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Zielkindbezogene Prozessqualität in Kindergärten im Kontext kindspezifischer, familialer und kindergartenbezogener Merkmale

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Seit Mitte der 1990er Jahre wird in Deutschland eine Diskussion über frühpädagogische Qualität in Kindergärten geführt. Zugänge zu pädagogischer Qualität sowie ihre theoretischen Einbettungen können sehr unterschiedlich, zum Teil konkurrierend erfolgen (z. B. relativistischer Zugang, strukturell-prozessualer Zugang, Managementansatz; für eine Übersicht siehe Roux, 2013). In der vorliegenden Arbeit wird auf einen von mehreren im frühpädagogischen Diskurs relevanten Zugang zurückgegriffen. Auf der Grundlage des strukturell-prozessualen Qualitätsmodells kann pädagogische Qualität anhand von folgenden drei Komponenten operationalisiert werden (National Institute of Child Health and Human Development, Early Child Care Research Network (NICHD ECCRN), 2003; Sylva et al., 2004): Prozessmerkmale, Strukturmerkmale und pädagogische Überzeugungen, wobei die Prozessmerkmale die zentrale Komponente darstellen (Kluczniok & Roßbach, 2014). Prozessmerkmale werden auf Gruppenebene (Eckhardt & Egert, 2017) oder auf der Ebene des einzelnen Kindes, der sog. Zielkindebene (NICHD ECCRN, 2002b; Smidt, 2012; für eine Gegenüberstellung siehe Schmidt, Smidt, Kluczniok & Riedmeier, 2018), erfasst. Ausgehend von einem Defizit an Untersuchungen zu zielkindbezogener Prozessqualität in Kindergärten wird in der vorliegenden Dissertation die zielkindbezogene Prozessqualität im Kontext kindspezifischer, familialer und kindergartenbezogener Merkmale beleuchtet. Die Untersuchungen setzen sich aus drei einzelnen Beiträgen zusammen und basieren auf Daten des DFG-Projekts „Interaktionsqualität von Kindern im Kindergarten“ (Schmidt, Riedmeier & Kluczniok, 2018). Im Rahmen des Projekts konnten über die gesamte Kindergartenzeit hinweg 160 Zielkinder in ihren Interaktionen im Kindergarten beobachtet werden. Zudem konnten Eltern und pädagogische Fachkräfte ergänzend befragt werden. Im ersten konzeptionellen Beitrag wurde eine systematisierende Übersicht über standardisierte Erhebungsinstrumente verfasst, die pädagogische Prozessqualität auf Zielkindebene erfassen. Ziel des Beitrages ist es, anhand eines vergleichenden Überblicks, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der zielkindbezogenen Verfahren herauszuarbeiten und Empfehlungen für ihren Einsatz in der Forschung zu diskutieren (Riedmeier, 2019). In zwei weiteren empirischen Artikeln wurde das Niveau der zielkindbezogenen Interaktionsqualität sowie deren Zusammenhänge mit strukturellen Merkmalen des Kin-dergartens sowie kindspezifischen und familialen Merkmalen analysiert. In Bezug auf das Niveau zielkindbezogener Interaktionsqualität zeigt sich sowohl zu Beginn als auch am Ende der Kindergartenzeit ein unzureichend niedriges Niveau mit Blick auf die pädagogischen Fachkräfte. Die Interaktionsqualität mit Gleichaltrigen steigt zum Ende der Kindergartenzeit zwar an, bleibt aber immer noch im mittleren niedrigen Qualitätsbereich (Mo-lina Ramirez & Linberg, 2021). Mit Blick auf den Zusammenhang von familialen Merkma-len, zielkindbezogener Interaktionsqualität und kindlichen sozialen Fähigkeiten zeigen sich keine signifikanten Zusammenhänge bzw. Unterschiede für verschiedene Kindergruppen. Das bedeutet, dass sich zu Beginn der Kindergartenzeit keine Schereneffekte hinsichtlich der Interaktionsqualität von Kindern, die unterschiedlich hohe Anregungsqualitäten in den verschiedenen Lernumwelten erfahren, finden (Molina Ramirez, 2020). Des Weiteren zeigen Analysen, dass vor allem strukturelle Merkmale der Gruppenzusammensetzung im Kindergarten einen Einfluss auf die zielkindbezogene Interaktionsqualität haben. Während über die Kindergartenzeit in Bezug auf die Interaktionsqualität mit pädagogischen Fachkräften Aspekte der Gruppenzusammensetzung weniger bedeutsam werden und andere Aspekte in den Vordergrund rücken, bleibt der Einfluss der Gruppenzusammensetzung bei der Interaktionsqualität mit Peers weitestgehend stabil. Interessanterweise treten sowohl kindliche als auch weitere familiale Merkmale in den Hintergrund (Molina Ramirez & Linberg, 2021). Ausgehend von diesen Ergebnissen leistet die vorliegende Arbeit wertvolle neue Erkenntnisse zur zielkindbezogenen Prozessqualität.
Universitatsbibliothek Bamberg
Title: Zielkindbezogene Prozessqualität in Kindergärten im Kontext kindspezifischer, familialer und kindergartenbezogener Merkmale
Description:
Seit Mitte der 1990er Jahre wird in Deutschland eine Diskussion über frühpädagogische Qualität in Kindergärten geführt.
Zugänge zu pädagogischer Qualität sowie ihre theoretischen Einbettungen können sehr unterschiedlich, zum Teil konkurrierend erfolgen (z.
B.
relativistischer Zugang, strukturell-prozessualer Zugang, Managementansatz; für eine Übersicht siehe Roux, 2013).
In der vorliegenden Arbeit wird auf einen von mehreren im frühpädagogischen Diskurs relevanten Zugang zurückgegriffen.
Auf der Grundlage des strukturell-prozessualen Qualitätsmodells kann pädagogische Qualität anhand von folgenden drei Komponenten operationalisiert werden (National Institute of Child Health and Human Development, Early Child Care Research Network (NICHD ECCRN), 2003; Sylva et al.
, 2004): Prozessmerkmale, Strukturmerkmale und pädagogische Überzeugungen, wobei die Prozessmerkmale die zentrale Komponente darstellen (Kluczniok & Roßbach, 2014).
Prozessmerkmale werden auf Gruppenebene (Eckhardt & Egert, 2017) oder auf der Ebene des einzelnen Kindes, der sog.
Zielkindebene (NICHD ECCRN, 2002b; Smidt, 2012; für eine Gegenüberstellung siehe Schmidt, Smidt, Kluczniok & Riedmeier, 2018), erfasst.
Ausgehend von einem Defizit an Untersuchungen zu zielkindbezogener Prozessqualität in Kindergärten wird in der vorliegenden Dissertation die zielkindbezogene Prozessqualität im Kontext kindspezifischer, familialer und kindergartenbezogener Merkmale beleuchtet.
Die Untersuchungen setzen sich aus drei einzelnen Beiträgen zusammen und basieren auf Daten des DFG-Projekts „Interaktionsqualität von Kindern im Kindergarten“ (Schmidt, Riedmeier & Kluczniok, 2018).
Im Rahmen des Projekts konnten über die gesamte Kindergartenzeit hinweg 160 Zielkinder in ihren Interaktionen im Kindergarten beobachtet werden.
Zudem konnten Eltern und pädagogische Fachkräfte ergänzend befragt werden.
Im ersten konzeptionellen Beitrag wurde eine systematisierende Übersicht über standardisierte Erhebungsinstrumente verfasst, die pädagogische Prozessqualität auf Zielkindebene erfassen.
Ziel des Beitrages ist es, anhand eines vergleichenden Überblicks, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der zielkindbezogenen Verfahren herauszuarbeiten und Empfehlungen für ihren Einsatz in der Forschung zu diskutieren (Riedmeier, 2019).
In zwei weiteren empirischen Artikeln wurde das Niveau der zielkindbezogenen Interaktionsqualität sowie deren Zusammenhänge mit strukturellen Merkmalen des Kin-dergartens sowie kindspezifischen und familialen Merkmalen analysiert.
In Bezug auf das Niveau zielkindbezogener Interaktionsqualität zeigt sich sowohl zu Beginn als auch am Ende der Kindergartenzeit ein unzureichend niedriges Niveau mit Blick auf die pädagogischen Fachkräfte.
Die Interaktionsqualität mit Gleichaltrigen steigt zum Ende der Kindergartenzeit zwar an, bleibt aber immer noch im mittleren niedrigen Qualitätsbereich (Mo-lina Ramirez & Linberg, 2021).
Mit Blick auf den Zusammenhang von familialen Merkma-len, zielkindbezogener Interaktionsqualität und kindlichen sozialen Fähigkeiten zeigen sich keine signifikanten Zusammenhänge bzw.
Unterschiede für verschiedene Kindergruppen.
Das bedeutet, dass sich zu Beginn der Kindergartenzeit keine Schereneffekte hinsichtlich der Interaktionsqualität von Kindern, die unterschiedlich hohe Anregungsqualitäten in den verschiedenen Lernumwelten erfahren, finden (Molina Ramirez, 2020).
Des Weiteren zeigen Analysen, dass vor allem strukturelle Merkmale der Gruppenzusammensetzung im Kindergarten einen Einfluss auf die zielkindbezogene Interaktionsqualität haben.
Während über die Kindergartenzeit in Bezug auf die Interaktionsqualität mit pädagogischen Fachkräften Aspekte der Gruppenzusammensetzung weniger bedeutsam werden und andere Aspekte in den Vordergrund rücken, bleibt der Einfluss der Gruppenzusammensetzung bei der Interaktionsqualität mit Peers weitestgehend stabil.
Interessanterweise treten sowohl kindliche als auch weitere familiale Merkmale in den Hintergrund (Molina Ramirez & Linberg, 2021).
Ausgehend von diesen Ergebnissen leistet die vorliegende Arbeit wertvolle neue Erkenntnisse zur zielkindbezogenen Prozessqualität.

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