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Daniela Danz: Wildniß. Gedichte. Göttingen: Wallstein Verlag 2020. 86 S.Claudia Gabler: Vom Aufblühen in Vasen. Gedichte. Berlin: Verlagshaus Berlin 2021. 100 S.Esther Kinsky: Schiefern. Gedichte. Berlin: Suhrkamp Verlag 2020. 103 S.

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Die deutsche Gegenwartslyrik scheint einen besonderen Zugang zur Naturlyrik gefunden zu haben. Davon zeugen zahlreiche Publikationen von Autoren wie Ulrike Draesner, Christian Lehnert, Marion Poschmann, Silke Scheuermann und Jan Wagner. Der sehr unterschiedlich verstandene Begriff Naturlyrik soll im Folgenden für Texte angewendet werden, die sehr allgemein einen Verweis auf Natur zeigen. Im Beitrag zu Naturlyrik im von Dieter Lamping herausgegebenen Handbuch Lyrik. Theorie, Analyse, Geschichte plädiert Georg Braungart dafür, Naturlyrik nicht als Gattung, sondern als ,,dynamisch-funktionalen Komplex, der einer ständigen Neubestimmung und Neugestaltung unterworfen ist“ (Stuttgart 2011, 133) anzusehen. Zu diesem Zweck sind in den letzten Jahren viele weitere Begriffe gefunden worden, die versuchen, die Beziehung zwischen Literatur und Natur auf eine andere Weise zu definieren. Mit dem gattungs- und genreübergreifenden Begriff Nature Writing wird fiktionale und nicht-fiktionale Prosa oder Poesie über Landschaft und Natur bezeichnet und umfasst ebenso gut Reiseliteratur, Landschaftskunde so wie auch historische Essays. Nicht alle Autoren akzeptieren diese Sichtweise und es werden Versuche unternommen, weitere Begriffe, die spezifisch für die poetische Produktion sind, zu prägen. Beispiele hierfür sind Begriffe, wie Ökolyrik oder Ecopoetry, die bereits kulturkritische Überlegungen und Aufrufe zum Schutz der Natur erahnen lassen. Heutzutage scheint die entstehende Dynamik zwischen Natur und Wildnis und menschlicher Interferenz in den Fokus des lyrischen Schreibens zu rücken. Die unberührte Natur ist nicht mehr der poetische Gegenstand, sondern das Anthropozän, das menschgemachte Zeitalter, in dem Aspekte der wechselseitigen Beziehung von Mensch zu Umwelt im Mittelpunkt stehen. Die Natur ermöglicht keine Idylle. Die Dichter versuchen eine Sprache zu finden, die dieses lebensspendende und gleichzeitig lebensbedrohliche Verhältnis wiedergeben kann. Vor diesem Hintergrund werden in der vorliegenden Besprechung im Einzelnen die Gedichtbände Schiefern (Suhrkamp 2020) von Esther Kinsky, Wildniß (Wallstein Verlag 2020) von Daniela Danz und Vom Aufblühen in Vasen (Verlagshaus Berlin 2021) von Claudia Gabler, von ihrem Erscheinungsdatum chronologisch geordnet, besprochen. Der größte gemeinsame Nenner ist darin zu sehen, dass alle drei Bücher Natur in Verbindung mit dem Menschen thematisieren. Es ist anti-idyllische Lyrik, in der die Natur Spuren des menschlichen Leids in Form von Ausbeutung, Armut und Not zeigt.
Peter Lang, International Academic Publishers
Title: Daniela Danz: Wildniß. Gedichte. Göttingen: Wallstein Verlag 2020. 86 S.Claudia Gabler: Vom Aufblühen in Vasen. Gedichte. Berlin: Verlagshaus Berlin 2021. 100 S.Esther Kinsky: Schiefern. Gedichte. Berlin: Suhrkamp Verlag 2020. 103 S.
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Die deutsche Gegenwartslyrik scheint einen besonderen Zugang zur Naturlyrik gefunden zu haben.
Davon zeugen zahlreiche Publikationen von Autoren wie Ulrike Draesner, Christian Lehnert, Marion Poschmann, Silke Scheuermann und Jan Wagner.
Der sehr unterschiedlich verstandene Begriff Naturlyrik soll im Folgenden für Texte angewendet werden, die sehr allgemein einen Verweis auf Natur zeigen.
Im Beitrag zu Naturlyrik im von Dieter Lamping herausgegebenen Handbuch Lyrik.
Theorie, Analyse, Geschichte plädiert Georg Braungart dafür, Naturlyrik nicht als Gattung, sondern als ,,dynamisch-funktionalen Komplex, der einer ständigen Neubestimmung und Neugestaltung unterworfen ist“ (Stuttgart 2011, 133) anzusehen.
Zu diesem Zweck sind in den letzten Jahren viele weitere Begriffe gefunden worden, die versuchen, die Beziehung zwischen Literatur und Natur auf eine andere Weise zu definieren.
Mit dem gattungs- und genreübergreifenden Begriff Nature Writing wird fiktionale und nicht-fiktionale Prosa oder Poesie über Landschaft und Natur bezeichnet und umfasst ebenso gut Reiseliteratur, Landschaftskunde so wie auch historische Essays.
Nicht alle Autoren akzeptieren diese Sichtweise und es werden Versuche unternommen, weitere Begriffe, die spezifisch für die poetische Produktion sind, zu prägen.
Beispiele hierfür sind Begriffe, wie Ökolyrik oder Ecopoetry, die bereits kulturkritische Überlegungen und Aufrufe zum Schutz der Natur erahnen lassen.
Heutzutage scheint die entstehende Dynamik zwischen Natur und Wildnis und menschlicher Interferenz in den Fokus des lyrischen Schreibens zu rücken.
Die unberührte Natur ist nicht mehr der poetische Gegenstand, sondern das Anthropozän, das menschgemachte Zeitalter, in dem Aspekte der wechselseitigen Beziehung von Mensch zu Umwelt im Mittelpunkt stehen.
Die Natur ermöglicht keine Idylle.
Die Dichter versuchen eine Sprache zu finden, die dieses lebensspendende und gleichzeitig lebensbedrohliche Verhältnis wiedergeben kann.
Vor diesem Hintergrund werden in der vorliegenden Besprechung im Einzelnen die Gedichtbände Schiefern (Suhrkamp 2020) von Esther Kinsky, Wildniß (Wallstein Verlag 2020) von Daniela Danz und Vom Aufblühen in Vasen (Verlagshaus Berlin 2021) von Claudia Gabler, von ihrem Erscheinungsdatum chronologisch geordnet, besprochen.
Der größte gemeinsame Nenner ist darin zu sehen, dass alle drei Bücher Natur in Verbindung mit dem Menschen thematisieren.
Es ist anti-idyllische Lyrik, in der die Natur Spuren des menschlichen Leids in Form von Ausbeutung, Armut und Not zeigt.

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