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„Massendinghaltung“ oder „Big Data“?

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Zusammenfassung Im vorgelegten Beitrag wird eine kritische Haltung der theoretisch orientierten Archäologie gegenüber großen Objektsammlungen und deren Auswertungen beleuchtet, die der deutschsprachigen Archäologie unter dem Begriff „Massendinghaltung“ seit einer Tagung mit dem Titel „Massendinghaltung in der Archäologie“ vom 23.–25.5.2013 bekannt ist. Der kritischen bis ablehnenden Haltung gegenüber werden im Beitrag fünf Beispiele einer Datensammlung aus der Römischen Kaiserzeit gegenübergestellt, die nur aufgrund umfangreicher Materialkollektionen analysiert werden konnten. So sind es zunächst verkupferte Eisenobjekte, bei denen sich zu zwei bereits bekannten Gürteldosen noch eine Fibel A VII sowie ein kleiner Eimerberlock gesellen. Sie zeigen, dass Verkupfern auch germanischen Feinschmieden möglich war. Eine Aufnahme von versteinerten Seeigeln (Echiniten) zeigt, dass solche recht seltenen Fundobjekte bislang nicht bearbeitet wurden, da sie als wenig wertvoll erscheinen und der Rechercheaufwand für diese Objekte als zu hoch angesehen werden dürfte. Als drittes Beispiel wurden die bereits bearbeiteten Knopfhenkelgefäße ausgesucht. Mit Hilfe einer datenbankgestützten Aufnahme von mittlerweile mehr als 30.000 Grabinventaren sowie weiterer Literaturrecherchen kann das bisherige Fundbild überprüft, ergänzt und gegebenenfalls auch erweitert werden. Als viertes Beispiel werden die häufig vorkommenden Bernsteinfunde vorgestellt. Sieht man von Tempelmann-Mączyńskas Arbeit über Perlen ab, wurde bislang kein Versuch unternommen, diese Objektkategorie überregional zu bearbeiten. Durch ihre Arbeit hatte man bisher einen recht leidlichen Eindruck vom Vorkommen dieser Fundkategorie, insbesondere was Deutschland anging. Die wiederholt geäußerte Ansicht, Bernstein könnten in Brandbestattungen nicht vorkommen, weil sie mit verbrannt wären, stellt sich als Topos dar. Ein deutlicher Schwerpunkt im Elb-Saale-Gebiet zeigt hier eine Region auf, die entweder als Abnehmer früh in Erscheinung treten oder gar als Zwischenhändler für die Zeit ab dem 3. Jahrhundert infrage kommen. Zu guter Letzt sind mittlerweile Dank einer großen Anzahl an Siedlungs- und vor allem Gräberfeldpublikationen statistische Auswertungen zu Bevölkerungsgrößen und demographischen Veränderungen möglich, wie an den zwei Beispielen des östlichen Holsteins und der Altmark illustriert werden kann. Umfangreiche Publikationen von Datensammlungen sind mittlerweile allgegenwärtig in der Archäologie. Neben Museen, die Teile ihrer Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich machen, sind auch zahlreiche spezialisierte Datenbanken, etwa zu Terra sigillaten oder Münzen, online zugänglich. In einigen Ländern, wie z. B. Norwegen, wird systematisch ein großer Teil der archäologischen Funde in einer Online-Datenbank zur weiteren Verwertung publiziert. Das automatisierte Auswerten großer unsortierter Datenmengen, das mit dem Begriff Big Data verbunden ist, wurde bereits mehrfach sinnvoll eingesetzt, wie das NEOMINE-Projekt oder das Projekt „ancient places“ der Alphabet Inc. zeigt. Eine pauschale Ablehnung großer Objekt- und Datensammlungen bleibt angesichts der Möglichkeiten und vor allem in den Naturwissenschaften bereits etablierten Methoden unverständlich und sollte zugunsten eines objektiveren und natürlich nicht unkritischen Blicks auf neue Forschungsmethoden überdacht werden.
Title: „Massendinghaltung“ oder „Big Data“?
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Zusammenfassung Im vorgelegten Beitrag wird eine kritische Haltung der theoretisch orientierten Archäologie gegenüber großen Objektsammlungen und deren Auswertungen beleuchtet, die der deutschsprachigen Archäologie unter dem Begriff „Massendinghaltung“ seit einer Tagung mit dem Titel „Massendinghaltung in der Archäologie“ vom 23.
–25.
5.
2013 bekannt ist.
Der kritischen bis ablehnenden Haltung gegenüber werden im Beitrag fünf Beispiele einer Datensammlung aus der Römischen Kaiserzeit gegenübergestellt, die nur aufgrund umfangreicher Materialkollektionen analysiert werden konnten.
So sind es zunächst verkupferte Eisenobjekte, bei denen sich zu zwei bereits bekannten Gürteldosen noch eine Fibel A VII sowie ein kleiner Eimerberlock gesellen.
Sie zeigen, dass Verkupfern auch germanischen Feinschmieden möglich war.
Eine Aufnahme von versteinerten Seeigeln (Echiniten) zeigt, dass solche recht seltenen Fundobjekte bislang nicht bearbeitet wurden, da sie als wenig wertvoll erscheinen und der Rechercheaufwand für diese Objekte als zu hoch angesehen werden dürfte.
Als drittes Beispiel wurden die bereits bearbeiteten Knopfhenkelgefäße ausgesucht.
Mit Hilfe einer datenbankgestützten Aufnahme von mittlerweile mehr als 30.
000 Grabinventaren sowie weiterer Literaturrecherchen kann das bisherige Fundbild überprüft, ergänzt und gegebenenfalls auch erweitert werden.
Als viertes Beispiel werden die häufig vorkommenden Bernsteinfunde vorgestellt.
Sieht man von Tempelmann-Mączyńskas Arbeit über Perlen ab, wurde bislang kein Versuch unternommen, diese Objektkategorie überregional zu bearbeiten.
Durch ihre Arbeit hatte man bisher einen recht leidlichen Eindruck vom Vorkommen dieser Fundkategorie, insbesondere was Deutschland anging.
Die wiederholt geäußerte Ansicht, Bernstein könnten in Brandbestattungen nicht vorkommen, weil sie mit verbrannt wären, stellt sich als Topos dar.
Ein deutlicher Schwerpunkt im Elb-Saale-Gebiet zeigt hier eine Region auf, die entweder als Abnehmer früh in Erscheinung treten oder gar als Zwischenhändler für die Zeit ab dem 3.
 Jahrhundert infrage kommen.
Zu guter Letzt sind mittlerweile Dank einer großen Anzahl an Siedlungs- und vor allem Gräberfeldpublikationen statistische Auswertungen zu Bevölkerungsgrößen und demographischen Veränderungen möglich, wie an den zwei Beispielen des östlichen Holsteins und der Altmark illustriert werden kann.
Umfangreiche Publikationen von Datensammlungen sind mittlerweile allgegenwärtig in der Archäologie.
Neben Museen, die Teile ihrer Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich machen, sind auch zahlreiche spezialisierte Datenbanken, etwa zu Terra sigillaten oder Münzen, online zugänglich.
In einigen Ländern, wie z.
 B.
Norwegen, wird systematisch ein großer Teil der archäologischen Funde in einer Online-Datenbank zur weiteren Verwertung publiziert.
Das automatisierte Auswerten großer unsortierter Datenmengen, das mit dem Begriff Big Data verbunden ist, wurde bereits mehrfach sinnvoll eingesetzt, wie das NEOMINE-Projekt oder das Projekt „ancient places“ der Alphabet Inc.
zeigt.
Eine pauschale Ablehnung großer Objekt- und Datensammlungen bleibt angesichts der Möglichkeiten und vor allem in den Naturwissenschaften bereits etablierten Methoden unverständlich und sollte zugunsten eines objektiveren und natürlich nicht unkritischen Blicks auf neue Forschungsmethoden überdacht werden.

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