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nachgefragt Prof. Dr. Gabi Reinmann Universität der Bundeswehr München

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Lernen 2.0 – Zukunftsmusik oder nur leeres Schlagwort? ‚E-Learning‘ und Co. sind mittlerweile in aller Munde und bleiben doch recht unbestimmt. Was genau ist E-Learning eigentlich? Welche Erkenntnisse und welche praktischen Bemühungen gibt es dazu bereits, wo gibt es Schwierigkeiten mit dem‚digitalen Lernen’ und was können wir in Zukunft erwarten? Prof. Dr. Gabi Reinmann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema E-Learning/Blended Learning und Wissensmanagement in Schule, Hochschule, Non-Prof it-Bereich und Wirtschaft. Inmerz gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit, erklärt, was E-Learning für sie bedeutet und warum derBegriff vielleicht doch kein so guter ist. merz Blended Learning, Computer Based Training, Serious Gaming – was vor wenigen Jahr(zehnt)en noch recht exotisch war, scheint heute alltäglich. Viele Verlage, Einrichtungen, auch Schulen haben ‚digitales Lernen’ im Programm. Doch bleibt oft unklar, was im Einzelfall dahinter steckt. Wo positionieren Sie sich in diesem Feld, was ist für Sie ‚echtes’ E-Learning und was halten Sie von der rasanten Entwicklung? Reinmann Leider zeigt sich zunehmend, dass der an sich recht einfache Begriff ‚E-Learning‘ – also Lernen mit elektronischen bzw. digitalen Medien – offenbar ungünstig gewählt ist. Das wird umso deutlicher, je mehr Computer und Internet zu alltäglichen, selbstverständlichen Werkzeugen im Informations- und Kommunikationsverhalten werden. Da auch beim Lernen Informationen aufgenommen werden und kommuniziert wird, spielen digitale Medien inzwischen in irgendeiner Form auch beim Lernen und Lehren meist eine Rolle: CDs, DVDs und das Internet dienen als Informationsträger und -vermittler, wir verständigen uns via E-Mail, Chat und in sozialen Netzwerken, suchen Informationen ohnehin vor allem online und so weiter. Das hat man früher als Novum empfunden, das ist heute in vielen Kontexten üblich. Würde man das noch als ELearning bezeichnen, müsste man in der Schule auch vom Tafellernen oder an der Hochschule von PowerPoint-Lernen sprechen. Ist also nur komplett virtuelles Lernen ‚echtes‘ E-Learning? Letztlich sind diese Fragen müßig: Es geht darum, geeignete Medien für didaktische Szenarien zu finden, die der Zielgruppe, der Lehr-Lernsituation und dem Gegenstand gerecht werden. Nicht das Tempo der technischen Entwicklung ist dabei entscheidend, sondern die didaktische Kompetenz, Entscheidung und Gestaltung. merz In Fortbildungseinrichtungen, bei freien Trägern und in Universitäten hat E-Learninglängst Einzug gehalten. Aber gerade Schulen, mit die wichtigsten Bildungseinrichtungen, scheinenhinterher zu hinken. Häufig fehlen selbst Beamer oder Computerräume, dazu kommen Lehrkräftemit wenig Affinität zu neuen Medien – haben Schulen so überhaupt die Chance, mitzuhalten? Welche Ansätze gibt es, was würden Sie sich wünschen? Reinmann Ich glaube nicht, dass die digitalen Medien das eigentliche Problem bzw. die zentraleHerausforderung sind, sondern die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer, die Organisation desLernens und – wie gesagt – die Didaktik. Schule bewegt sich in einem engen Korsett, an demalle möglichen Interessensgruppen zerren, die permanent neue Ansprüche anmelden. Dieses Problem löst man nicht durch Medieneinsatz. Medien machen Unterricht nicht besser, wennes keine didaktischen Ideen und die Chance gibt, diese umzusetzen. Ich würde mir daher wünschen, dass man den Druck von Schulen nimmt, sie experimentieren lässt und sie berät und unterstützt, sich didaktisch zu erneuern. Dann kommt man vielleicht ganz nebenbei auch darauf, wie man sich mit digitalen Medien manche Prozesse erleichtern und andere ganz neu aufziehen kann. merz Eine Möglichkeit, im Unterricht mit neuen Medien zu arbeiten, ist das Angebot Tech Pi und Mali Bu (www.techpi-und-malibu.de), das Sie wissenschaftlich begleiten. Wie funktioniert dieses Angebot und wie wird es bisher angenommen? Reinmann Die Grundidee hinter Tech Pi undMali Bu besteht darin, dass speziell in der Grundschule das Erzählen ein didaktischer Anker ist, der wenig genutzt wird. Tech Pi und Mali Bu sind außergewöhnliche Protagonisten, die Abenteuer erleben und sich so als Merk-, Vernetzungs- und Motivationsfiguren für den Unterricht anbieten. Aktuell gibt es drei Geschichten zu Lehrplan-Themen sowie Online-Werkzeuge, mit denen die Kinder selbst aktiv werden können: Sie können etwa die Geschichten anhalten und mündlich oder schriftlich kommentieren und verschiedene,von der Lehrkraft individuell zusammengestellte Aufgaben bearbeiten. Wir haben bereits einigeKlassen bei der Arbeit mit der Umgebung beobachtet und festgestellt, dass sich Kinder mit Eiferm auf dieses Lernangebot einlassen, dass es aber besonders auf das Geschick des Lehrenden ankommt, welche Wirkungen erzielt werden. Dies bestätigt meine obige Anmerkungen, dass wir uns allem voran auf didaktische Kompetenzen und Szenarien konzentrieren müssen. merz Von den Schulen zurück an die Universität: Wie sieht der ‚nächste Schritt’ Ihrer Beschäftigung mit dem Themenfeld aus? Welche Projekte und Ideen verfolgen Sie gerade, wasbringt uns die ‚Zukunft des E-Learning’ auf der wissenschaftlichen Seite? Reinmann Mich inspirieren digitale Medien – ob Web 1.0 oder Web 2.0 – oft zu neuen didaktischen Szenarien und zwar in Kombination mit Gegenstand und Zielgruppe: Was ist fürwen unter welchen Bedingungen geeignet und sinnvoll? Es gibt so unendlich viele Möglichkeitendes Medieneinsatzes, dass einseitige Vorstellungen von dem E-Learning ausgesprochen hinderlich sind. Genau das aufzulösen muss ein Ziel der nächsten Jahre sein. Projekte, die wir gerade verfolgen, drehen sich etwa um den Einsatz digitaler Medien im Qualifizierungssystem des organisierten Sports und in der Ausbildung von Fahrlehrerinnen und -lehrern. Das sind Gegenstandsbereiche, die sich stark von den Inhalten und Zielen in Schule und Hochschule unterscheiden. Entsprechend anders gestalten sich die Möglichkeiten, mit digitalen Medien Lernen und Lehren zu unterstützen oder in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Mankann viel über das Lernen mit digitalen Medien an sich erfahren, wenn man so unterschiedlicheKontexte aufsucht, dort mediengestützte Szenarien erprobt und untersucht und die Erfahrungentheoretisch aufarbeitet. Diese Form von Bildungsforschung als Entwicklungsforschung aber ist noch unterbelichtet. Es ist eines meiner Ziele zu zeigen, dass wir gerade auch solche Forschung brauchen, um die Bildungspraxis – mit oder ohne digitale Medien – zu verbessern.
Title: nachgefragt Prof. Dr. Gabi Reinmann Universität der Bundeswehr München
Description:
Lernen 2.
0 – Zukunftsmusik oder nur leeres Schlagwort? ‚E-Learning‘ und Co.
sind mittlerweile in aller Munde und bleiben doch recht unbestimmt.
Was genau ist E-Learning eigentlich? Welche Erkenntnisse und welche praktischen Bemühungen gibt es dazu bereits, wo gibt es Schwierigkeiten mit dem‚digitalen Lernen’ und was können wir in Zukunft erwarten? Prof.
Dr.
Gabi Reinmann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema E-Learning/Blended Learning und Wissensmanagement in Schule, Hochschule, Non-Prof it-Bereich und Wirtschaft.
Inmerz gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit, erklärt, was E-Learning für sie bedeutet und warum derBegriff vielleicht doch kein so guter ist.
merz Blended Learning, Computer Based Training, Serious Gaming – was vor wenigen Jahr(zehnt)en noch recht exotisch war, scheint heute alltäglich.
Viele Verlage, Einrichtungen, auch Schulen haben ‚digitales Lernen’ im Programm.
Doch bleibt oft unklar, was im Einzelfall dahinter steckt.
Wo positionieren Sie sich in diesem Feld, was ist für Sie ‚echtes’ E-Learning und was halten Sie von der rasanten Entwicklung? Reinmann Leider zeigt sich zunehmend, dass der an sich recht einfache Begriff ‚E-Learning‘ – also Lernen mit elektronischen bzw.
digitalen Medien – offenbar ungünstig gewählt ist.
Das wird umso deutlicher, je mehr Computer und Internet zu alltäglichen, selbstverständlichen Werkzeugen im Informations- und Kommunikationsverhalten werden.
Da auch beim Lernen Informationen aufgenommen werden und kommuniziert wird, spielen digitale Medien inzwischen in irgendeiner Form auch beim Lernen und Lehren meist eine Rolle: CDs, DVDs und das Internet dienen als Informationsträger und -vermittler, wir verständigen uns via E-Mail, Chat und in sozialen Netzwerken, suchen Informationen ohnehin vor allem online und so weiter.
Das hat man früher als Novum empfunden, das ist heute in vielen Kontexten üblich.
Würde man das noch als ELearning bezeichnen, müsste man in der Schule auch vom Tafellernen oder an der Hochschule von PowerPoint-Lernen sprechen.
Ist also nur komplett virtuelles Lernen ‚echtes‘ E-Learning? Letztlich sind diese Fragen müßig: Es geht darum, geeignete Medien für didaktische Szenarien zu finden, die der Zielgruppe, der Lehr-Lernsituation und dem Gegenstand gerecht werden.
Nicht das Tempo der technischen Entwicklung ist dabei entscheidend, sondern die didaktische Kompetenz, Entscheidung und Gestaltung.
merz In Fortbildungseinrichtungen, bei freien Trägern und in Universitäten hat E-Learninglängst Einzug gehalten.
Aber gerade Schulen, mit die wichtigsten Bildungseinrichtungen, scheinenhinterher zu hinken.
Häufig fehlen selbst Beamer oder Computerräume, dazu kommen Lehrkräftemit wenig Affinität zu neuen Medien – haben Schulen so überhaupt die Chance, mitzuhalten? Welche Ansätze gibt es, was würden Sie sich wünschen? Reinmann Ich glaube nicht, dass die digitalen Medien das eigentliche Problem bzw.
die zentraleHerausforderung sind, sondern die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer, die Organisation desLernens und – wie gesagt – die Didaktik.
Schule bewegt sich in einem engen Korsett, an demalle möglichen Interessensgruppen zerren, die permanent neue Ansprüche anmelden.
Dieses Problem löst man nicht durch Medieneinsatz.
Medien machen Unterricht nicht besser, wennes keine didaktischen Ideen und die Chance gibt, diese umzusetzen.
Ich würde mir daher wünschen, dass man den Druck von Schulen nimmt, sie experimentieren lässt und sie berät und unterstützt, sich didaktisch zu erneuern.
Dann kommt man vielleicht ganz nebenbei auch darauf, wie man sich mit digitalen Medien manche Prozesse erleichtern und andere ganz neu aufziehen kann.
merz Eine Möglichkeit, im Unterricht mit neuen Medien zu arbeiten, ist das Angebot Tech Pi und Mali Bu (www.
techpi-und-malibu.
de), das Sie wissenschaftlich begleiten.
Wie funktioniert dieses Angebot und wie wird es bisher angenommen? Reinmann Die Grundidee hinter Tech Pi undMali Bu besteht darin, dass speziell in der Grundschule das Erzählen ein didaktischer Anker ist, der wenig genutzt wird.
Tech Pi und Mali Bu sind außergewöhnliche Protagonisten, die Abenteuer erleben und sich so als Merk-, Vernetzungs- und Motivationsfiguren für den Unterricht anbieten.
Aktuell gibt es drei Geschichten zu Lehrplan-Themen sowie Online-Werkzeuge, mit denen die Kinder selbst aktiv werden können: Sie können etwa die Geschichten anhalten und mündlich oder schriftlich kommentieren und verschiedene,von der Lehrkraft individuell zusammengestellte Aufgaben bearbeiten.
Wir haben bereits einigeKlassen bei der Arbeit mit der Umgebung beobachtet und festgestellt, dass sich Kinder mit Eiferm auf dieses Lernangebot einlassen, dass es aber besonders auf das Geschick des Lehrenden ankommt, welche Wirkungen erzielt werden.
Dies bestätigt meine obige Anmerkungen, dass wir uns allem voran auf didaktische Kompetenzen und Szenarien konzentrieren müssen.
merz Von den Schulen zurück an die Universität: Wie sieht der ‚nächste Schritt’ Ihrer Beschäftigung mit dem Themenfeld aus? Welche Projekte und Ideen verfolgen Sie gerade, wasbringt uns die ‚Zukunft des E-Learning’ auf der wissenschaftlichen Seite? Reinmann Mich inspirieren digitale Medien – ob Web 1.
0 oder Web 2.
0 – oft zu neuen didaktischen Szenarien und zwar in Kombination mit Gegenstand und Zielgruppe: Was ist fürwen unter welchen Bedingungen geeignet und sinnvoll? Es gibt so unendlich viele Möglichkeitendes Medieneinsatzes, dass einseitige Vorstellungen von dem E-Learning ausgesprochen hinderlich sind.
Genau das aufzulösen muss ein Ziel der nächsten Jahre sein.
Projekte, die wir gerade verfolgen, drehen sich etwa um den Einsatz digitaler Medien im Qualifizierungssystem des organisierten Sports und in der Ausbildung von Fahrlehrerinnen und -lehrern.
Das sind Gegenstandsbereiche, die sich stark von den Inhalten und Zielen in Schule und Hochschule unterscheiden.
Entsprechend anders gestalten sich die Möglichkeiten, mit digitalen Medien Lernen und Lehren zu unterstützen oder in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.
Mankann viel über das Lernen mit digitalen Medien an sich erfahren, wenn man so unterschiedlicheKontexte aufsucht, dort mediengestützte Szenarien erprobt und untersucht und die Erfahrungentheoretisch aufarbeitet.
Diese Form von Bildungsforschung als Entwicklungsforschung aber ist noch unterbelichtet.
Es ist eines meiner Ziele zu zeigen, dass wir gerade auch solche Forschung brauchen, um die Bildungspraxis – mit oder ohne digitale Medien – zu verbessern.

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