinsstörung“ wird die Relevanz neuropsychologischer Kompetenz bei der Begutachtung von Affekttätern anhand einer Kasuistik dargestellt. Dabei handelt es sich um einen 56-jährigen Brandstifter, dessen Biographie einerseits geprägt war von Versagungen, Verlusten, Kränkungen und Aufgaben eigener Interessen und dessen Brandstiftung andererseits erklärt werden konnte als erweiterter Suizidversuch einer stark aggressionsgehemmten Persönlichkeit bei langdauernder spezifischer Tatvorgeschichte. Die Analyse der Affektkriterien n. Saß (1993) zeigt bei diesem Fall die Notwendigkeit einer weitergehenden neuropsychologischen Betrachtung des Affektgeschehens, z. B. im Hinblick auf das Kriterium der „Erinnerungsstörung“. Nach der Neubewertung dieses Falles werden auch die kürzlich von Marneros (2007) vorgeschlagenen Beurteilungsmerkmale von Affektdelikten auf neuropsychologischer Basis reflektiert und abschließend Argumente für eine mehr neuropsychologische Kompetenz bei der Beurteilung einer affektbedingten, tiefgreifenden Bewusstseinsstörung aufgeführt.
Title: Der Beitrag der klinischen Neuropsychologie bei der Begutachtung von Affekttätern
Description:
Die forensische Begutachtung von Affekttätern zur Frage einer eingeschränkten oder aufgehobenen Steuerungsfähigkeit aufgrund einer „tiefgreifenden Bewusstseinsstörung“ war bis zur Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofes im Jahre 1958 eine Domäne der forensischen Psychiatrie.
Angesichts der erheblichen Entwicklung der Neurowissenschaften in den beiden letzten Jahrzehnten kommt aber gerade der klinischen Neuropsychologie bei der Begutachtung von nicht-krankhaften Bewusstseinsstörungen eine enorme Bedeutung zu.
Nach der Erörterung der Begriffe wie „Bewusstsein“ bzw.
„Bewusstseinsstörung“ und dem Versuch einer mehr neuropsychologisch orientierten Beschreibung der „affektbedingten Bewusstseinsstörung“ wird die Relevanz neuropsychologischer Kompetenz bei der Begutachtung von Affekttätern anhand einer Kasuistik dargestellt.
Dabei handelt es sich um einen 56-jährigen Brandstifter, dessen Biographie einerseits geprägt war von Versagungen, Verlusten, Kränkungen und Aufgaben eigener Interessen und dessen Brandstiftung andererseits erklärt werden konnte als erweiterter Suizidversuch einer stark aggressionsgehemmten Persönlichkeit bei langdauernder spezifischer Tatvorgeschichte.
Die Analyse der Affektkriterien n.
Saß (1993) zeigt bei diesem Fall die Notwendigkeit einer weitergehenden neuropsychologischen Betrachtung des Affektgeschehens, z.
B.
im Hinblick auf das Kriterium der „Erinnerungsstörung“.
Nach der Neubewertung dieses Falles werden auch die kürzlich von Marneros (2007) vorgeschlagenen Beurteilungsmerkmale von Affektdelikten auf neuropsychologischer Basis reflektiert und abschließend Argumente für eine mehr neuropsychologische Kompetenz bei der Beurteilung einer affektbedingten, tiefgreifenden Bewusstseinsstörung aufgeführt.
Related Results
Leveraging advanced analytics to develop and evaluate energy efficiency services and products
Leveraging advanced analytics to develop and evaluate energy efficiency services and products
Zwei disruptive Transformationen, die Energiewende und die Digitalisierung, stellen die Gesellschaft und die Energieversorger vor große Herausforderungen und bieten gleichzeitig gr...
Photolabile Schutzgruppen und ihre Anwendung zur wellenlängenselektiven Aktivierung und Deaktivierung eines Antibiotikums
Photolabile Schutzgruppen und ihre Anwendung zur wellenlängenselektiven Aktivierung und Deaktivierung eines Antibiotikums
Die Verwendung von photolabilen Schutzgruppen zur nicht-invasiven Kontrolle von Systemen birgt ein großes Potential für verschiedenste Anwendungsgebiete, die von der Erforschung un...
E-Learning
E-Learning
E-Learning ist heute aus keinem pädagogischen Lehrraum mehr wegzudenken. In allen Bereichen von Schule über die berufliche bis zur universitären Ausbildung und besonders im Bereich...
28. Anton Mühldorf: Einige Betrachtungen zur Membranmorphologie der Blaualgen
28. Anton Mühldorf: Einige Betrachtungen zur Membranmorphologie der Blaualgen
Zusammenfassung
. Entgegen der verbreiteten Annahme, daß die Bildung und Entwicklung der Querwand bei der Zellteilung der Cyanophyceenzellen durch Einfaltung und Einwachsen der Län...
EbM und Wirksamkeit in der klinischen Neuropsychologie
EbM und Wirksamkeit in der klinischen Neuropsychologie
Zusammenfassung: Die Frage der Evidenzbasierung medizinischer und therapeutischer Leistungen ist im letzten Jahrzehnt in den Fokus des Interesses gerückt. Dargestellt wird die Entw...
Allelische Subtypisierung und Funktionsanalyse von inhibitorischen NK-Zell-Rezeptoren KIR2DL1 und KIR3DL1 zur Optimierung der Spenderauswahl bei NK-Zell-basierter Immuntherapie
Allelische Subtypisierung und Funktionsanalyse von inhibitorischen NK-Zell-Rezeptoren KIR2DL1 und KIR3DL1 zur Optimierung der Spenderauswahl bei NK-Zell-basierter Immuntherapie
In Deutschland erkranken pro Jahr bis zu 12.000 Menschen neu an Leukämie. Leukämie ist eine schwere onkologische Erkrankung, bei der reifes Knochenmarkgewebe in Folge von Mutatione...
Therapie der Fahreignung in der Klinischen Neuropsychologie
Therapie der Fahreignung in der Klinischen Neuropsychologie
Zusammenfassung: In dieser Arbeit sollen wichtige Aspekte der Therapie der Fahreignung in der klinischen Neuropsychologie einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Eine tragfähi...
Diagramme im Handumdrehen - Der Gebrauch von Gesten beim Mathematiklernen
Diagramme im Handumdrehen - Der Gebrauch von Gesten beim Mathematiklernen
Ausgangspunkt der Forschungsarbeit ist der Gebrauch von Gesten in mathematischen Interaktionen von Lernenden. Es wird untersucht, inwiefern Gesten Teil des mathematischen Aushandlu...

