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Hayali, Dunja (2018). Haymatland. Wie wollen wir zusammen leben? Berlin: Ullstein. 160 S., 16,00 €.
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Gemeinsam mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit führt das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis seit mehreren Jahren Projekte zum Thema ‚Werte in der digitalen Welt‘ durch. Ziel der Projekte ist es, mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch über Hass im Netz, Werte und Regeln für ein Zusammenleben – digital wie analog – zu kommen. Den Medienprojekten, in denen diese Diskussionen durch selbsterstellte Medienproduktionen umgesetzt werden, sind Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte vorangestellt. In diesen Fortbildungen erhalten die Lehrer*innen zusätzlich zur Möglichkeit medienpraktische Erfahrungen zu sammeln, auch viele Informationen zum Thema ‚Werte in der digitalen Welt‘. Dazu gehören auch Literaturtipps, die sowohl Grundlagenwissen, als auch Inspiration und Denkanstöße sowie Beiträge zu aktuellen Debatten liefern. Hayalis Haymatland gehört seit dem Erscheinen 2018 zu diesen Tipps dazu. Hayali, die in einem kleinen Ort im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen ist, kennen viele durch ihre Funktion als Moderatorin im ZDF Morgenmagazin und im ZDF Sportstudio. Auch durch ihr Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, wofür sie 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, hat sie viel öffentliche Beachtung gefunden. In ihrem Buch Haymatland schreibt sie zu Beginn über ihre Kindheit und Jugend in Nordrhein-Westfalen, als Kind irakischer Eltern, die über unterschiedliche Wege nach Deutschland gekommen waren. Sie selbst beschreibt mehrere Orte als „Heimaten“, sowohl in Deutschland, als auch – geografisch nicht festgelegt – den Orten, an denen Freunde und Familie zusammenkommen und zusammen sind. Das ist ein schöner Ansatz, um auch mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. ‚Wie viele Heimaten hast du? Was macht eine Heimat aus? Wie kann ein Ort zur Heimat werden?‘ sind Fragen, die sehr gut und kreativ in Medienproduktionen behandelt und veranschaulicht werden können, z. B. in Podcasts, kleinen Trickfilmen oder Foto-Storys. Ebenso geeignet ist Hayalis Unterscheidung nach Heimat im Kleinen (Zuhause, Schule, Sportverein) und Heimat im Großen (Stadt, Region, Land). „Das wäre eine Chance für alle, die bereit sind, eine Einladung auszusprechen: Hier, in unserer kleinen Heimat, könnt ihr eine neue finden“, und damit vielleicht auch Stück für Stück eine große Heimat. Im zweiten Kapitel geht es um den Hass, der sich in den letzten Jahren vor allem digital, aber auch in der Politik und im täglichen Umgang der Menschen miteinander breitgemacht hat. Hayali begegnet dieser Hass nicht nur digital in vielen sehr grenzüberschreitenden Nachrichten über soziale Medien und andere Kanäle, sondern auch ganz offen auf der Straße. Sie geht offensiv damit um, versucht Kontakt zu den Menschen herzustellen und mit ihnen zu reden. Auch Hayali hat dabei ihre Grenzen, wenn ihr z. B. mit Vergewaltigung, dem Tode oder Deportation gedroht wird. Gegen diese Art von Hassrede, gegen die es klare Gesetze gibt, geht auch sie auf juristischem Wege vor oder/ und blockiert die Absender*innen auf ihren Profilen. Trotzdem lässt sie die Frage nicht los, was genau solch starken Hass bei Menschen auslöst. Warum Menschen, die sich für andere und ihre Rechte engagieren, als „Gutmenschen“ verhöhnt werden, während die Hater*innen, die meist nichts tun, außer zu kritisieren und Angst zu erzeugen, immer größeren Zuspruch erfahren. In den Perspektiven-Projekten des JFF geht es immer wieder auch um die Frage, wo die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Beleidigung bzw. Hassrede verläuft. Hayali bezieht hier klar Stellung, und ihre Argumentation kann man gut mit Jugendlichen diskutieren. „Aber wer sich rassistisch äußert, ist – verdammt noch mal – ein Rassist. (…) Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber nun mal kein Alibi für menschenfeindliche Äußerungen, rassistische Beleidigungen, persönliche Verunglimpfungen und pure Lügen.“
Ihre Strategie gegen diese Entwicklungen ist der lange Weg des Einander Zuhörens, Diskutierens, des Perspektivwechsels und der Empathie. Auch bei radikalen Meinungen interessiert sie: Wie kam es dazu, dass diese Meinung sich bilden konnte? Nicht, um etwas zu entschuldigen, sondern um einen Austausch untereinander anzuregen, der im besten Falle dem Hass den Wind aus den Segeln nimmt, denn je mehr Hassrede es gebe, umso normaler werde sie und umso etablierter die Parteien und Menschen, die mit ihr argumentierten. Im dritten Kapitel „Tatsachen“ führt Hayalinoch einmal verschiedene Fakten zu Migration und Flucht zusammen. Die mehr als 19 Millionen Menschen mit Migrationskontext, die in Deutschland leben, stehen im Kontrast zu der Vorstellung vieler, die sich hartnäckig hält und sogar wächst, dass ‚fremde‘ Menschen nicht zu uns passen und wenn überhaupt, dann nur eine begrenzte Zeit hier sein sollten. Im abschließenden Kapitel „Hoffnung“ stellt Hayali fest, dass eine geschlossene Gesellschaft, wie viele, die sich um ‚ihre Heimat‘ sorgen, sie fordern, nicht mit Demokratie und Rechtsgleichheit vereinbar ist. Stattdessen spricht sie sich dafür aus, in Migrant*innen und Geflüchteten auch einen Teil der Lösung unserer Probleme – wie z. B. des Fachkräftemangels in vielen Bereichen – zu sehen. Das Problem sei dabei folgendes: „Wir haben einen großen Bedarf an ins Land kommenden Arbeitskräften, aber zu wenig legale Zuwanderungswege für Nicht-EU-Bürger.“ Noch ein anderer Punkt ist Hayali dabei sehr wichtig: „Das heißt natürlich auch, dass wir von denen, die zu uns kommen, verlangen können und müssen, dass sie sich mit uns, unseren Gepflogenheiten, unserer Geschichte, unserer Kultur, unseren Regeln auseinandersetzen. Ich erwarte von niemandem, dass er sich einfach nur assimiliert, dass er seine Religion oder seine Kultur aufgibt – warum auch? Es geht hier nicht um ‚Entweder-oder‘, es geht vielmehr um ‚Sowohl-als-auch‘.“
Das Buch bringt viele Gedanken bei den Lesenden in Gang und kommt mit einem starken Aufruf zum Haltung-Haben zum Abschluss. Haltung als grundsätzliche Sicht auf die Dinge, als „Geländer“, also auch als Hilfe, kritisch auf sich selbst zu sehen. Auch hierin zeigt sich ein sehr guter Ansatzpunkt, um mit Heranwachsenden ins Gespräch zu kommen – was ist eine Haltung, wofür brauchen wir sie, wie gehen wir mit der Haltung anderer um und wie äußern wir unsere eigene? Zusammengefasst ist Hayalis Buch für jede*n geeignet, die*der in Deutschland lebt, und noch mehr für jene, die inhaltlich mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Werte (digital und analog) arbeiten.
Title: Hayali, Dunja (2018). Haymatland. Wie wollen wir zusammen leben? Berlin: Ullstein. 160 S., 16,00 €.
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Gemeinsam mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit führt das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis seit mehreren Jahren Projekte zum Thema ‚Werte in der digitalen Welt‘ durch.
Ziel der Projekte ist es, mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch über Hass im Netz, Werte und Regeln für ein Zusammenleben – digital wie analog – zu kommen.
Den Medienprojekten, in denen diese Diskussionen durch selbsterstellte Medienproduktionen umgesetzt werden, sind Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte vorangestellt.
In diesen Fortbildungen erhalten die Lehrer*innen zusätzlich zur Möglichkeit medienpraktische Erfahrungen zu sammeln, auch viele Informationen zum Thema ‚Werte in der digitalen Welt‘.
Dazu gehören auch Literaturtipps, die sowohl Grundlagenwissen, als auch Inspiration und Denkanstöße sowie Beiträge zu aktuellen Debatten liefern.
Hayalis Haymatland gehört seit dem Erscheinen 2018 zu diesen Tipps dazu.
Hayali, die in einem kleinen Ort im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen ist, kennen viele durch ihre Funktion als Moderatorin im ZDF Morgenmagazin und im ZDF Sportstudio.
Auch durch ihr Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, wofür sie 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, hat sie viel öffentliche Beachtung gefunden.
In ihrem Buch Haymatland schreibt sie zu Beginn über ihre Kindheit und Jugend in Nordrhein-Westfalen, als Kind irakischer Eltern, die über unterschiedliche Wege nach Deutschland gekommen waren.
Sie selbst beschreibt mehrere Orte als „Heimaten“, sowohl in Deutschland, als auch – geografisch nicht festgelegt – den Orten, an denen Freunde und Familie zusammenkommen und zusammen sind.
Das ist ein schöner Ansatz, um auch mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.
‚Wie viele Heimaten hast du? Was macht eine Heimat aus? Wie kann ein Ort zur Heimat werden?‘ sind Fragen, die sehr gut und kreativ in Medienproduktionen behandelt und veranschaulicht werden können, z.
B.
in Podcasts, kleinen Trickfilmen oder Foto-Storys.
Ebenso geeignet ist Hayalis Unterscheidung nach Heimat im Kleinen (Zuhause, Schule, Sportverein) und Heimat im Großen (Stadt, Region, Land).
„Das wäre eine Chance für alle, die bereit sind, eine Einladung auszusprechen: Hier, in unserer kleinen Heimat, könnt ihr eine neue finden“, und damit vielleicht auch Stück für Stück eine große Heimat.
Im zweiten Kapitel geht es um den Hass, der sich in den letzten Jahren vor allem digital, aber auch in der Politik und im täglichen Umgang der Menschen miteinander breitgemacht hat.
Hayali begegnet dieser Hass nicht nur digital in vielen sehr grenzüberschreitenden Nachrichten über soziale Medien und andere Kanäle, sondern auch ganz offen auf der Straße.
Sie geht offensiv damit um, versucht Kontakt zu den Menschen herzustellen und mit ihnen zu reden.
Auch Hayali hat dabei ihre Grenzen, wenn ihr z.
B.
mit Vergewaltigung, dem Tode oder Deportation gedroht wird.
Gegen diese Art von Hassrede, gegen die es klare Gesetze gibt, geht auch sie auf juristischem Wege vor oder/ und blockiert die Absender*innen auf ihren Profilen.
Trotzdem lässt sie die Frage nicht los, was genau solch starken Hass bei Menschen auslöst.
Warum Menschen, die sich für andere und ihre Rechte engagieren, als „Gutmenschen“ verhöhnt werden, während die Hater*innen, die meist nichts tun, außer zu kritisieren und Angst zu erzeugen, immer größeren Zuspruch erfahren.
In den Perspektiven-Projekten des JFF geht es immer wieder auch um die Frage, wo die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Beleidigung bzw.
Hassrede verläuft.
Hayali bezieht hier klar Stellung, und ihre Argumentation kann man gut mit Jugendlichen diskutieren.
„Aber wer sich rassistisch äußert, ist – verdammt noch mal – ein Rassist.
(…) Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber nun mal kein Alibi für menschenfeindliche Äußerungen, rassistische Beleidigungen, persönliche Verunglimpfungen und pure Lügen.
“
Ihre Strategie gegen diese Entwicklungen ist der lange Weg des Einander Zuhörens, Diskutierens, des Perspektivwechsels und der Empathie.
Auch bei radikalen Meinungen interessiert sie: Wie kam es dazu, dass diese Meinung sich bilden konnte? Nicht, um etwas zu entschuldigen, sondern um einen Austausch untereinander anzuregen, der im besten Falle dem Hass den Wind aus den Segeln nimmt, denn je mehr Hassrede es gebe, umso normaler werde sie und umso etablierter die Parteien und Menschen, die mit ihr argumentierten.
Im dritten Kapitel „Tatsachen“ führt Hayalinoch einmal verschiedene Fakten zu Migration und Flucht zusammen.
Die mehr als 19 Millionen Menschen mit Migrationskontext, die in Deutschland leben, stehen im Kontrast zu der Vorstellung vieler, die sich hartnäckig hält und sogar wächst, dass ‚fremde‘ Menschen nicht zu uns passen und wenn überhaupt, dann nur eine begrenzte Zeit hier sein sollten.
Im abschließenden Kapitel „Hoffnung“ stellt Hayali fest, dass eine geschlossene Gesellschaft, wie viele, die sich um ‚ihre Heimat‘ sorgen, sie fordern, nicht mit Demokratie und Rechtsgleichheit vereinbar ist.
Stattdessen spricht sie sich dafür aus, in Migrant*innen und Geflüchteten auch einen Teil der Lösung unserer Probleme – wie z.
B.
des Fachkräftemangels in vielen Bereichen – zu sehen.
Das Problem sei dabei folgendes: „Wir haben einen großen Bedarf an ins Land kommenden Arbeitskräften, aber zu wenig legale Zuwanderungswege für Nicht-EU-Bürger.
“ Noch ein anderer Punkt ist Hayali dabei sehr wichtig: „Das heißt natürlich auch, dass wir von denen, die zu uns kommen, verlangen können und müssen, dass sie sich mit uns, unseren Gepflogenheiten, unserer Geschichte, unserer Kultur, unseren Regeln auseinandersetzen.
Ich erwarte von niemandem, dass er sich einfach nur assimiliert, dass er seine Religion oder seine Kultur aufgibt – warum auch? Es geht hier nicht um ‚Entweder-oder‘, es geht vielmehr um ‚Sowohl-als-auch‘.
“
Das Buch bringt viele Gedanken bei den Lesenden in Gang und kommt mit einem starken Aufruf zum Haltung-Haben zum Abschluss.
Haltung als grundsätzliche Sicht auf die Dinge, als „Geländer“, also auch als Hilfe, kritisch auf sich selbst zu sehen.
Auch hierin zeigt sich ein sehr guter Ansatzpunkt, um mit Heranwachsenden ins Gespräch zu kommen – was ist eine Haltung, wofür brauchen wir sie, wie gehen wir mit der Haltung anderer um und wie äußern wir unsere eigene? Zusammengefasst ist Hayalis Buch für jede*n geeignet, die*der in Deutschland lebt, und noch mehr für jene, die inhaltlich mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Werte (digital und analog) arbeiten.
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