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Evaluation von Sensibilitätsstörungen nach Kieferumstellungsosteotomien – eine 1-jährige Longitudinalstudie

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Hintergrund: Postoperativ auftretende Sensibilitätsstörungen entsprechen der häufigsten Komplikation nach Kieferumstellungsosteotomien. Gerade weil es sich dabei um elektive Eingriffe handelt, muss diesbezüglich eine umfassende Risikoaufklärung erfolgen. Die in der Literatur angegebenen Prävalenzen variieren stark. Zudem gibt es gerade zu den enoralen Subarealen nur vereinzelt Publikationen. Daher war das Ziel dieser retrospektiven Studie detaillierte Kenntnisse über das Ausmaß der sensorischen Veränderungen für die an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main (MKPG-Klinik des UKF) angewandten Operationstechniken zu erlangen. Patientenkollektiv und Methodik: Evaluiert wurden die Daten von insgesamt 170 Patienten, die im Zeitraum von Januar 2018 bis Dezember 2021 an der MKPG-Klinik des UKF Kieferumstellungsosteotomien im Sinne einer Le-Fort-I-Osteotomie und/oder einer beidseitigen sagittalen Spaltungsosteotomie nach Obwegeser/Dal Pont (BSSO) unterzogen wurden. 29 dieser Patienten wurden in die statistische Auswertung eingeschlossen. Extraoral wurden die Innervationsgebiete des Nervus infraorbitalis, Nervus zygomaticus Ramus zygomaticofacialis, Nervus buccalis und Nervus mentalis untersucht. Enoral erfolgte die Analyse der Innervationsgebiete des Nervus nasopalatinus, Nervus palatinus major und Nervus lingualis. Bei der Datenauswertung wurden die Risikofaktoren Patientenalter, Raucherstatus, Seitenlokalisation sowie Verlagerungsrichtung des Unterkiefers berücksichtigt. Die Diagnostik der Sensibilitätsstörungen erfolgte mittels subjektiver Patientenberichte sowie neurosensorischer Testung (Berührungsempfindung, Spitz-Stumpf-Diskrimination, Zweipunkt-Dis-krimination) über einen einjährigen Beobachtungszeitraum. Ergebnisse: Die seitenbezogenen Prävalenzen für postoperativ aufgetretene Sensibilitätsstörungen betrugen nach Le-Fort-I-Osteotomie kumuliert für alle untersuchten en- und extraoralen Innervationsgebiete im Oberkiefer 82 % nach einer Woche, 78 % nach drei Wochen, 64 % nach sechs Wochen, 50 % nach drei Monaten, 28 % nach sechs Monaten und 14 % nach zwölf Monaten. Nach BSSO im Unterkiefer beliefen sich die postoperativ aufgetretenen Sensibilitätsstörungen kumuliert für alle untersuchten en- und extraoralen Innervationsgebiete auf 81 % nach einer Woche, 66 % nach drei Wochen, 59 % nach sechs Wochen, 48 % nach drei Monaten, 26 % nach sechs Monaten und 21 % nach zwölf Monaten. Im Regenerationsverlauf konnte für Ober- und Unterkiefer ein signifikanter Un- terschied (p < 0,001) hinsichtlich der Prävalenzen zu Untersuchungsbeginn und -ende festgestellt werden. Nach Le-Fort-I-Osteotomie persistierten Sensibilitätsstörungen bei rund 10 % der Seiten im Bereich des Hartgaumens und rund 5 % der Seiten im Bereich der Oberlippe. Nach BSSO persistierten Sensibilitätsstörungen bei rund 20 % der Seiten im Bereich des zentralen Kinns, rund 15 % der Seiten im Bereich der Unterlippe und rund 5 % der Seiten im Bereich der Zunge. Höheres Alter korrelierte signifikant mit einem verlangsamten Regenerationsverlauf. Positiver Raucherstatus setzte das Regenerationspotenzial herab und zeigte einen signifikanten Zusammenhang zu persistierenden Sensibilitätsstörungen. Eine Vorverlagerung des Unterkiefers zeigte im Vergleich zu anderen Verlagerungsrichtungen ein 2,66-mal höheres Risiko, dass Sensibilitätsstörungen persis- tierten. Fazit: Das Patientenkollektiv dieser retrospektiven Studie wies direkt postoperativ bei mehr als 80 % der operierten Seiten Sensibilitätsstörungen auf, die sich größtenteils innerhalb eines Jahres rückbildeten. Ein erhöhtes Risiko für persistierende Sensibilitätsstörungen zeigte sich insbesondere bei positivem Raucherstatus sowie bei Unterkiefervorverlagerung. Die detaillierte Analyse der Sensibilitätsstörungen im Rahmen dieser Arbeit lässt vermuten, dass diese nach Le-Fort-I-Osteotomie oder BSSO öfter auftreten und länger anhalten könnten, als bisher angenommen wurde. Infolgedessen ist eine umfassende Patientenaufklärung bezüglich postoperativ auftretender Sensibilitätsstörungen für die an der MKPG-Klinik des UKF angewandten Operationstechniken weiterhin erforderlich. Zur Gewährleistung einer objektiven Bewertung ist eine umfängliche und vollständige Datenerhebung mittels prospektiver Studien unerlässlich. Hierbei sollten auch die bislang wenig untersuchten enoralen Subareale Berücksichtigung finden.
University Library J. C. Senckenberg
Title: Evaluation von Sensibilitätsstörungen nach Kieferumstellungsosteotomien – eine 1-jährige Longitudinalstudie
Description:
Hintergrund: Postoperativ auftretende Sensibilitätsstörungen entsprechen der häufigsten Komplikation nach Kieferumstellungsosteotomien.
Gerade weil es sich dabei um elektive Eingriffe handelt, muss diesbezüglich eine umfassende Risikoaufklärung erfolgen.
Die in der Literatur angegebenen Prävalenzen variieren stark.
Zudem gibt es gerade zu den enoralen Subarealen nur vereinzelt Publikationen.
Daher war das Ziel dieser retrospektiven Studie detaillierte Kenntnisse über das Ausmaß der sensorischen Veränderungen für die an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main (MKPG-Klinik des UKF) angewandten Operationstechniken zu erlangen.
Patientenkollektiv und Methodik: Evaluiert wurden die Daten von insgesamt 170 Patienten, die im Zeitraum von Januar 2018 bis Dezember 2021 an der MKPG-Klinik des UKF Kieferumstellungsosteotomien im Sinne einer Le-Fort-I-Osteotomie und/oder einer beidseitigen sagittalen Spaltungsosteotomie nach Obwegeser/Dal Pont (BSSO) unterzogen wurden.
29 dieser Patienten wurden in die statistische Auswertung eingeschlossen.
Extraoral wurden die Innervationsgebiete des Nervus infraorbitalis, Nervus zygomaticus Ramus zygomaticofacialis, Nervus buccalis und Nervus mentalis untersucht.
Enoral erfolgte die Analyse der Innervationsgebiete des Nervus nasopalatinus, Nervus palatinus major und Nervus lingualis.
Bei der Datenauswertung wurden die Risikofaktoren Patientenalter, Raucherstatus, Seitenlokalisation sowie Verlagerungsrichtung des Unterkiefers berücksichtigt.
Die Diagnostik der Sensibilitätsstörungen erfolgte mittels subjektiver Patientenberichte sowie neurosensorischer Testung (Berührungsempfindung, Spitz-Stumpf-Diskrimination, Zweipunkt-Dis-krimination) über einen einjährigen Beobachtungszeitraum.
Ergebnisse: Die seitenbezogenen Prävalenzen für postoperativ aufgetretene Sensibilitätsstörungen betrugen nach Le-Fort-I-Osteotomie kumuliert für alle untersuchten en- und extraoralen Innervationsgebiete im Oberkiefer 82 % nach einer Woche, 78 % nach drei Wochen, 64 % nach sechs Wochen, 50 % nach drei Monaten, 28 % nach sechs Monaten und 14 % nach zwölf Monaten.
Nach BSSO im Unterkiefer beliefen sich die postoperativ aufgetretenen Sensibilitätsstörungen kumuliert für alle untersuchten en- und extraoralen Innervationsgebiete auf 81 % nach einer Woche, 66 % nach drei Wochen, 59 % nach sechs Wochen, 48 % nach drei Monaten, 26 % nach sechs Monaten und 21 % nach zwölf Monaten.
Im Regenerationsverlauf konnte für Ober- und Unterkiefer ein signifikanter Un- terschied (p < 0,001) hinsichtlich der Prävalenzen zu Untersuchungsbeginn und -ende festgestellt werden.
Nach Le-Fort-I-Osteotomie persistierten Sensibilitätsstörungen bei rund 10 % der Seiten im Bereich des Hartgaumens und rund 5 % der Seiten im Bereich der Oberlippe.
Nach BSSO persistierten Sensibilitätsstörungen bei rund 20 % der Seiten im Bereich des zentralen Kinns, rund 15 % der Seiten im Bereich der Unterlippe und rund 5 % der Seiten im Bereich der Zunge.
Höheres Alter korrelierte signifikant mit einem verlangsamten Regenerationsverlauf.
Positiver Raucherstatus setzte das Regenerationspotenzial herab und zeigte einen signifikanten Zusammenhang zu persistierenden Sensibilitätsstörungen.
Eine Vorverlagerung des Unterkiefers zeigte im Vergleich zu anderen Verlagerungsrichtungen ein 2,66-mal höheres Risiko, dass Sensibilitätsstörungen persis- tierten.
Fazit: Das Patientenkollektiv dieser retrospektiven Studie wies direkt postoperativ bei mehr als 80 % der operierten Seiten Sensibilitätsstörungen auf, die sich größtenteils innerhalb eines Jahres rückbildeten.
Ein erhöhtes Risiko für persistierende Sensibilitätsstörungen zeigte sich insbesondere bei positivem Raucherstatus sowie bei Unterkiefervorverlagerung.
Die detaillierte Analyse der Sensibilitätsstörungen im Rahmen dieser Arbeit lässt vermuten, dass diese nach Le-Fort-I-Osteotomie oder BSSO öfter auftreten und länger anhalten könnten, als bisher angenommen wurde.
Infolgedessen ist eine umfassende Patientenaufklärung bezüglich postoperativ auftretender Sensibilitätsstörungen für die an der MKPG-Klinik des UKF angewandten Operationstechniken weiterhin erforderlich.
Zur Gewährleistung einer objektiven Bewertung ist eine umfängliche und vollständige Datenerhebung mittels prospektiver Studien unerlässlich.
Hierbei sollten auch die bislang wenig untersuchten enoralen Subareale Berücksichtigung finden.

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