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Böden als Grünlandstandorte
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Zonales Grünland der Steppen und Savannen kommt auf etwa einem Viertel der Landoberfläche vor und stellt das flächenmäßig bedeutendste Biom dar. In vielen Ländern wurde das natürliche Grünland wegen der vorzüglichen Eignung seiner typischen Böden (u. a. die Chernozome, Kastanozem der Steppen) durch den Ackerbau ersetzt und anthropogenes Grünland als Ersatzgesellschaft der Wälder geschaffen. Dadurch treten in den Standortsvoraussetzungen zwischen natürlichem und anthropogenem Grünland, v. a. in der klimatischen Wasserbilanz, erhebliche Unterschiede auf. Die Bedeutung des anthropogenen Grünlandes liegt in seiner intensiven Nutzung, während das natürliche Grünland wegen der flächenhaft immer noch großen Verbreitung für globale Stoffkreisläufe bedeutend ist. Die besonderen Ansprüche des Grünlandes an den Boden und seine Wirkungen auf den Boden resultieren aus dem speziellen Graswachstum mit fortlaufender und rascher Erneuerung aller Pflanzenteile, wodurch es zu einer intensiven Beblätterung und Bewurzelung in der Nähe der Bodenoberfläche kommt. Da der Blattaustrieb besonders sensitiv auf Wassermangel reagiert und gleichzeitig der Wurzelraum wegen der ständigen Erneuerung der Wurzeln physiologisch flachgründig ist, entscheidet oft der Wasserhaushalt über die Produktivität. Die oberflächennahe (ober‐ wie unterirdisch) hohe Biomasseproduktion bestimmt auch die besonderen Wirkungen auf den Boden. Sie ermöglicht eine sehr hohe Artendichte und ‐diversität, die durch die starke horizontale und vertikale Kompartimentierung weiter gefördert wird. Zu dieser Heterogenität trägt auch das Weidetier bei, das Nährstoffe über eine große Fläche konsumiert und – in Kot und Harn separiert – punktuell wieder ausscheidet und auch noch umverteilt. Die große Produktivität und Verbreitung des Grünlandes führt dazu, dass Grünland mehr als ein Drittel des globalen terrestrischen Vorrats an Kohlenstoff speichert. Im Gegensatz zu anderen Vegetationstypen erfolgt dabei die Speicherung vor allem oberflächennah im Boden. Und schließlich sind die oberflächennahe intensive Beblätterung und Bewurzelung entscheidend für den besonders guten Schutz des Bodens unter Grünland, der z. T. ganz bewusst an besonders kritischen Stellen eingesetzt wird, z. B. in Form von Hangbegrünungen oder begrasten Abflussmulden. Daraus folgt auch, dass bei Verlust der schützenden Blätter und Wurzeln, z. B. durch Überweidung oder durch Umbruch, die (Erosions‐)Gefährdung der Böden stark zunimmt. Gleichzeitig kommt es zu einer Entbindung von Kohlenstoff und Nährstoffen, die die Atmosphäre und Hydrosphäre belasten, und zu einem Verlust an Artenzahl und Abundanz, so dass wesentliche Bodenfunktionen beeinträchtigt werden.
Title: Böden als Grünlandstandorte
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Zonales Grünland der Steppen und Savannen kommt auf etwa einem Viertel der Landoberfläche vor und stellt das flächenmäßig bedeutendste Biom dar.
In vielen Ländern wurde das natürliche Grünland wegen der vorzüglichen Eignung seiner typischen Böden (u.
a.
die Chernozome, Kastanozem der Steppen) durch den Ackerbau ersetzt und anthropogenes Grünland als Ersatzgesellschaft der Wälder geschaffen.
Dadurch treten in den Standortsvoraussetzungen zwischen natürlichem und anthropogenem Grünland, v.
a.
in der klimatischen Wasserbilanz, erhebliche Unterschiede auf.
Die Bedeutung des anthropogenen Grünlandes liegt in seiner intensiven Nutzung, während das natürliche Grünland wegen der flächenhaft immer noch großen Verbreitung für globale Stoffkreisläufe bedeutend ist.
Die besonderen Ansprüche des Grünlandes an den Boden und seine Wirkungen auf den Boden resultieren aus dem speziellen Graswachstum mit fortlaufender und rascher Erneuerung aller Pflanzenteile, wodurch es zu einer intensiven Beblätterung und Bewurzelung in der Nähe der Bodenoberfläche kommt.
Da der Blattaustrieb besonders sensitiv auf Wassermangel reagiert und gleichzeitig der Wurzelraum wegen der ständigen Erneuerung der Wurzeln physiologisch flachgründig ist, entscheidet oft der Wasserhaushalt über die Produktivität.
Die oberflächennahe (ober‐ wie unterirdisch) hohe Biomasseproduktion bestimmt auch die besonderen Wirkungen auf den Boden.
Sie ermöglicht eine sehr hohe Artendichte und ‐diversität, die durch die starke horizontale und vertikale Kompartimentierung weiter gefördert wird.
Zu dieser Heterogenität trägt auch das Weidetier bei, das Nährstoffe über eine große Fläche konsumiert und – in Kot und Harn separiert – punktuell wieder ausscheidet und auch noch umverteilt.
Die große Produktivität und Verbreitung des Grünlandes führt dazu, dass Grünland mehr als ein Drittel des globalen terrestrischen Vorrats an Kohlenstoff speichert.
Im Gegensatz zu anderen Vegetationstypen erfolgt dabei die Speicherung vor allem oberflächennah im Boden.
Und schließlich sind die oberflächennahe intensive Beblätterung und Bewurzelung entscheidend für den besonders guten Schutz des Bodens unter Grünland, der z.
T.
ganz bewusst an besonders kritischen Stellen eingesetzt wird, z.
B.
in Form von Hangbegrünungen oder begrasten Abflussmulden.
Daraus folgt auch, dass bei Verlust der schützenden Blätter und Wurzeln, z.
B.
durch Überweidung oder durch Umbruch, die (Erosions‐)Gefährdung der Böden stark zunimmt.
Gleichzeitig kommt es zu einer Entbindung von Kohlenstoff und Nährstoffen, die die Atmosphäre und Hydrosphäre belasten, und zu einem Verlust an Artenzahl und Abundanz, so dass wesentliche Bodenfunktionen beeinträchtigt werden.
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