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Transformativ und überzeugungsgeleitet? Der Governance-Prozess nachhaltiger Mobilitätskonzepte für Neubauquartiere. Eine qualitative Untersuchung autoreduzierter Quartiersentwicklungen

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Seit Jahrzehnten prägen eine auf das Auto ausgerichtete Planung und Politik die Siedlungsentwicklung in Deutschland und manifestieren die Vorrangstellung des Autos nicht nur infrastrukturell, sondern auch institutionell und kulturell. Neben individuellen Vorteilen geht Automobilität jedoch mit negativen Konsequenzen einher, die sich beispielsweise global in Treibhausgasemission sowie lokal in Verkehrsstaus sowie Lärm- und Schadstoffbelastungen äußern. Die sozial-ökologische Transformation des bestehenden Mobilitätssystems ist folglich eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung. Um eine vom Auto unabhängige Mobilität zu ermöglichen, bedarf es einer Innovation der Stadt- und Verkehrsplanung. Autoreduzierte Quartiere mit einem integrierten Mobilitätskonzept gelten als ein Planungsansatz, um Nachhaltigkeitszielen auf lokaler Ebene gerecht zu werden. Deshalb ergründet diese Dissertation den Wandel von autoorientierter zu autoreduzierter Planung am Beispiel von autoreduzierten Quartiersentwicklungen in Darmstadt, Bielefeld und Köln. Einer Transition Governance-Perspektive folgend steht der Einfluss von planenden Akteur*innen, die an der Entwicklung und Umsetzung autoreduzierter Quartiere beteiligt sind, im Fokus. Die Analyse von Expert*inneninterviews in Darmstadt zeigt zunächst, dass sich die autoreduzierte Quartiersentwicklung als transformativer Governance-Prozess verstehen lässt, der in besonderem Maße durch die mobilitätsbezogenen Überzeugungen der involvierten Akteur*innen geprägt wird. Empirisch lassen sich vier Überzeugungsmuster transformativer Governance identifizieren: (i) Belief Setting, (ii) Belief Translation, (iii) Belief Persistence und (iv) Belief Change. Diese zeigen, dass der Wandel von autoorientierter zu autoreduzierter Planung durch widerstreitende Überzeugungen gekennzeichnet ist. Neue Planungspraktiken können jedoch zu einem Überzeugungswandel bei Akteur*innen führen, die den autoreduzierten Ansatz zunächst ablehnen. Eine vergleichende Analyse von Expert*inneninterviews mit Akteur*innen unterschiedlicher autoreduzierter Quartiersentwicklungen in Darmstadt, Bielefeld und Köln offenbart des Weiteren ein komplexes Wechselverhältnis zwischen Überzeugungsmustern und sozio-räumlichen Faktoren. Die Ergebnisse liefern einen Erklärungsansatz für die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Transformationsprozessen in der Stadt- und Verkehrsplanung, die diese Dissertation in vier beispielhaften Varianten eines Planungswandels nachzeichnet: Die autoreduziere Planung als (i) Mission, basierend auf der Überzeugung von der Bedeutsamkeit nachhaltiger Mobilitätsentwicklung, (ii) Transfer, orientiert an einem Vorbild mit ähnlichen Rahmenbedingungen, (iii) Mittel zum Zweck, um im verdichteten urbanen Raum Wohnraum zu schaffen und (iv) Uneindeutigkeit, hervorgerufen durch antagonistische Beziehungen zwischen Akteur*innen. Auf der Grundlage von ethnographischen Beobachtungen in der Stadtverwaltung Darmstadt sowie Expert*inneninterviews in Darmstadt und Köln zeigt die Arbeit schließlich, wie Akteur*innen die Etablierung autoreduzierter Quartiersentwicklung als Planungsstandard fördern oder behindern. Auf den empirischen Ergebnissen basierend wird das Modell einer transformativen Stadt- und Verkehrsplanungsinnovation entwickelt. Dies umfasst einerseits überzeugungsgeleitete Aktivitäten, die zur lokalen Einbettung, zum Transfer und zur Verbreitung von autoreduzierter Quartiersentwicklung beitragen. Anderseits beinhaltet es Aktivitäten, die den Planungswandel aufhalten oder rückabwickeln wollen. Die Ergebnisse legen nahe, dass externe Faktoren wie politische oder ökonomische Veränderungen die teils widersprüchlichen Bestrebungen zusätzlich verstärken. Insgesamt belegt diese Dissertation die Gleichzeitigkeit vom Streben nach Veränderung und Beharrungskräften in der Stadt- und Verkehrsplanung. Sie betont den Einfluss von planenden Akteur*innen und deren Überzeugungen auf Transformationsprozesse. Damit trägt die Arbeit zu einem besseren Verständnis für die Governance von Mobilität und Verkehr sowie die transformative Wirkung von Planungsinnovationen wie autoreduzierten Quartiersentwicklungen bei.
University Library J. C. Senckenberg
Title: Transformativ und überzeugungsgeleitet? Der Governance-Prozess nachhaltiger Mobilitätskonzepte für Neubauquartiere. Eine qualitative Untersuchung autoreduzierter Quartiersentwicklungen
Description:
Seit Jahrzehnten prägen eine auf das Auto ausgerichtete Planung und Politik die Siedlungsentwicklung in Deutschland und manifestieren die Vorrangstellung des Autos nicht nur infrastrukturell, sondern auch institutionell und kulturell.
Neben individuellen Vorteilen geht Automobilität jedoch mit negativen Konsequenzen einher, die sich beispielsweise global in Treibhausgasemission sowie lokal in Verkehrsstaus sowie Lärm- und Schadstoffbelastungen äußern.
Die sozial-ökologische Transformation des bestehenden Mobilitätssystems ist folglich eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung.
Um eine vom Auto unabhängige Mobilität zu ermöglichen, bedarf es einer Innovation der Stadt- und Verkehrsplanung.
Autoreduzierte Quartiere mit einem integrierten Mobilitätskonzept gelten als ein Planungsansatz, um Nachhaltigkeitszielen auf lokaler Ebene gerecht zu werden.
Deshalb ergründet diese Dissertation den Wandel von autoorientierter zu autoreduzierter Planung am Beispiel von autoreduzierten Quartiersentwicklungen in Darmstadt, Bielefeld und Köln.
Einer Transition Governance-Perspektive folgend steht der Einfluss von planenden Akteur*innen, die an der Entwicklung und Umsetzung autoreduzierter Quartiere beteiligt sind, im Fokus.
Die Analyse von Expert*inneninterviews in Darmstadt zeigt zunächst, dass sich die autoreduzierte Quartiersentwicklung als transformativer Governance-Prozess verstehen lässt, der in besonderem Maße durch die mobilitätsbezogenen Überzeugungen der involvierten Akteur*innen geprägt wird.
Empirisch lassen sich vier Überzeugungsmuster transformativer Governance identifizieren: (i) Belief Setting, (ii) Belief Translation, (iii) Belief Persistence und (iv) Belief Change.
Diese zeigen, dass der Wandel von autoorientierter zu autoreduzierter Planung durch widerstreitende Überzeugungen gekennzeichnet ist.
Neue Planungspraktiken können jedoch zu einem Überzeugungswandel bei Akteur*innen führen, die den autoreduzierten Ansatz zunächst ablehnen.
Eine vergleichende Analyse von Expert*inneninterviews mit Akteur*innen unterschiedlicher autoreduzierter Quartiersentwicklungen in Darmstadt, Bielefeld und Köln offenbart des Weiteren ein komplexes Wechselverhältnis zwischen Überzeugungsmustern und sozio-räumlichen Faktoren.
Die Ergebnisse liefern einen Erklärungsansatz für die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Transformationsprozessen in der Stadt- und Verkehrsplanung, die diese Dissertation in vier beispielhaften Varianten eines Planungswandels nachzeichnet: Die autoreduziere Planung als (i) Mission, basierend auf der Überzeugung von der Bedeutsamkeit nachhaltiger Mobilitätsentwicklung, (ii) Transfer, orientiert an einem Vorbild mit ähnlichen Rahmenbedingungen, (iii) Mittel zum Zweck, um im verdichteten urbanen Raum Wohnraum zu schaffen und (iv) Uneindeutigkeit, hervorgerufen durch antagonistische Beziehungen zwischen Akteur*innen.
Auf der Grundlage von ethnographischen Beobachtungen in der Stadtverwaltung Darmstadt sowie Expert*inneninterviews in Darmstadt und Köln zeigt die Arbeit schließlich, wie Akteur*innen die Etablierung autoreduzierter Quartiersentwicklung als Planungsstandard fördern oder behindern.
Auf den empirischen Ergebnissen basierend wird das Modell einer transformativen Stadt- und Verkehrsplanungsinnovation entwickelt.
Dies umfasst einerseits überzeugungsgeleitete Aktivitäten, die zur lokalen Einbettung, zum Transfer und zur Verbreitung von autoreduzierter Quartiersentwicklung beitragen.
Anderseits beinhaltet es Aktivitäten, die den Planungswandel aufhalten oder rückabwickeln wollen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass externe Faktoren wie politische oder ökonomische Veränderungen die teils widersprüchlichen Bestrebungen zusätzlich verstärken.
Insgesamt belegt diese Dissertation die Gleichzeitigkeit vom Streben nach Veränderung und Beharrungskräften in der Stadt- und Verkehrsplanung.
Sie betont den Einfluss von planenden Akteur*innen und deren Überzeugungen auf Transformationsprozesse.
Damit trägt die Arbeit zu einem besseren Verständnis für die Governance von Mobilität und Verkehr sowie die transformative Wirkung von Planungsinnovationen wie autoreduzierten Quartiersentwicklungen bei.

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